Attentat in Norwegen

Mette-Marits Stiefbruder starb für seinen Sohn

Unter den Todesopfern des Überfalls auf Utøya ist auch der Stiefbruder der norwegischen Prinzessin Mette-Marit. Trond Berntsen wurde vom Attentäter erschossen, als er seinen zehnjährigen Sohn schützen wollte.

Zu den Opfern des Massakers auf der Insel Utøya gehört auch ein Stiefbruder der norwegischen Prinzessin Mette-Marit. Wie die Zeitung „Dagbladet“ am Montag in ihrer Online-Ausgabe berichtete, wurde der 51-jährige Polizist Trond Berntsen erschossen, als er seinen zehnjährigen Sohn schützen wollte. Berntsens Vater war mit der Mutter Mette-Marits, Marit Tjessem, verheiratet.

Eine Hofsprecherin sagte der Nachrichtenagentur NTB: „Die Gedanken der Prinzessin sind bei den nächsten Angehörigen.“ Berntsen hielt sich privat im Sommerlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF auf. Unklar blieb, ob er dabei als Wachmann für die Veranstalter arbeitete. Ein Fahndungsprecher hatte am Sonntag angegeben, dass ein Polizist außerhalb seines Dienstes diese Funktion ausgeübt habe.

Unterdessen gehen die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Attentäter Anders B. weiter. Die Staatsanwaltschaft in Oslo will ausnahmsweise acht Wochen Untersuchungshaft fordern – und damit doppelt so viel wie üblich. Nach Angaben des Gerichts in Oslo, wo Anders B. am Montagmittag (13.00 Uhr MESZ) einem Haftrichter vorgeführt werden soll, will der zuständige Staatsanwalt bei der ersten Anhörung zudem beantragen, dass diese unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. B. wird vorgeworfen, für die beiden Anschläge im Regierungsviertel in Oslo und auf der Insel Utöya verantwortlich zu sein, bei denen am Freitag mindestens 93 Menschen getötet wurden.

Nach Angaben der Polizei ist normalerweise eine Untersuchungshaft von maximal vier Wochen möglich, in besonderen Fällen kann sie aber entsprechend verlängert werden. Der Anwalt des mutmaßlichen Attentäters hatte am Sonntag im norwegischen Fernsehen gesagt, B. B. habe „zwei Wünsche“. Er wolle, dass die Anhörung öffentlich stattfinde und er wolle in einer Uniform vor dem Haftrichter erscheinen. Der Haftrichter muss am Montag nun zunächst darüber entscheiden, ob die Anhörung hinter verschlossenen Türen stattfindet und trifft dann eine Entscheidung über die Untersuchungshaft.

Indes werden immer mehr Details aus den Verhören der norwegischen Polizei bekannt. Der norwegische Attentäter wollte bei dem Massaker auf der kleinen Insel Utøya auch die frühere Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland ermorden. Die Osloer Zeitung „Aftenposten“ berichtete am Montagmorgen in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Polizeikreise, dass der 32-jährige Anders B. dies bei Verhören angegeben habe.

Brundtland (72) ist die international bekannteste sozialdemokratische Politikerin aus Norwegen. Sie war nach mehreren Amtszeiten als Ministerpräsidentin bis 2003 Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation WHO. Brundtland trat am frühen Freitagnachmittag beim sozialdemokratischen Jugendlager auf der Insel Utøya auf, bei dem B. wenig später mindestens 86 Jugendliche tötete.

B. hatte die oft als „Landesmutter“ bezeichnete Politikerin in seinem Internet-„Manifest“ als „Landesmörderin“ bezeichnet. Vor der Polizei gab der Attentäter nach den Angaben von „Aftenposten“ an, dass er sich auf der Insel verspätet habe. Auch seine Pläne für die vorherigen Bombenexplosionen seien eigentlich umfassender gewesen.

32-Jährige hatte in Verhören nach den beiden Anschlägen vom Freitag mit mindestens 93 Toten, erklärt, dass er seine Motive vor dem Haftrichter darlegen wolle. Dafür wünsche er Öffentlichkeit. In seinem sogenannten „Manifest“ im Internet hatte Breivik geschrieben, dass er die Zeit nach einer möglichen Festnahme als „Propagandaphase“ nutzen wolle.

In ganz Norwegen soll der überwiegend jugendlichen Opfer des beispiellosen Verbrechens um 12.00 Uhr mit einer Schweigeminute gedacht werden.