Pappkartons als Matratzen, Plastikfolien als Regenschutz, Schaumstoffstücke als Ersatz für Schuhe: Die Bilder aus Ierapetra, einem Ferienort im Südosten Kretas, zeigen, wie dramatisch sich die Lage für Migranten auf der griechischen Insel zugespitzt hat. Seit Beginn letzter Woche kamen mehr als 1000 Menschen in Booten von der libyschen Küste an. Allein vergangenen Montag wurden binnen weniger Stunden über 700 Migranten aufgegriffen oder aus Seenot gerettet.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Als ein Unwetter über die Region zog, boten selbst provisorische Zelte kaum Schutz. Schließlich stellte ein örtliches Transportunternehmen vier Lastwagen zur Verfügung. In ihren Laderäumen fanden rund 150 Menschen vorübergehend Zuflucht.
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Auf dem Gelände des ehemaligen Industriebetriebs Agrex drängten sich Hunderte Menschen in leer stehenden Lagerhäusern. Unter ihnen waren zehn Schwangere und etwa 20 Kinder zwischen sechs Monaten und sechs Jahren. Eine Schwangere musste wegen Blutungen medizinisch versorgt werden, Kinder litten unter hohem Fieber. Weitere Menschen wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht.
Kreta im Notstand: Flüchtlinge finden kaum noch Unterkünfte
Der ehrenamtliche Sanitäter des Roten Kreuzes, Giorgos Achlatis, und die örtlichen Behörden versuchten, Frauen und Kinder bevorzugt in Zelten unterzubringen. Doch sämtliche verfügbaren Unterkünfte waren belegt. Eine stillende Mutter mit ihrem sechs Monate alten Baby fand in Büroräumen Platz. Der Bürgermeister von Ierapetra bezeichnete die Zustände als „gelinde gesagt inakzeptabel“.
Der Notstand verdeutlicht, wie sehr Kreta durch die steigenden Ankunftszahlen überfordert ist. Nach Angaben der Küstenwache erreichten bis zum 14. Oktober 19.546 Migranten die Insel. Die meisten Boote starten an der libyschen Küste nahe der Hafenstadt Tobruk. Schleuser verlangen für die gefährliche Überfahrt in oft überladenen, nicht seetüchtigen Booten nach Angaben von Migranten bis zu 4000 Euro pro Person.
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Die meisten Ankömmlinge stammen aus dem Bürgerkriegsland Sudan, gefolgt von Menschen aus Bangladesch, Afghanistan, Ägypten und Eritrea. Während die Route über Kreta an Bedeutung gewinnt, sind die Ankünfte auf den östlichen Ägäisinseln deutlich zurückgegangen. Die griechische Regierung führt dies auf die engere Zusammenarbeit mit der Türkei zurück. Eine vergleichbare Vereinbarung mit Libyen ist bislang nicht gelungen.
Widerstand gegen neues Flüchtlingslager auf Kreta
Athen plant deshalb zusätzliche Aufnahmeeinrichtungen. Neben der bestehenden Unterkunft in Agia bei Chania soll ein weiteres Lager bei Heraklion entstehen. Die Bauarbeiten haben nach Regierungsangaben bereits begonnen. Doch viele Einwohner lehnen die Pläne ab. Sie fürchten negative Folgen für den Tourismus.
Dabei fehlt es in Griechenland nicht grundsätzlich an Unterbringungsplätzen. Landesweit sind nach Regierungsangaben rund 20.000 der 40.000 verfügbaren Plätze belegt. Das Problem ist vielmehr die ungleiche Verteilung und die schleppende Verlegung der Menschen von Kreta aufs Festland. Ein gechartertes Schiff hat bereits mehr als 7000 Migranten von der Insel zu anderen Unterkünften gebracht. Doch die Ankünfte gehen weiter.
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Die Regierung will Menschen ohne Aussicht auf Schutz künftig in geschlossenen, bewachten Einrichtungen unterbringen und nach abgelehnten Asylanträgen rasche Rückführungen einleiten. Den Kommunen auf Kreta helfen diese Pläne jedoch aktuell nicht.









