Er ist alt geworden, seine Bewegungen sind langsamer, seit seiner schweren Herzerkrankung trinkt er keinen Alkohol mehr. Aber sein verschmitztes Lächeln und seine ganz besondere Aura lassen ihn immer noch jugendlich wirken. Wenn William Jefferson „Bill“ Clinton heute mit Ehefrau Hillary auf sein Leben zurückblickt, sieht er auf eine Achterbahnfahrt, die ein Mann im Weißen Haus so noch nie erlebt hat.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Im November 1992 gewinnt der Demokrat aus Arkansas seine erste Wahl gegen den Republikaner George Bush, den Helmut Kohl im Wahlkampf unterstützt hatte. Seine wichtigste Beraterin im harten Wahlkampf: Ehefrau Hillary, die er mit 29 heiratete, die fast selbst Präsidentin wurde und bis heute nach über 50 Jahren Ehe an seiner Seite ist.

Bill Clinton sah sie 1971 als junger Student zum ersten Mal in der Unibibliothek von Yale und konnte nicht den Blick von ihr lassen. „Wenn du mich noch länger anstarrst, kann ich dich genauso gut einfach ansprechen“ – mit diesem Satz der Jurastudentin Hillary Diane Rodham begann die Geschichte des mächtigsten Powercouples der Welt.
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Studium und Präsidentenamt waren Bill Clinton nicht in die Wiege gelegt. Drei Monate vor seiner Geburt starb sein Vater, ein Handelsreisender, nach einem Reifenplatzer seines Buicks auf dem Weg nach Hause zu seiner schwangeren Frau.

Die Mutter, eine Pflegerin, gab den kleinen Bill vier Jahre zur Oma, bis sie erneut heiratete: Roger Clinton, einen Alkoholiker und Spieler, der die Mutter und den jüngeren Halbbruder schlug. Trotzdem nahm der junge Bill Blythe mit 14 dessen Namen an und verdankte ihm später das Studium.
Schon die erste Amtszeit war turbulent
Clintons erste Präsidentschaft war geprägt von starkem Wirtschaftswachstum und Abbau der dramatischen Staatsverschuldung, die Clinton durch empfindliche Steuererhöhungen für Besserverdiener erreichte. Clinton schaffte 1999 sogar das Undenkbare: einen Haushaltsüberschuss von über 100 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die heutige Staatsverschuldung der Amerikaner beträgt 39 Billionen Dollar.
In seiner ersten Amtszeit schickte Bill Clinton US-Soldaten in den Bosnien-Krieg und beendete mit anderen Nato-Partnern, darunter Deutschland, den Völkermord mitten in Europa. Sein Interesse am alten Kontinent war – ganz anders als bei Trump – riesig und Helmut Kohl sein wichtigster Ratgeber. Häufig rief er ihn an und ließ sich vom deutschen Kanzler beraten.

Kohl hatte ihn schon bei dessen Antrittsbesuch in Washington für sich gewonnen. Statt ein formelles Gespräch zu führen, erzählte Kohl von seinem im Krieg gefallenen Bruder, und Clinton berichtete daraufhin offen von seiner schweren Kindheit. Das Gespräch dauerte Stunden, und die wartenden Mitarbeiter befürchteten schon eine Krise bei dieser ersten Begegnung.
Dieser zutiefst persönliche Austausch war der Beginn einer echten Freundschaft, und als ich Clinton 2013 bei einem Abendessen in einer Jagdhütte im Schwarzwald traf, fragte er mich aus, wie es dem schwer kranken Altkanzler denn gehe. Clinton war oft in Süddeutschland, wo er in dem Medienunternehmer Karlheinz Kögel einen engen Freund hat.
Lewsinsky-Affäre: „Zwischen albern und schmutzig“
Geprägt war die zweite Amtszeit, die Clinton nach seinem Sieg gegen den Republikaner Bob Dole im Januar 1997 antrat, von einem Sexskandal, der Clinton an den Rand der Amtsenthebung brachte. Clinton ließ sich im Weißen Haus mit Monica Lewinsky ein. Sie war 22 Jahre alt, ledig und unbezahlte Praktikantin. Er 49, verheiratet, der mächtigste Mann der Welt.

Die Beziehung dauert 18 Monate, eine Freundin Lewinskys verrät die intimsten Details an Investigativreporter. Über Wochen erfahren die Amerikaner in ihren Hauptnachrichtensendungen die unfassbaren Details. Es geht um Oralsex, Zigarren als Sexspielzeug, Spermaflecken auf einem blauen Kleid. Clinton leugnet alles. Ein Sonderermittler, Kenneth Starr, treibt den Präsidenten in die Enge.
Am 11. September 1998 veröffentlicht Starr seinen Bericht, über den das Magazin „Time“ schreibt: „Es wäre besser gewesen, wenn Starr etwas mehr strafrechtliche Diskretion angewendet und nicht im White-House-Kamasutra-Buch geblättert hätte. Was der Präsident getan hat, pendelt zwischen albern und schmutzig. Aber die Untersuchung ist schlimmer – sie macht aus einer privaten Schlamperei einen öffentlichen Schandfleck. Starr hat uns das dreckigste Taschenbuch geliefert, das je auf einer Bestsellerliste gelandet ist.“

Der Präsident überlebt die Affäre
Nach monatelangem Leugnen räumt Clinton in einer historischen Pressekonferenz endlich eine „nicht angemessene“ Beziehung zu Monica Lewinsky ein. Er überlebt das Impeachment-Verfahren zur Amtsenthebung. Und schafft es sogar, seine Ehe zu retten. Ich traf Clinton nach seiner Amtszeit zum Interview in Hamburg und fragte ihn, wie ihm das nach dieser öffentlichen Demütigung seiner Frau gelungen sei.
Clinton sammelte sich kurz und berichtete über seine Therapie, die er mit Hillary wöchentlich machte: „Die Therapie dauerte den ganzen Tag, manchmal an die acht Stunden. Der Therapeut kam und hat den Tag mit uns verbracht. Mal drei Stunden alleine mit mir. Dann alleine mit Hillary. Und dann gab es wieder gemeinsame Gespräche. Dann gab es noch den glücklichen Umstand: Hillary war eigentlich noch wütender auf die Menschen, die mich aus dem Weißen Haus vertreiben wollten, als auf mich.“

Es ist für Clinton bezeichnend, dass auch seine jüngsten öffentlichen Auftritte im Jahr 2026 heikel waren. Bill Clinton sagte in der Epstein-Affäre als erster Ex-Präsident vor dem Kongress aus und wies jeglichen Verdacht von sich. In den Akten waren Fotos des Ex-Präsidenten aufgetaucht, wie er neben einer Frau in Epsteins Privatjet sitzt und den Arm um sie legt. Auf einem weiteren Foto sind Epstein und Clinton mit einer weiteren Person in einem Pool zu sehen.
Auch Hillary Clinton sagte aus. Wieder stand sie an der Seite ihres Mannes und versicherte den Kongressmitgliedern, man habe von Epsteins kriminellem Treiben nichts gewusst.









