Elif Eralp träumt in diesem Spätsommer von einer zweifachen Premiere: die erste Regierende Bürgermeisterin von Berlin mit türkischen Wurzeln und die erste von der Linkspartei. Im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ dieser Redaktion erzählt die Linke-Politikerin, wie es dazu kam – und warum ihr die Entscheidung für die Spitzenkandidatur alles andere als leichtfiel.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die 45-Jährige berichtet von der dramatischen Flucht ihrer Eltern nach dem Militärputsch in der Türkei, von ihrer Kindheit als „lautes Türkenkind“ im Ruhrgebiet und den entscheidenden Wochen im Herbst 2025: Wer soll die Linke in die Berlin-Wahl führen? Wer passt zu einer Stadt, in der 40 Prozent der Menschen aus Einwandererfamilien stammen? 

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Elif Eralp über eine Kindheit in der Betonsiedlung, Antisemitismus und türkische Komplimente
Meine schwerste Entscheidung
 

Eralp ringt damals hart mit sich. Sie fragt sich: „Schaffe ich das?“ Sie berät sich mit ihrem Mann, ihren Eltern, den beiden Söhnen. „Ich habe lange Pro- und Kontra-Listen geführt.“ Dann sagt sie Ja. Auch deshalb, weil ihre Familie und ihre Freunde unisono hinter ihr stehen: „Diesmal haben tatsächlich eigentlich alle gesagt: ‚Du musst das machen, Elif. Du machst das. Das ist deine Berufung.‘“

Linker Antisemitismus: Eralp zieht eine rote Linie

Eralp äußert sich zudem auch zum Antisemitismus – gerade auch aus den Reihen ihrer Partei. Auf die Frage, was sich unter einer linken Landesregierung für jüdische Menschen in Berlin ändern werde, gibt sie ein Versprechen ab: Es sei wichtig, dass sich jüdisches Leben nach dem Holocaust in Berlin überhaupt wieder angesiedelt habe. Sie wolle „dieses Leben schützen und stärken“. Dabei gehe es nicht nur um den Kampf gegen Antisemitismus, sondern auch um jüdische Tradition, Kultur, Philosophie, die es noch stärker zu unterstützen gelte.

Ob sie verstehen könne, dass jüdische Menschen in Sorge seien, dass mit einer linken Regierung in Berlin sich viele ermutigt sehen könnten, jüdische Menschen offensiver zu attackieren, als das jetzt bereits passiere? Sie kenne diese Sorgen, sagt Eralp. „Ich werde ganz sicher nicht irgendetwas dazu beitragen, dass sich die Situation noch verschlimmert, weil sie ist schon ziemlich schlimm.“

Angesprochen auf Teile der Linkspartei in Berlin, denen Sympathien zur islamistischen Hamas nachgesagt werden, zieht Eralp eine rote Linie: Es sei klar, „dass es für uns keine Zusammenarbeit mit islamistischen Organisationen geben kann, weil sie fundamental gegen linke Werte sind, gegen Gleichberechtigung, gegen Vielfalt, gegen Menschenrechte, gegen Demokratie, gegen Frauenrechte, gegen jüdisches Leben, aber auch gegen queeres Leben.“ Die jüngsten Studien zeigten, dass Antisemitismus mit konkretem Israel-Bezug aktuell am stärksten ausgeprägt sei. „Da sind Rechte dran beteiligt, da gibt es auch islamistische oder auch linke Kräfte“, sagt Eralp. „Das ist ein Problem, da müssen wir Antworten drauf finden.“

Der Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ startet mit dieser Folge in eine neue Staffel, die von dem neuen Gastgeberduo Julia Emmrich und Jan Dörner präsentiert wird. „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music hören. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Dienstag.