Libyen

Rebellen unterliegen im Kampf um Brega

Die Industriestadt ist weiterhin in den Händen der Gaddafi-Truppen. Allerdings sollen mehrere seiner Offiziere zu den Rebellen übergelaufen sein.

Die libyschen Aufständischen haben vergeblich versucht, die Küstenstadt Brega einzunehmen, aus der sie am Vortag von den Regimetruppen vertrieben worden waren. Der Vorstoß mit mehreren Dutzend Fahrzeugen geriet in heftiges Artilleriefeuer der Verbände des Machthabers Muammar al-Gaddafi und musste abgebrochen werden, berichtete ein BBC-Reporter aus dem Kampfgebiet. Der Wagen, der die Attacke anführte, sei von einer Granate getroffen worden. Die Milizen der Regimegegner stünden nun unverändert etwa zehn Kilometer westlich der Stadt Adschdabija, sagte der Reporter.

Der arabische Nachrichtensender Al-Arabija hatte am frühen Morgen gemeldet, Aufständische seien wieder in Brega. Dabei könnte es sich um Kundschafter gehandelt haben, die vor Angriffen versuchen, das Terrain zu sondieren. Die Rebellen haben allerdings große Probleme, untereinander zu kommunizieren. So verfügen sie etwa über keine Funkgeräte.

Oppositionelle erklärten indes, in der Oasen-Stadt Kufra im Süden Libyens seien etliche Offiziere der Chamies-Brigade zu den Aufständischen übergelaufen. Die Brigade, die zu den am besten ausgerüsteten Einheiten der libyschen Streitkräfte zählt, ist nach Chamies, einem Sohn von Staatschef Gaddafi, benannt. Chamies soll vor einigen Tagen getötet worden sein. Die Staatsführung bestreitet dies jedoch.

Wie am Morgen bekannt wurde, hat Gaddafi außerdem einen wichtigen Vertrauten verloren. Sein Außenminister Mussa Kussa hat sich nach London abgesetzt und ist offenbar zurückgetreten. Kussa sei „aus freien Stücken“ nach Großbritannien gereist, teilte das Außenministerium in London mit.

„Er hat uns gesagt, dass er von seinem Posten zurücktritt“, hieß es aus dem britischen Außenministerium über Kussa, der demnach aus Tunesien kam, wo er laut der tunesische Nachrichtenagentur TAP einen als „privat“ deklarierten Besuch absolvierte. Nach Angaben des britischen Außenministers William Hague genießt Kussa keine Immunität vor Strafverfolgung. Kussa spreche derzeit in London mit hohen britischen Beamten, mehr Details würden „zu gegebener Zeit“ bekanntgegeben.

Hague betonte, Kussa sei bereits in der vergangenen Wochen sein engster Gesprächspartner in Libyen gewesen. Ein hochrangiger US-Vertreter sprach von einem Signal dafür, dass in Gaddafis Umfeld das Vertrauen in die Stabilität der Führung schwinde.

Die Nato hat das alleinige Kommando über die Luftangriffe auf Libyen übernommen. Seit 8.00 Uhr liege die Kontrolle beim Bündnis, teilte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen mit. Bislang hatten die USA die Luftangriffe auf die Truppen von Machthaber Muammar al Gaddafi gesteuert. Diese waren am 19. März von Frankreich gestartet worden, um den Sturm auf die Rebellenhochburg Bengasi in letzter Minute zu stoppen.

„Die Allianz verfügt über alle Mittel, um die Operation 'Unified Protector' durchzuführen“, erklärte Rasmussen am Donnerstag. Mit dem Einsatz soll die UN-Resolution gegen Gaddafi umgesetzt werden. Sie umfasst die Durchsetzung des Waffenembargos, der Flugverbotszone sowie Angriffe auf Bodenziele zum Schutz der Zivilbevölkerung. Ein Militäreinsatz zum Sturz Gaddafis gehört dagegen nicht zum Mandat.

Den Beschluss, die Verantwortung über den gesamten Einsatz zu übernehmen, hatte die Nato nach langem Streit am vergangenen Sonntag gefasst. Frankreich und die Türkei hatten eine Einigung zunächst blockiert. An den Militäreinsätzen sollen sich aber nicht nur Nato-Mitglieder beteiligen, sondern auch arabische Staaten. Für die politische Steuerung war am Dienstag in London eine internationale Kontaktgruppe gegründet worden.

Bisher fliegen US-Piloten die Hälfte der Einsätze

Eine sogenannte Koalition der Willigen um die USA, Frankreich und Großbritannien hatten in den vergangenen Tagen bereits Luftangriffe auf Ziele in Libyen geflogen und dabei Truppen Gaddafis bombardiert.

Den Aufständischen aus dem Osten des Landes gelang es dadurch zwischenzeitlich, in Richtung der Hauptstadt Tripolis vorzudringen, sie geraten aber wieder verstärkt unter Druck durch Gaddafis Truppen.

Die USA hatten zuletzt am Mittwoch klargemacht, dass sie sich schrittweise aus dem Militäreinsatz in Libyen zurückziehen wollen. Das Engagement der US-Streitkräfte bei den Luftangriffen werde spürbar reduziert, sagte Nato-Kommandeur Admiral James Stavridis bei einer Anhörung vor dem US-Kongress.

Bis zum Donnerstag sei die Hälfte der Luftangriffe von US-Piloten geflogen worden. In den kommenden Wochen wollten sich die USA auf eine Rolle des Unterstützers anderer Streitkräfte konzentrieren.