Den dunklen Vollbart und das schulterlange angegraute Haar trug Gary Brooks Faulkner schon, als ihn sein Bruder Scott am 30. Mai zum Flughafen in Denver fuhr. In Pakistan, seinem Reiseziel, stattete sich der 50-jährige Amerikaner aus Colorado dann mit landestypischer Kleidung sowie einer Pistole und einem ein Meter langen Schwert aus. Damit ging Faulkner an der Grenze zu Afghanistan auf die Jagd.

Pakistanischen Polizisten, die ihn im Brumboret-Tal in der Nähe der ostafghanischen Provinz Nuristan festnahmen, sagte der geschiedene Vater eines erwachsenen Sohnes, er sei unterwegs, um Osama Bin Laden zu köpfen. Er habe konkrete Informationen von Einheimischen bekommen, nach denen sich der Al-Qaida-Chef in einer Höhle unter einem bestimmten Berg verstecke. Ein mitgeführtes Nachtsichtgerät überzeugte den pakistanischen Geheimdienst, dass es der Naturbursche und Jäger aus den USA ernst meinte. Auf Bin Laden, den Staatsfeind Nummer 1, hat das US-Außenministerium laut FBI-Steckbrief 25 Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt.

Der „Rocky-Mountain-Rambo“ („New York Daily News“) sei „keineswegs verrückt, sondern so normal wie Sie und ich“, versichert Scott Faulkner. Sein Bruder, der älteste von vier Geschwistern, sei aber trotz dringlicher Warnungen seiner Angehörigen „so entschlossen wie eine Bulldoge“, die Opfer des 11. September 2001 auf eigene Faust zu rächen. Mit dem Kopfgeld wollte sich Gary Faulkner in Nicaragua zur Ruhe setzen und humanitäre Projekte fördern. Der gläubige Christ sei schon zum sechsten Mal nach Pakistan geflogen, sagt Scott. Die dortigen Behörden sprechen von drei früheren Einreisen des wegen kleinerer Einbruchs- und Diebstahlsdelikten vorbestraften Gary Faulkner.

Im vorigen Jahr war bei dem ehemaligen Chef einer kleinen Baufirma eine schwere Nierenerkrankung diagnostiziert worden. „Viele Menschen leben in Angst. Mein Bruder hat keine Angst“, sagt Scott Faulkner. Die US-Botschaft hat Kontakt zu dem Inhaftierten aufgenommen. Ob Gary Faulkner gegen Gesetze verstieß, ist fraglich.