Wer nach Plagiaten forscht, verfolgt meist ein wichtiges und legitimes Anliegen: den Schutz der Wissenschaft vor Täuschern. Doktortitel sollen auf einer wissenschaftlichen Leistung beruhen, nicht auf fremden Gedanken. Doch zuletzt hat sich die Zunft der Plagiatsjäger in eine unschöne Richtung entwickelt: Die Aufklärung von wissenschaftlichem Fehlverhalten gerät zum Geschäftsmodell – oder gar zur Waffe im politischen Meinungskampf.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Ist es wirklich Zufall, dass Plagiatsvorwürfe gegen die Verfassungsrichterkandidatin Frauke Brosius-Gersdorf, den grünen Ex-Minister Robert Habeck oder nun gegen Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg auftauchen, wenn die Angegriffenen kurz vor wichtigen Wahlen stehen? Dass oft Frauen die Zielscheibe sind, wie die in der Corona-Pandemie extrem angefeindete Ethikratschefin Alena Buyx?

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Geht es einem Plagiatsjäger wie dem Österreicher Stefan Weber um die Redlichkeit der Wissenschaft, wenn er Fehler in der Dissertation von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt in einer Pressekonferenz mit dem AfD-Rechtsextremisten Björn Höcke vorstellt? Oder wenn Weber seinen anonymen Auftraggebern noch Pressearbeit anbietet? Die erfolgt oft über rechte Krawallmedien.

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Melanie Amann, Chefredakteurin Digital© Peter Rigaud

So kann sich ein Verfechter einer sauberen Wissenschaft zu einer Art politischem Auftragskiller entwickeln. Ja, Plagiate sind verwerflich, es ist richtig, sie zu sanktionieren. Aber viele von Weber angeprangerte Zitierverstöße fielen später in sich zusammen. Da war es für die Betroffenen oft zu spät, in einem Fall kam es um ein Haar zum Suizid. Kein Plagiat wiegt so schwer, diesen Preis in Kauf zu nehmen.