Wer einen 26 Jahre alten Airbus A340 kaufen möchte, kann derzeit in den USA fündig werden. Das angebotene Flugzeug hat allerdings eine ungewöhnliche Vergangenheit. Es flog über Jahre die Bundesregierung um die Welt.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Der US-Flugzeughändler Jetcraft bietet die frühere „Theodor Heuss“ zum Verkauf an. Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsidenten und Ministerinnen nutzten die Maschine für Auslandsreisen. Das ist bis heute an der luxuriösen Ausstattung und Aufteilung des Flugzeuges erkennbar. Eine Verkaufsbroschüre und ein Videorundgang zeigen nun alle edlen Räume, die früher selbst mitreisenden Journalisten verborgen geblieben waren: eine private Suite, Schlafmöglichkeiten und ein Badezimmer mit Dusche.
Kanzler-Flieger war mehr als 50.000 Stunden in der Luft
Der Airbus A340-300 wurde im Jahr 2000 gebaut. Er trägt die Seriennummer 355. Nach Angaben von Jetcraft hat die Maschine seit ihrer Fertigstellung 50.710 Flugstunden und 8768 Landungen absolviert. Der Jet kann 145 Passagiere befördern. Seine Reichweite liegt laut Verkaufsunterlagen bei mehr als 7000 nautischen Meilen. Umgerechnet sind das etwa 13.000 Kilometer. Damit konnte die Bundesregierung auch weit entfernte Ziele ohne zusätzlichen Tankstopp erreichen.

Jetcraft wirbt ausdrücklich mit der politischen Geschichte des Flugzeuges. Die Maschine sei einer von zwei A340 der deutschen Luftwaffe gewesen, die „Kanzler und Präsidenten“ transportiert hätten. Während ihrer Zeit bei der Flugbereitschaft des Bundesverteidigungsministeriums trug sie die Kennung 16+02 und den Namen „Theodor Heuss“. Benannt war sie nach dem ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland.
Der vordere Bereich war der Staatsspitze vorbehalten
Die 145 Sitzplätze verteilen sich auf mehrere voneinander getrennte Bereiche. Ganz vorne liegt die sogenannte „Executive Suite“. Sie verfügt über sieben Sitzplätze und war für die wichtigsten Passagiere vorgesehen.

Die Aufnahmen zeigen breite, beigefarbene Ledersessel sowie helle Teppiche und dunkle Holzverkleidungen. Mehrere Sitz- und Liegeflächen lassen sich in Betten umwandeln. So konnten sich Regierungsmitglieder auf langen Flügen ausruhen und auf die Termine am Zielort vorbereiten.

Zu diesem Bereich gehört ein eigenes Badezimmer. Darin befindet sich eine vollwertige, runde Dusche. Daneben sind mehrere Waschbereiche und separate Toiletten zu sehen.

Konferenzraum für zwölf Personen – so sah Merkels Flieger von innen aus
An Bord konnte nicht nur geschlafen, sondern auch gearbeitet werden. Dafür gibt es unter anderem einen Konferenzraum mit zwölf Plätzen. Die veröffentlichten Bilder zeigen einen langen Tisch, Ledersessel und große Bildschirme. In eine der Wandverkleidungen ist die Skyline Berlins eingearbeitet.

Jetcraft führt außerdem ein Kommunikationszentrum und eine Lounge mit acht Sitzplätzen auf. Die technische Ausstattung des früheren Kommunikationsbereichs ist auf den Bildern allerdings nicht im Detail zu erkennen.

Hinter den Räumen für die politische Führung folgt die Kabine für Delegationen und Begleitpersonal. Sie besteht aus 24 Plätzen in der Business Class und 94 Sitzen in der Economy Class. In diesem Teil reisten unter anderem Mitarbeitende, Sicherheitskräfte, Journalistinnen und Journalisten.

Der Airbus verfügt zudem über Küchen im vorderen und hinteren Bereich. Für die Flugbesatzung gibt es einen eigenen Ruhebereich. Jetcraft bezeichnet die Ausstattung als „VVIP Interior“. Die Abkürzung steht für „very very important person“.
Sicherheitsausstattung nicht mehr an Bord
Trotz seiner Vergangenheit wird kein einsatzfähiger Regierungsflieger verkauft. Die frühere militärische und sicherheitsrelevante Ausstattung wurde entfernt.
Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums erklärte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, vor solchen Verkäufen werde sichergestellt, „dass die veräußerten Gegenstände, wie in diesem Fall die „Theodor Heuss“, vollständig demilitarisiert sind und somit keine sicherheitsrelevanten Komponenten veräußert werden“.

