Atomkatastrophe

Japanischer Minister gibt nach einer Woche auf

Nur eine Woche nach seiner Berufung hat der japanische Wiederaufbauministers das Handtuch geworfen. Ryu Matsumoto hatte sich herablassend über die Erdbebenopfer geäußert.

Nach nur einer Woche im Amt ist der japanische Wiederaufbauminister Ryu Matsumoto wegen umstrittener Auftritte in den Katastrophenregionen zurückgetreten. Ungeachtet des Rücktritts stimmte die ohnehin schon geschwächte Regierung am Dienstag einem Nachtragshaushalt zur Bewältigung der Folgen des verheerenden Erdbebens zu. In der Stadt Fukushima wurden deutlich erhöhte Werte von radioaktivem Cäsium entdeckt.

Matsumoto stand massiv in der Kritik, nachdem er sich am Wochenende vor Vertretern zweier verwüsteter Regionen in einer als arrogant empfundenen Art und Weise verhalten hatte. Den Gouverneur der Präfektur Miyagi, Yoshihiro Murai, hatte Matsumoto vor laufenden Fernsehkameras für dessen Zuspätkommen abgekanzelt. Für Ärger sorgte zudem seine Äußerung gegenüber dem Gouverneur der Provinz Iwate, Takuya Tasso, wonach die Regierung ausschließlich den Erdbebenregionen helfen wolle, die „Ideen“ hätten – den anderen nicht.

"Meine Worte waren brutal und haben die Gefühle der von der Katastrophe betroffenen Menschen verletzt“, sagte der 60-Jährige bei seinem Rücktritt. Ministerpräsident Naoto Kan hatte Matsumoto erst am Montag vergangener Woche zum Chef des neu geschaffenen Wiederaufbauministeriums berufen. Er war bis dahin als Umwelt- und Katastrophenschutzminister mit den Aufräumarbeiten im schwer zerstörten Nordosten des Landes befasst.

Das Kabinett verabschiedete am Dienstag einen zweiten Nachtragshaushalt, der Hilfen für den Wiederaufbau und die Betroffenen der Atomkatastrophe vorsieht. Er umfasst insgesamt zwei Billionen Yen (16,6 Milliarden Euro). Der Nachtragshaushalt soll in knapp zwei Wochen dem Parlament vorgelegt werden, das bis Ende Juli über ihn abstimmen soll. Ein weiterer Nachtragshaushalt soll noch im Jahresverlauf ausgearbeitet werden.

Am 11. März hatten ein Beben der Stärke 9,0 und eine nachfolgende Tsunamiwelle im Nordosten Japans verheerende Schäden angerichtet. Im Westen des Landes schreckte am Dienstagabend (Ortszeit) ein neuer Erdstoß die Menschen auf. In der Präfektur Wakayama wackelte nach Behördenangaben die Erde mit einer Stärke von 5,4. Es wurde keine Tsunami-Warnung herausgegeben.

Durch die Naturgewalten vor fast vier Monaten war im Atomkraftwerk Fukushima die größte Atomkatastrophe seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl vor 25 Jahren ausgelöst worden. In der Stadt Fukushima rund 60 Kilometer von dem havarierten Akw entfernt wurden nach Angaben von Bürgerinitiativen mittlerweile Mengen an Cäsium im Boden gemessen, die den Grenzwert um ein Vierfaches übersteigen. Die Gruppen forderten die Behörden deshalb dazu auf, Schwangere und Kinder aus der 300.000-Einwohner-Stadt in Sicherheit zu bringen.

Wegen des Atomunglücks hatten 160.000 Menschen in der Umgebung des Kraftwerks ihr Hab und Gut zurücklassen müssen. Etwa jeder zweite von ihnen ist inzwischen wieder aus Notunterkünften in sein Haus zurückgekehrt. Der Akw-Betreiber Tepco sicherte den Vertriebenen am Dienstag weitere Entschädigungen zu. Familien, die wegen der Katastrophe ihr Zuhause vorübergehend oder ganz verlassen mussten, erhalten demnach pro Monat 100.000 Yen (850 Euro). Damit werde ihrem „Seelenleiden“ Rechnung getragen, sagte Industrieminister Banri Kaieda.