Nach einer wochenlangen Hängepartie hat die Bundesregierung mit der bisherigen EU-Antisemitismusbeauftragten Katharina von Schnurbein eine neue eigene Beauftragte gefunden. Das Bundeskabinett beschloss die Personalie am Mittwoch. Von Schnurbein war seit 2015 Beauftragte der EU-Kommission für den Kampf gegen Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens und übernimmt diese Aufgabe nun in Berlin.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Zuvor war sie unter anderem im Beraterteam des früheren Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso verantwortlich für den Dialog mit Kirchen, Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Ihren neuen Posten in Berlin soll sie am 28. Oktober antreten.

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Von Schnurbein im Kreuzfeuer von israelkritischen Angeordneten

Von Schnurbein wurde 1973 im niederbayerischen Regen geboren. Das Adelsgeschlecht ist evangelisch. Nach eigener Aussage legten ihre Eltern früh Wert darauf, dass sie über das Judentum und den Holocaust Bescheid weiß. Von Schnurbein studierte Politikwissenschaft und Slawistik in Prag, Bonn und Oxford. Seit 2002 arbeitete sie für die EU-Kommission, zunächst als Pressereferentin der EU-Vertretung in Tschechien, später als Sprecherin in Brüssel. Fünf Jahre lang beriet sie Kommissionspräsident José Manuel Barroso zu Fragen der Zivilgesellschaft und zum Dialog mit Religionsgemeinschaften und nicht-konfessionellen Organisationen.

Für ihren Einsatz gegen Antisemitismus erhielt von Schnurbein mehrere Auszeichnungen, unter anderem 2024 die Ehrendoktorwürde der israelischen Ben-Gurion-Universität im Negev. 2025 forderten israelkritische Abgeordnete des EU-Parlaments ihre Absetzung, weil sie in einem internen Austausch mit Diplomaten einseitig Partei für Israel ergriffen haben soll. Dutzende jüdische Organisationen stärkten ihr daraufhin öffentlich den Rücken. Von Schnurbein ist verheiratet und hat vier Kinder. Sie spricht mehrere Sprachen fließend.

Zentralrat der Juden: Schnurbein „herausragende Besetzung“

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, begrüßte die Besetzung. Von Schnurbein sei „im Kampf gegen Antisemitismus international bestens vernetzt“ und genieße in der jüdischen Gemeinschaft ein sehr hohes Ansehen. Er kenne sie persönlich schon viele Jahre und halte sie „sowohl persönlich als auch professionell für eine herausragende Besetzung“.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster© dpa | Pia Bayer

Von Schnurbein stelle sich mit der Übernahme des Amtes großen Herausforderungen, so Schuster. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 „beobachten wir nach dem explosionsartigen Anstieg des Judenhasses nun seine fortschreitende Normalisierung in der Mitte der Gesellschaft“. Er sei überzeugt, dass von Schnurbein die Richtige sei, um diesen Herausforderungen zu begegnen, sagte der Zentralratspräsident.

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Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) würdigte die neue Beauftragte als „ausgewiesene Expertin im Kampf gegen Antisemitismus“. Für die Bundesregierung sei klar: „Jüdisches Leben gehört zu Deutschland. Wir schützen es, wir stärken es und verteidigen es entschlossen gegen jede Form von Antisemitismus.“

Sie schaue ihrer neuen Aufgabe „mit großem Respekt, Demut, aber auch dem nötigen Gestaltungswillen entgegen“, sagte von Schnurbein selbst. Viele Jüdinnen und Juden fühlten sich seit dem 7. Oktober nicht mehr sicher und würden sich nicht mehr als Jüdinnen und Juden zu erkennen geben. Antisemitismus müsse jederzeit entschlossen bekämpft werden. Gerade als geschlossenes Weltbild untergrabe er Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Gesellschaft.

Antisemitismus-Beauftragter Klein
Von Schnurbeins Amtsvorgänger Felix Klein© Sebastian Christoph Gollnow/dpa | Sebastian Christoph Gollnow

Amt war wochenlang nur übergangsweise besetzt

„Ich bin mir sehr bewusst, dass ich in ein Deutschland komme, in dem das heilige Versprechen des “Nie wieder‘ nach der Schoah infrage gestellt ist, weil sich Jüdinnen und Juden nicht mehr sicher fühlen„, hatte von Schnurbein der “Jüdischen Allgemeinen„ bereits am Montag gesagt, als durchgesickert war, dass sie neue Beauftragte in Deutschland werden soll. Jüdisches Leben müsse in Deutschland wieder angstfrei möglich sein.

Der bisherige Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, war Ende August als Botschafter Deutschlands bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nach Paris gewechselt. Übergangsweise übernahm der parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, Christoph de Vries (CDU), die Aufgaben des Beauftragten.

An der verzögerten Nachbesetzung des Postens hatte es mit Blick auf den zunehmenden Antisemitismus Kritik gegeben. Klein war acht Jahre lang der erste Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus gewesen.

fmg/KNA