In der AfD lassen Aussagen des thüringischen Landeschefs Björn Höcke zu drei mutmaßlichen Mitgliedern der militanten Neonazi-Gruppe „Sächsische Separatisten“ einmal mehr aufhorchen. Die Männer sitzen in U-Haft und sind angeklagt „wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung“ und der „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“. Sie waren bis zu ihrem Parteiausschluss Mitglieder der AfD. Höcke soll sich in mehreren Reden dafür starkgemacht haben, sie wieder in die Partei aufzunehmen.

Sind manche der möglichen AfD-Wähler auf dem rechten Ohr taub?

Günter Marks
Günter Marks© privat | Privat

Vielen ehemaligen DDR-Bürgern wurde ein religionsgleicher Glaube genommen

Dass Höcke in Thüringen sowie der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt laut Umfragen mit ihren Forderungen am rechten politischen Rand ein so leichtes Spiel haben, ist sicherlich in den vielen Enttäuschungen der Nachwendezeit begründet. Dazu kommt aber auch, dass mit dem Ende des sozialistischen Systems vielen ehemaligen DDR-Bürgern ein religionsgleicher Glaube und eine staatlich verordneten Identität genommen wurden. Das unterschätzten bislang alle Bundesregierungen.

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In diese Bresche stößt die AfD. Auf einer Veranstaltung im Juli in Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt mit Parteichef Tino Chrupalla und Siegmund stimmte der Gast und Kabarettist Uwe Steimle auf der Bühne die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ an. Das kam im Publikum gut an. Den möglichen Wählern scheint es dazu egal zu sein, ob die AfD-Haushaltspläne den Sozialstaat massiv angreifen, ob die Partei im Umgang mit Migranten die Menschenwürde missachtet oder die EU in ihrer für Deutschland wirtschaftspolitisch so wichtigen Form schleifen würde.