Die jüngste Volte des US-Präsidenten Donald Trump hat einmal mehr Fassungslosigkeit und Erschütterung in Europa ausgelöst: Ausgerechnet vom russischen Aggressor Wladimir Putin Diesel zu beziehen und damit die Kriegsmaschinerie der Russen am Laufen zu halten, zeugt von einem Denken, das alle westlichen Werte verrät.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Und doch hilft die moralische Empörung nicht weiter. Denn Trump hat in seinem radikalen Pragmatismus einen Punkt: Ihn sorgen die exorbitant gestiegenen Energiepreise, die er allerdings durch seinen kopflosen Angriff im Iran mitverursacht hat. Trump weiß, dass sich an den Tankstellen Wahlen entscheiden können. Vor genau zwei Jahren gewann er die Präsidentschaftswahl, weil er zwei Probleme immer wieder anprangerte: Inflation und Migration.

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In Europa ist das nicht anders: Nachdem die Zuwanderung nach Europa zuletzt besser begrenzt werden konnte, ist die sich permanent verteuernde Energie der Treibstoff der Populisten. Viele Länder reagieren, indem sie die Kfz‑Steuer aussetzen, Preisobergrenzen einführen oder Tankrabatte beschließen. In Deutschland ist die Lage ebenfalls prekär: So erhielten im Jahr 2024 – also vor den jüngsten Preissteigerungen – schon rund 4,6 Millionen Haushalte eine Sperrandrohung für Strom und eine Million für Gas. Trotzdem herrscht hierzulande in vielen Bereichen noch ein grüner Besserverdienerkonsens, wonach steigende Energiepreise gut fürs Klima sind.

Matthias Iken
Matthias Iken ist stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.© Funke Foto Services | Marcelo Hernandez

Doch mit galoppierenden Benzin-, Gas- und Strompreisen steigt auch die Zustimmung für radikale Kräfte. Die Große Koalition ist gut beraten, diesen Zusammenhang zu verstehen – und zu handeln.