Es war ein schöner Termin, den Brasiliens Präsident Lula da Silva Anfang August wahrnehmen konnte. Mal kein diplomatischer Zoff mit dem Nachbarn Argentinien, mal kein Zerren im Wahlkampf mit Flávio Bolsonaro, dem rechten Herausforderer des Linkspräsidenten für die Wiederwahl im Oktober. Lula verkündete positive Nachrichten zu einem Thema, das ihm sehr am Herzen liegt: dem Stopp der Amazonas-Entwaldung. Der Präsident besuchte das brasilianische Weltrauminstitut INPE nahe São Paulo anlässlich seines 65-jährigen Bestehens. Zu dem Jahrestag veröffentlichte das Institut neueste Zahlen zur Abholzung im brasilianischen Teil der Lunge der Welt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Diese ging demnach auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt zurück. Zwischen August 2025 und Juli 2026 seien 2874 Quadratkilometer Wald zerstört worden, zitierte Lula die INPE-Satellitendaten. Das ist zwar immer noch eine Fläche größer als die von Luxemburg, aber dennoch sind es 38,87 Prozent weniger als in den zwölf Monaten zuvor. Insgesamt seien es die niedrigsten Zahlen seit der genauen Erfassung der Abholzung im Jahr 2016. Das sind sehr gute Nachrichten für das Weltklima. 

Zehn Prozent der weltweiten biologischen Vielfalt

Denn der Schutz des Amazonas ist im Kampf gegen den Klimawandel entscheidend. Ein gesunder Regenwald bindet Kohlenstoffdioxid (CO₂) in der Luft. Abgeholzte Wälder sind hingegen eine große Quelle für Treibhausemissionen, die für die Erderwärmung verantwortlich sind. Im Amazonas-Regenwald finden 25 Prozent des Kohlenstoff-Austauschs zwischen Atmosphäre und Biosphäre statt. Zudem beherbergt der Dschungel etwa zehn Prozent der weltweiten biologischen Vielfalt. 

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Lula, der Anfang 2023 seine dritte Amtszeit antrat, hat sich besonders im Gegenentwurf zu seinem Vorgänger und Amazonas-Zerstörer Jair Bolsonaro dem Klimaschutz und der Amazonas-Bewahrung verschrieben. Er will die illegale Abholzung des Regenwaldes bis 2030 stoppen. Unter seinem rechtsradikalen Vorgänger hatte die Entwaldung stark zugenommen und 2022 mit 12.500 Quadratkilometern einen Höchststand erreicht.

Jair Bolsonaro schickt Sohn ins Rennen

Die neuen INPE-Zahlen zeigten, „dass wir unser Ziel erreichen können, wenn wir das derzeitige Tempo beibehalten“, sagte ein sichtlich gut gelaunter Staatschef. Seine Regierung werde weiterhin mit der bisher gezeigten Ernsthaftigkeit vorgehen und die erforderlichen Ressourcen für den Schutz des Regenwaldes bereitstellen. „Wir nehmen das Thema in Brasilien sehr ernst, denn wir sind keine Klimawandel-Leugner“, ergänzte Lula mit einem Seitenhieb auf US-Präsident Donald Trump, der den menschengemachten Klimawandel abstreitet und ein Anhänger fossiler Energien ist.

Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva setzt sich für den Erhalt des Regenwaldes ein.
Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva setzt sich für den Erhalt des Regenwaldes ein.© AFP | EVARISTO SA

Zudem wirft die US-Regierung absurderweise Brasilien „Unfähigkeit und Ineffizienz bei der Bekämpfung der illegalen Abholzung“ im Amazonas-Gebiet vor. Mit diesen faktenbefreiten Anschuldigungen rechtfertigt Trump Strafzölle gegen Brasilien. „Ich werde ein Foto der INPE-Daten machen und es künftig in jeder Korrespondenz mit den Vereinigten Staaten mitschicken“, bemerkte der brasilianische Staatschef süffisant.

Lulas Freude an der Ironie speist sich auch aus Zahlen, die Ende Juli die Initiative „MapBiomas“ des brasilianischen „Observatório do Clima“ vorlegte. Demnach sind im vergangenen Jahr auch die Waldbrände auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren zurückgegangen.

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Folglich wäre die Wiederwahl des 80 Jahre alten Präsidenten im Oktober vor allem für den Amazonas eine gute Nachricht. Denn Flávio Bolsonaro ist der älteste Sohn von Jair Bolsonaro und ideologisch vom gleichen Schlag. Das Oberste Gericht Brasiliens hatte Bolsonaro senior im September vergangenen Jahres wegen eines Umsturzversuches zu gut 27 Jahren Haft verurteilt, die er derzeit aus gesundheitlichen Gründen im Hausarrest absitzt. Daher hat er seinen Sohn ins Rennen geschickt. Würde Bolsonaro junior die Wahl gewinnen, wäre das für das globale Klima eine schlechte Nachricht. Man muss davon ausgehen, dass er wie sein Vater die Ausbeutung des Regenwaldes über den Klimaschutz stellt. Zudem argumentieren die Bolsonaros typisch: Der Amazonas sei brasilianisch – und die Welt solle sich raushalten. 

In Kolumbien wurde mehr Regenwald abgeholzt

In der Realität erstreckt sich der Regenwald aber nur zu 60 Prozent über Brasilien. Die Nachbarn Peru, Kolumbien, Ecuador, Guyana, Bolivien, Suriname und Venezuela beherbergen den Rest. Daher muss man auch die Nachrichten aus Kolumbien mit Sorge vernehmen. Das Land, das nach Brasilien und Peru mit knapp sieben Prozent den drittgrößten Anteil am Regenwald besitzt, meldet einen Anstieg der Abholzung.

In Kolumbien gingen im vergangenen Jahr 1194 Quadratkilometer Regenwald verloren. Dies entspricht einem Anstieg von 5,2 Prozent gegenüber den 1136 QKM, die 2024 abgeholzt wurden. Dies bestätigte das Wald- und Kohlenstoff-Monitoringsystem (SMByC) des meteorologischen Instituts IDEAM in seinem aktualisierten Bericht für 2025.

Aber die Entwaldung gehe nicht primär auf die Ausdehnung des illegalen Anbaus der Kokapflanzen zurück, sondern vielmehr auf Landraub für Weideland, extensive Viehzucht und unkontrollierte Verkehrsinfrastruktur. Insgesamt aber verzeichnete Kolumbien noch immer zwischen 2022 und 2025 den geringsten Waldverlust der letzten sechs Vierjahreszeiträume. Damit wurde das Ziel, die Entwaldung jährlich um 20 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2021 zu reduzieren (174.000 Hektar Wald), nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen.