Lage in Ägypten im Live-Ticker

Al-Baradei nennt Mubaraks Rede "Trick"

Oppositionspolitiker Mohammed al-Baradei macht Präsident Mubarak schwere Vorwürfe. Hinter seiner Rede verstecke sich ein "Trick".

+++ Der ägyptische Oppositionspolitiker Mohammed al-Baradei hat Präsident Husni Mubarak vorgeworfen, mit seiner TV-Ansprache einen "Trick" angewandt zu haben, um seine Macht langfristig zu sichern. Mubarak sei nicht weit genug gegangen, um die Forderungen der Demonstranten zu erfüllen. Al-Baradei deutete an, im September selbst als Präsidentschaftskandidat anzutreten. Dies sei aber derzeit nicht sein Fokus. +++

+++ Die Massenproteste in Ägypten gingen nach Präsident Mubaraks Rede weiter. Auch in anderen Städten Ägyptens dauerten die Proteste an. In einer ersten Reaktion zeigte sich die Jugendbewegung 6. April enttäuscht vom Angebot Mubaraks. "Wir lehnen das ab, weil es unsere Forderungen nicht erfüllt“, sagte ein Sprecher der Bewegung in Kairo. „Wir setzen die Proteste fort, bis unsere Forderungen erfüllt sind, besonders die Forderung nach dem Rücktritt Mubaraks und seines Regimes.“ +++

+++ Ägyptens Präsident Mubarak hat eine Fernsehansprache gehalten. Er warf politischen Widersachern vor, "Öl ins Feuer gegossen" zu haben, und die Massenproteste unnötig angeheizt zu haben. Dies habe zu Plünderungen und Gewalt geführt. Die Plünderungen würden juristisch verfolgt werden. "Die Ereignisse der letzten Tage erlegen uns allen, Bürgern und Regierung gleichermaßen , auf, zwischen Chaos und Stabilität zu wählen." Er habe niemals darum gebeten, Präsident zu sein. Seine erste Verantwortung liege darin, Ruhe und Stabilität wieder einkehren zu lassen. Mubarak erklärte sich bereit, die "friedliche Machtübertragung auf jeden, den das Volk wählt" , sicherzustellen. "Ich bin sehr entschlossen, meine Amtspflicht einzuhalten, indem ich den Frieden aufrechterhalte." Mubarak kündigte außerdem Verfassungsreformen an. Veränderungen solle es bei der Amtszeit des Präsidenten und der Zahl der zugelassenen Kandidaten geben, sagte er. Mubarak bekräftigte, er werde bis zur Wahl im September im Amt bleiben und nicht sofort zurücktreten. "Das ist mein Land", sagte Mubarak. "Hier habe ich gelebt, gekämpft und das Land verteidigt, und ich werde auf seiner Erde sterben ." Ägypten werde "stärker als zuvor" aus der Krise kommen. +++

+++ Ägyptens früherer Innenminister Habib al-Adli soll einem Militärgericht übergeben werden. Dies berichtete der Fernsehsender al-Arabiya. Er soll demnach dafür zur Verantwortung gezogen werden, dass viele Demonstranten kurz nach Ausbruch der Massenunruhen in Ägypten mit Tränengas beschossen verprügelt wurden. +++

+++ Der Sonderbotschafter der US-Regierung, Frank Wisner, hat sich mit Ägyptens Präsidenten Husni Mubarak getroffen. Wisner verhandelte mit Mubarak über eine "ordnungsgemäße Machtübergabe" in Ägypten, sagte ein Sprecher. +++

+++ Ägyptens Präsident Husni Mubarak wird laut dem TV-Sender al-Arabija nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren . Der Sender teilte mit, Mubarak werde in einer Fernsehansprache verkünden, dass er zur nächsten Wahl abtreten werde. Diese ist für September 2011 angesetzt. Bislang wollte der 82-Jährige für eine weitere, sechste Amtszeit kandidieren. +++

+++ Das Internet-Unternehmen Google hat mitgeteilt, dass sein Marketing-Verantwortlicher für den Mittleren Osten und Nordafrika in Kairo vermisst wird. Wael Ghonim sei seit Donnerstag nicht mehr gesehen worden. +++

+++ Die Unruhen haben den Frachtbetrieb in den Hafenanlagen von Alexandria und Damietta Kreisen zufolge quasi zum Stillstand gebracht. Die Proteste hielten die Arbeiter vom Dienst ab, hieß es aus Branchenkreisen. Die Wirtschaft des Landes stürze ins Chaos. Ein in Alexandria ansässiger Vertreter des Versicherungsmarktes Lloyd's of London sagte, der Hafen sei zwar nicht geschlossen geworden. Es werde aber auch nicht gearbeitet. Es seien keine Zöllner da und auch niemand, der die Kräne bediene. +++

