Johannes Winkel ist exakt halb so alt wie Friedrich Merz und kommt aus derselben Ecke wie der Kanzler: Beide sind im Sauerland geboren – und kennen sich lange. Der Chef der Jungen Union schätzt an Merz die „Sturköpfigkeit“ der Westfalen, ist aber auch schon heftig mit ihm aneinandergeraten: Winkel gehörte im Herbst 2025 zu den jungen CDU-Politikern, die sich gegen das Rentenpaket der schwarz-roten Koalition stellten – und am Ende mit „Nein“ gegen den eigenen Kanzler stimmten.

Im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ dieser Redaktion zeichnet Winkel jetzt den Krimi jener Tage nach – und beschreibt die letzten Stunden vor der finalen Entscheidung. Wie groß war der Druck auf die jungen Abgeordneten? Und warum riskierte Winkel in seinem allerersten Jahr im Bundestag gleich eine handfeste Regierungskrise?
Winkels Vater rät dem Sohn von der CDU ab: „keine christliche Partei“
Winkel erzählt aber auch, wie es überhaupt dazu kam, dass er in die CDU eintrat – und nicht der Warnung seines Vaters folgte. „Ich habe mit meinem Vater immer viel über Politik diskutiert“, erinnert sich Winkel. Irgendwann habe er dann überlegt, dass er auch selbst etwas machen wolle, „und nicht immer nur irgendwie einsam eine Talkshow gucken“. Er will in eine Partei eintreten, weiß aber zunächst nicht, in welche. Mit der CDU hat Winkel „ein fundamentales Problem“. Damals ist die Partei noch gegen den gesetzlichen Mindestlohn. Sein Vater warnt ihn. „Eine Partei, die gegen den Mindestlohn ist, ist keine christliche Partei. Und mir hat das total eingeleuchtet.“
Doch Winkel tritt trotzdem ein, und auch in der CDU dreht sich die Stimmung schließlich zugunsten einer gesetzlichen Regelung. Bis heute findet Winkel die Einführung des Mindestlohns richtig. „Auch alle Schreckensnachrichten von damals, was passiert, wenn der Mindestlohn eingeführt wird, sind so jedenfalls nicht eingetreten.“ Es gibt aber noch ein anderes Problem, damals. Winkel stellt fest, dass es in seiner Heimatstadt Kreuztal keinen aktiven Verband der Jungen Union mehr gibt. „Ich habe dann mit ein paar Freunden gesagt, wir machen das jetzt einfach wieder.“
Winkel warnt die CDU: Wer immer so weitermacht, wird „sicher untergehen“
Heute schaut Winkel mit großer Sorge auf seine Partei und stellt ihr eine bittere Diagnose: „Die großen Volksparteien, SPD und CDU, leben noch total in der Bonner Republik. Da sind Leute drin, die sind schon ewig dabei. Die sitzen in riesigen Parteizentralen, die gar nicht mehr die Zustimmung in der Bevölkerung repräsentieren – und gedanklich oft sehr eingemottet.“ Ab und zu, sagt Winkel, brauche eine Partei einen Generationenwechsel. „Eine Partei, die einfach immer so weitermacht, mit dem Argument ‚Das haben wir schon immer so gemacht‘, die wird irgendwann sehr sicher untergehen.“
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