Bereits erste Prognosen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben international für Schlagzeilen gesorgt. Wenige Minuten nach Bekanntgabe titelte der „Guardian“: „Die rechtsextreme AfD gewinnt wichtige Landtagswahl in Deutschland, könnte aber die absolute Mehrheit verfehlen.“ Bei CNN hieß es: „Die rechtsextreme AfD wird voraussichtlich in einem ostdeutschen Bundesland gewinnen, es ist aber unklar, ob sie dort auch regieren kann.“ Auf der polnischen Nachrichtenseite „WP“ war die Rede von einem „historischen Einbruch“ bei der CDU.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Wie groß das internationale Interesse an der Wahl ist, zeigt ein Blick auf die Akkreditierungen für die Berichterstattung am Wahltag in der Messe Magdeburg: Rund 70 der insgesamt etwa 800 akkreditierten Personen arbeiten für ausländische Medien. Das teilte der Landtag von Sachsen-Anhalt mit.

Die ausländischen Journalisten bzw. Medien stammen demnach aus den Ländern Frankreich, Kanada, Österreich, Spanien, Italien, Dänemark, China, Portugal, Großbritannien, Polen, den USA, Taiwan, Litauen und der Schweiz.

AfD radikalisiert sich laut Soziologe weiter abseits der Brandmauer

Besorgt über die ersten Prognosen der Landtagswahl äußerte sich der Soziologe Kimmo Elo im finnischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk „Yle“. In Deutschland sei das gesamte demokratische System als Gegengewicht zur nationalsozialistischen Diktatur aufgebaut worden, sagte der Wissenschaftler. Nun könne zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg eine Partei an die Macht kommen, die ähnliche rechtsextreme Ideen vertrete.

„Die AfD konnte sich in den 2020er Jahren, als sie weder an der Macht war noch kurz vor der Machtübernahme stand, hinter der Brandmauer in völliger Ruhe radikalisieren“, so Elo. „Hätte es auch nur eine bedingte Zusammenarbeit mit der Partei gegeben, hätte die AfD möglicherweise ein Interesse an einer Kursänderung hin zu einem gemäßigteren Kurs gehabt. Nun sind die Gemäßigten in der Partei an den Rand gedrängt worden.“

AfD-Erfolg: Internationale Medien sehen historische Wende in Deutschland

Die italienische Tageszeitung „La Stampa“ ordnete das Ergebnis historisch ein: „Es handelt sich um das beste Ergebnis überhaupt für die Souveränisten in einem deutschen Bundesland, das den Weg für die erste rechtsextreme Regierung im Land seit 1945 ebnet und den Erfolg des lokalen Parteichefs Ulrich Siegmund krönt.“

Auch der norwegische Rundfunk NRK verwies auf die historische Dimension: „AfD steuert auf deutlichen Sieg in deutschem Bundesland zu. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg könnte eine Rechtsaußenpartei in einem deutschen Bundesland an die Macht kommen.“

Die schwedische Tageszeitung „Dagens Nyheter“ geht mit der CDU hart ins Gericht. Dort heißt es: „Das Beste, worauf die christdemokratische CDU hoffen konnte, war nicht einmal ein knapper Sieg, sondern eine ehrenvolle Niederlage. Nun fiel die Niederlage nicht einmal ehrenvoll, sondern vernichtend aus.“

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Die spanische Zeitung „La Vanguardia“ richtete den Blick auf die Zahlen: „Die rechtsextreme AfD hat am Sonntag die deutsche Politlandschaft mit einem Rekordsieg bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt aufgerüttelt. „De Tijd“ aus Belgien schrieb: „Das Ergebnis – das beste für die Anti-Einwanderungspartei seit ihrer Gründung im Jahr 2013 – ist ein herber Rückschlag für die CDU unter Bundeskanzler Friedrich Merz. Die AfD hat von der Frustration über eine schwächelnde Wirtschaft und steigende Energiepreise profitiert, indem sie gesellschaftliche Missstände aufgegriffen und dazu aufgerufen hat, die Migration zu stoppen, Klimaschutzmaßnahmen einzustellen und die Beziehungen zu Russland wiederherzustellen.“

Laut der tschechischen Zeitung „Lidove noviny“ gehen Deutschland „die Zeit und das Geld“ aus. „Es muss sich eingestehen, dass das bisherige Modell bereits nicht mehr funktioniert“, hieß es.

mit dpa