+++ Allein in der Hauptstadt Kairo demonstrierten bis zum frühen Nachmittag nach Informationen des Senders Al-Dschasira bis zu zwei Millionen Menschen gegen Präsident Husni Mubarak und seine Regierung. +++

+++ In Kairo zeigen die Streitkräfte Präsenz, ohne die Proteste zu behindern. Die Anhänger Mubaraks haben sich von der Gegendemonstration zurückgezogen. +++

+++ Mit ihrem „Marsch der Million“ wollen die Demonstranten in Kairo das Ende des Regimes von Präsident Husni Mubarak erzwingen. Hunderttausende Menschen versammelten sich auf dem Tahir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt, einige Quellen sprachen am frühen Nachmittag sogar von einer Million Teilnehmern. Die Sicherheitskräfte sperrten vor der Großkundgebung alle in die Hauptstadt führenden Straßen, der öffentliche Nahverkehr wurde eingestellt. Trotzdem strömten unaufhörlich mehr Menschen auf den Platz. „Das ist sein Ende“, sagte der 23-jährige Universitätsabsolvent Musab Galal mit Bezug auf Mubarak. Auch in anderen Städten wie Alexandria und Suez kam es zu größeren Protestaktionen. +++

+++ Die 24 Kandidatinnen zur Wahl der „Miss Germany 2011“ packen wegen der Unruhen in Ägypten vorzeitig ihre Koffer. Die Vorbereitung der jungen Frauen im Touristenzentrum Hurghada werde aus Sicherheitsgründen früher beendet als geplant, sagte ein Sprecher der Organisatoren. Statt wie vorgesehen am Samstag, werden die Frauen bereits am Donnerstagabend nach Deutschland zurückkehren. "Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, sagte Organisator Ralf Klemmer. „Unsere Mädchen sind nicht akut gefährdet.“ +++

+++ Parallel zu der Massenkundgebung gegen den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo versammelten sich auch Anhänger des greisen Staatschefs . Etwa 2000 Teilnehmer riefen „Ja zu Mubarak, nein zu Demonstrationen und Sabotage“. Zusammenstöße mit den anderen Demonstranten gab es bisher nicht. Die Stimmung war aber sehr aufgeheizt. +++

+++ Die Bundesregierung rät ab sofort von Reisen nach ganz Ägypten ab. Dies sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Die verschärfte Reisewarnung gilt auch für die Touristengebiete am Roten Meer. +++

+++ Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan rief die ägyptische Führung zu einer demokratischen und friedlichen Lösung des Konflikts mit der Opposition auf. „Ich rufe Ägypten auf, vergesst nicht eure Kultur und Geschichte“, sagte Erdogan. Das ägyptische Volk nutze nur demokratische Rechte. +++

+++ Ausländer und Ägypter verlassen angesichts der anhaltenden Proteste weiter in Scharen die Hauptstadt Kairo. Auf dem internationalen Flughafen von Kairo saßen aber noch rund 4500 Menschen fest und warteten auf eine Möglichkeit, das Land verlassen zu können. Ein Flughafensprecher teilte mit, 18 Charterflüge mit mehr als 1500 Ausländern an Bord hätten Kairo am Morgen in Richtung Europa verlassen. Die ägyptische Fluggesellschaft EgyptAir hat rund 75 Prozent ihrer Flüge abgesagt, weil sie wegen der Ausgehverbote und der Straßensperren in Kairo nicht das notwendige Personal zusammenbekommt. +++

+++ Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte mahnte mit Blick auf die Massenproteste gegen die langjährige Herrschaft Mubaraks einen Systemwechsel in dem Land an. Navi Pillay erklärte, die ganze Welt beobachte, wie der Präsident und die umgebildete Regierung auf die anhaltenden Forderungen nach einem radikalen Wandel reagierten. Unter Bezug auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte forderte sie, Menschen müssten vor Misshandlungen geschützt werden. Sie verurteilte, dass bei den Protesten schon rund 300 Menschen ums Leben gekommen seien und mehr als 3000 verwundet wurden. +++

+++ Bis zum Mittag haben sich mehr als 200.000 Menschen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo zu einer Protestkundgebung gegen Mubarak versammelt. Zu der Demonstration auf dem zentralen Tahir-Platz wurden bis zu eine Million Demonstranten erwartet. Die Streitkräfte wollen nicht eingreifen, wenn die Kundgebung friedlich bleibt. Das Militär erkenne die „Legitimität der Forderungen des Volkes“ an, sagte Militärsprecher Ismail Etman. +++