Die erste Parlamentswahl in Russland seit Kriegsbeginn ist auf den ersten Blick nicht sehr spannend. Wer gewinnen wird, das ist klar: die Kremlpartei Geeintes Russland. Aber auch die anderen neun Parteien, die sich zur Wahl stellen, stehen hinter Putin, stehen hinter dem Krieg in der Ukraine. Die offen kriegskritische Partei Jabloko wurde dagegen zunächst zur Wahl zugelassen und dann wieder ausgeschlossen. Möglicherweise aus Angst vor zu viel Resonanz bei den jungen Menschen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Und das ist vielleicht unklug. Denn Wladimir Putin muss sich Sorgen um die Wahlbeteiligung machen. Sicher: Der Kremlchef sitzt fest im Sattel, 70 Prozent der Menschen im Land vertrauen ihm nach wie vor. Doch nach einer neuen Meinungsumfrage erwartet mehr als die Hälfte der Menschen im Land in den nächsten sechs bis zwölf Monaten keine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. 23 Prozent glauben, sie würde sich verschlechtern. Eine Abstimmung mit den Füßen droht. Einfach nicht zur Wahl gehen.

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Jo Angerer
Jo Angerer, Russland-Korrespondent.© privat | Privat

Jetzt aber könnte die Abstimmung mit den Füßen weitergehen. Mehr und mehr junge Menschen könnten das Land verlassen. Nicht aus Angst vor einer erneuten Mobilisierung, die es wahrscheinlich nicht geben wird. Sehr wohl aber aus Angst um ihre Zukunft. Und junge Menschen bräuchte Russlands Wirtschaft dringend. Ohne Jugend keine Zukunft – und zwar für keine Gesellschaft.