Gemessen an der Wirtschaftsleistung gibt kein anderes Land in der Europäischen Union mehr Geld für Gesundheit aus als Deutschland. Die gesetzlichen und privaten Krankenkassen haben im vergangenen Jahr Kosten von mehr als 360 Milliarden Euro beglichen. Nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes entfielen zwischen drei und fünf Prozent davon auf Vorsorge und Früherkennung. Diese Unwucht ist krank.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die jüngst verabschiedete Reform zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge lässt hier leider keine Trendwende erkennen. Im Gegenteil: Der Anspruch auf das kostenlose und regelmäßige Hautkrebsscreening für Versicherte ab 35 beispielsweise soll „geprüft und angepasst“ werden. Das verheißt nichts Gutes und ist darüber hinaus ein falsches Signal.

Kai Wiedermann, Redakteur im Ressort Ratgeber/Wissen
Kai Wiedermann, Redakteur im Ressort Ratgeber/Wissen© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Fakt ist: Es gibt das deutsche Gesundheitsparadoxon. Das deutsche Gesundheitssystem ist teurer als das anderer Länder, macht die Deutschen aber nicht gesünder. Im Schnitt sind die Erwachsenen über 16 hierzulande ungesünder als der EU-Durchschnitt. Und auch im Ranking der Lebenserwartung ist Deutschland in den vergangenen 25 Jahren abgerutscht.

Diese Fakten und die extreme Unwucht bei den Kosten für Behandlung und Vorsorge sollte die Gesundheitspolitik zum Anlass nehmen, das System zu überdenken. Deutschland muss konsequent das gesunde Leben fördern und Prävention anbieten. So könnte ein Teil der Krankheiten von morgen verhindert und das stark unter Druck stehende System auf Dauer stabilisiert werden. Wer stets nur an Stellschrauben dreht, kann vielleicht kurzfristig Kosten senken. Langfristig bleiben die Risiken sinkender Leistungen und steigender Beiträge bestehen.