Nach der Kritik am Umgang mit Roma in Frankreich will die katholische Kirche auch gegen andere Regierungsvorstöße zur Migration vorgehen. Die Kirche werde sich neuen Bestimmungen widersetzen, die sie als zu hart empfinde, sagte der für Migration zuständige Bischof Claude Schockert der Tageszeitung „Le Parisien“. Er nannte als Beispiel einen Erlass zur Aberkennung der französischen Staatsbürgerschaft bei straffällig geworden Migranten. Einwanderungsminister Eric Besson wies die Kritik zurück.

Der Bischof sagte, die Zeiten, in denen Katholiken still blieben, wenn eine politische Entscheidung ihr christliches Gewissen verletze, seien vorbei. Es gebe keinen grundsätzlichen Streit mit der Regierung. Allerdings würden die Katholiken ihre Stimme hören lassen, wenn sie ihre Werte verletzt sähen.

Der Minister wies im Fernsehsender LCI die Kritik zurück. Die Details der Neuregelung seien noch nicht ausgearbeitet, erklärte Besson. Während die Kirche gemäß dem Evangelium Fremde bestmöglich aufnehmen wolle, habe die Regierung aber auch die Verantwortung, die Realitäten zu berücksichtigen. Besson sagte zugleich, beide Seiten würden damit ihren Aufgaben gerecht. Er kündigte an, nicht zu einer „Abkühlung“ des Verhältnisses zur Kirche beitragen zu wollen.

Die französische Regierung plant ein Gesetz, wonach eingebürgerten französischen Staatsbürgern ihre Staatsangehörigkeit wieder aberkannt werden kann, wenn sie wegen schwerer Vergehen verurteilt wurden. Voraussetzung ist, dass ihre Einbürgerung nicht mehr als zehn Jahre zurückliegt und die Aberkennung der Staatsbürgerschaft nicht dazu führen würde, dass sie staatenlos werden. Strittig ist unter anderem noch, ob auch der Tatbestand der Polygamie zur Aberkennung der Staatsbürgerschaft führen können soll.

Der französische Innenminister Brice Hortefeux will mit dem Bischofskonferenz-Vorsitzenden, Kardinal Andre Vingt-Trois, zusammentreffen. Die Begegnung war anberaumt worden, nachdem die Kirche scharf die Räumungen illegaler Roma-Lager und die Abschiebungen von Roma nach Rumänien und Bulgarien kritisiert hatte. Seit Ende Juli wurden knapp 1.000 Roma in ihre Heimatländer zurückgeschickt.

Zum unter anderem von der Kirche kritisierten Umgang mit den Roma sollen am Nachmittag zudem Gespräche der Verantwortlichen in Brüssel stattfinden. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström und EU-Justizkommissarin Viviane Reding wollten mit Einwanderungsminister Eric Besson und Europa-Staatssekretär Pierre Lellouche zusammentreffen. Reding werde später auch Vertreter Rumäniens empfangen. Ziel sei, möglichst umfassend Aufklärung über die Aktionen und Vorhaben Frankreichs zu erhalten. Reding wolle noch in dieser Woche der EU-Kommission einen Bericht zum Umgang mit den Roma vorlegen.

KNA/jm