Falls die Demokraten 2028 das Weiße Haus zurückerobern sollten, könnte eine Personalfrage bereits abgehakt sein: Wer wäre geeignet, ein Justizministerium zu führen, dessen ramponierter Ruf nach Jahren politischer Liebedienerei zu Donald Trump mühsam wiederhergestellt werden müsste? Jack Smith hat dafür gerade indirekt eine herausragende Bewerbung abgegeben – als Staatsanwalt von altmodischer Unbeirrbarkeit.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der frühere Sonderermittler, der den 47. Präsidenten wegen seines Versuchs angeklagt hatte, das Ergebnis der Wahl von 2020, den Sieg Joe Bidens, auf verfassungswidrige Weise zu kippen, wusste bei seinem jüngsten Auftritt vor dem Justizausschuss des Senats genau, was ihn erwartete. Einige Republikaner wollten ihn nicht aufklären lassen, sondern final beschädigen. Sie werfen ihm Machtmissbrauch, politische Strafverfolgung und eine gegen Trump gerichtete Verschwörung des Justizapparats vor. Trump selbst verlangt seit Langem, Leute wie Smith ins Gefängnis zu stecken.
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Smith hätte also allen Grund gehabt, behutsam zu taktieren und den berüchtigten Washingtoner Rückwärtsgang einzulegen.
Er tat das Gegenteil.

Trump: Jack Smith zeigt Standhaftigkeit, wie man sie selten in Washington erlebt
Mit bewundernswerter Selbstbeherrschung, die bei ihm leicht mit Farblosigkeit verwechselt wird, erklärte der Marathonläufer, er werde sich nicht zum Schweigen bringen lassen. Dann legte er den Satz nach, der für Donald Trump weit unangenehmer ist als jedes parteipolitische Scharmützel: Er und seine Ermittler hätten Beweise zusammengetragen, die nach ihrer professionellen Überzeugung – jenseits vernünftiger Zweifel – eindeutig belegten, dass Trump „schwere Verbrechen gegen unser Land“ begangen habe.
Das ist keine nachträgliche Verurteilung Trumps. Dazu kam es nie. Eine Jury bekam die Beweise nicht vollständig vorgelegt; die Verfahren endeten, bevor über Schuld und Unschuld entschieden werden konnte. Smith wurde kaltgestellt, ausgebootet. Aber gerade deshalb besitzt seine Aussage solche Wucht. Dass er heute unter maximalem politischen Druck erklärt „Ich nehme nichts zurück“, ist der Ausdruck von Standhaftigkeit, wie man sie selten in Washington erlebt.
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Fast demonstrativ wirkte dabei der Kontrast zu Eric Schmitt. Der republikanische Senator aus Missouri versuchte, Smith mit angeblichen Belegen dafür festzunageln, Anfang Februar 2024 in Atlanta gewesen zu sein – mit dem kaum verhüllten Verdacht, dort könne er sich mit der damaligen Fulton-County-Staatsanwältin (und Trump-Kritikerin) Fani Willis abgestimmt haben. Schmitt verwies triumphierend auf ein NBA-Basketballspiel der „Hawks“. Nur war Smith nicht in Atlanta. Er saß zu jener Zeit in College Park, Maryland, und sah sich Frauen-Basketball mit Superstar Caitlin Clark an.
News aus den USA
Smith lässt sich nicht aus der Ruhe bringen
Der republikanische Versuch, Smith als Meineidigen vorzuführen, implodierte so heftig, dass Herr Schmitt als Witzfigur in die Geschichte eingehen wird. Man hätte lachen können. Aber dafür war die Szene zu ernst. Smiths Gegnern reicht es nicht, seine Ermittlungen hart zu kritisieren. Der Staatsanwalt soll auf die Anklagebank. Wer Trump untersucht hat, soll dafür bezahlen.
Smith ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Kein Zurückbrüllen, keine Empörungsshow. Stattdessen Akten, Regeln, Beweisstandards – ein stoischer, ungemein starker Auftritt.
USA: Kurz vor den „Midterms“ bekommt Smith neues Gewicht
An dieser Stelle bekommt Smiths Auftritt wenige Wochen vor den „Midterms“ eine zusätzliche Bedeutung.
Sollten die Demokraten am 3. November nicht nur das Repräsentantenhaus, sondern auch den Senat erobern, verändert sich Trumps politische Sicherheitslage dramatisch. Eine Kongressmehrheit kann keine Strafverfahren wieder beleben und niemanden verurteilen. Aber sie kann Untersuchungen eröffnen, Zeugen vorladen, Akten sichern, Minister unter Eid befragen, öffentliche Anhörungen erzwingen und Vorgänge dokumentieren, die eine republikanische Mehrheit lieber im Dunkeln hielte. Etwa weite Teile von Smiths Ermittlungsarbeit, die nie vollständig öffentlich geworden ist.

Für Trump wäre das politisch gefährlich. Weil die institutionelle Schutzwand bröckeln könnte, hinter der er seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus operiert. Smith weiß, was in diesen Akten steht. Sein Auftritt war die Erinnerung daran, dass diese Beweise nicht verschwinden.
Smith bleibt seinen eigenen Ermittlungen treu
Während ein großer Teil der Republikanischen Partei inzwischen nahezu jede Trump-Version eines Ereignisses lemminghaft übernimmt, blieb Smith bei einer sehr viel unbequemeren Form der Loyalität: der Loyalität gegenüber dem eigenen Ermittlungsergebnis.
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Es hatte fast etwas Stures. Vielleicht sogar etwas Heroisches.
Ein Mann sitzt vor Senatoren, von denen einige ihn am liebsten hinter Gittern sähen, und sagt ihnen mit vollkommen ruhiger Stimme: Ich habe gesehen, was ich gesehen habe. Ich habe geprüft, was ich prüfen musste. Und ich würde es wieder tun. Sollten die „Midterms“ für Trump und die Republikaner zum Desaster werden, könnte dieser Satz noch erheblich nachhallen.