Auch die veröffentlichten Innenaufnahmen sollen keine geheimen Informationen über die aktuelle Regierungsflotte preisgeben. Aus den Bildern ließen sich „keine Rückschlüsse auf sicherheitsrelevante Aspekte unserer neuen Flotte der Flugbereitschaft ziehen“, teilte der Ministeriumssprecher mit. Die beiden früheren Regierungsmaschinen vom Typ A340 waren 2013 in den USA mit einem laserbasierten Schutzsystem gegen infrarotgelenkte Raketen ausgerüstet worden.

Regierungsflieger wird verkauft: Deutschlandfarben sollen verschwinden
Ein Teil der früheren Lackierung ist dagegen noch vorhanden. Auf aktuellen Aufnahmen sind die schwarz-rot-goldenen Streifen am Rumpf zu erkennen. Der Schriftzug „Bundesrepublik Deutschland“ und die Hoheitszeichen wurden bereits entfernt.
In diesem Zustand soll die Maschine jedoch nicht an den nächsten Eigentümer übergeben werden. Jetcraft kündigt eine vollständige Neulackierung an. Der Airbus soll ein weißes Äußeres in der Farbe „Matterhorn White“ erhalten. Auch technisch soll das Flugzeug für den Verkauf vorbereitet werden. Die Angaben in der Broschüre sind allerdings noch keine verbindliche Zusicherung. Jetcraft weist darauf hin, dass Interessenten die technischen Daten und den Zustand selbst prüfen müssen.
Zunächst flog der Merkel-Airbus für Lufthansa
Bevor der Airbus zum Regierungsflieger wurde, stand er zehn Jahre im Dienst der Lufthansa. Die Fluggesellschaft nahm ihn im Oktober 2000 mit der Kennung D-AIFB in Betrieb. Damals trug die Maschine den Namen „Gummersbach“, wie das Fachportal „defence-network.com“ berichtet.
Später kaufte der Bund das Flugzeug gemeinsam mit einem zweiten Airbus A340-300 von der Lufthansa. Dieser wurde zum Regierungsflieger „Konrad Adenauer“. Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ gab der Bund für beide Maschinen zusammen knapp 200 Millionen Euro aus. Dazu kamen die Kosten für den Umbau.

Lufthansa Technik in Hamburg bereitete die beiden Jets für ihre neue Aufgabe vor. Im Juli 2011 übernahm die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung die „Theodor Heuss“. Die A340-300 ersetzten damit ältere Regierungsmaschinen vom Typ Airbus A310-304.
Ihre Größe und Reichweite machten längere Reisen ohne Zwischenlandung möglich. Gleichzeitig gab es genügend Platz für Regierungsmitglieder, Mitarbeiter, Journalisten und Sicherheitskräfte.
Regierungsflieger: Panne der Schwestermaschine beschleunigte Ausmusterung
Das Ende der A340-Flotte war bereits geplant, als eine Pannenserie im August 2023 für neue Schlagzeilen sorgte. Die damalige Außenministerin Annalena Baerbock konnte eine Reise nach Australien, Neuseeland und Fidschi nicht wie vorgesehen fortsetzen. Ihr Flugzeug musste nach dem Start zweimal nach Abu Dhabi zurückkehren. Betroffen war nicht die „Theodor Heuss“, sondern die Schwestermaschine „Konrad Adenauer“ mit der Kennung 16+01. Probleme mit den Flügelklappen verhinderten die Weiterreise.
Daraufhin kündigte die Luftwaffe an, beide A340 „so schnell wie möglich“ außer Dienst zu stellen. Die „Theodor Heuss“ sollte zu diesem Zeitpunkt ohnehin Ende September 2023 ausgemustert werden. Die „Konrad Adenauer“ hätte ursprünglich noch bis Ende 2024 fliegen sollen.
Als Ersatz hatte der Bund bereits drei modernere Airbus A350 beschafft. Sie tragen erneut die Namen „Konrad Adenauer“ und „Theodor Heuss“. Die dritte Maschine ist nach dem früheren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher benannt.

Käufer und damaliger Preis des Merkel-Fliegers bleiben geheim
Die alte „Theodor Heuss“ wurde über die bundeseigene Verwertungsgesellschaft Vebeg verkauft. Am 27. September 2023 verließ sie den Flughafen Köln/Bonn in Richtung Washington. Wer den Airbus damals kaufte, wurde nicht öffentlich mitgeteilt. Auch die Höhe des Verkaufspreises blieb geheim. Ein Vebeg-Sprecher erklärte seinerzeit, nach dem abgeschlossenen Bieterverfahren werde die Maschine ihre letzte Reise in die USA antreten. Zu den Vertragsparteien und weiteren Einzelheiten wurden keine Angaben gemacht.
Die ehemalige „Konrad Adenauer“ blieb dagegen in Deutschland. Lufthansa Technik übernahm das Flugzeug, um bestimmte Teile weiterzuverwenden. Die Maschine wurde anschließend zerlegt. Die „Theodor Heuss“ ist vollständig erhalten geblieben. Nun wechselt sie möglicherweise erneut den Besitzer.





