In der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta geht seit einigen Tagen ein Datum um: der 15. August. Darüber sprechen Grenzpolizisten ebenso wie Cafébesitzer am Hafen oder freiwillige Helfer, die sich noch immer um gestrandete Migranten kümmern. Denn in marokkanischen sozialen Netzwerken kursieren Aufrufe, an diesem Tag erneut gemeinsam zur Grenze aufzubrechen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Ob daraus tatsächlich ein neuer Massenansturm wird, kann momentan niemand sagen. Die spanischen Sicherheitsbehörden wollen die Gefahr jedenfalls nicht unterschätzen. „Das Risiko ist real, sein Ausmaß aber ungewiss“, heißt es in einem internen Lagebericht der für den Grenzschutz zuständigen Polizeieinheit Guardia Civil. 

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Vor gut einer Woche wurde Ceuta von den Ereignissen regelrecht überrollt. Innerhalb weniger Stunden gelangten Zehntausende Menschen schwimmend über das Meer oder zu Fuß über den Grenzdamm in die spanische Exklave, die von marokkanischem Territorium umgeben ist. Inzwischen ist der Ausnahmezustand aus dem Stadtbild weitgehend verschwunden. Die Geschäfte haben wieder geöffnet, die Straßencafés sind gut besucht, der Verkehr staut sich wie an jedem Tag.

Immer noch mehrere Tausend Migranten in Ceuta

Auf marokkanischer Seite bewacht eine große Zahl von Sicherheitskräften die Zufahrtsstraßen von Ceutas Nachbarstadt Fnideq. Boote patrouillieren entlang der Küste. Auch auf spanischer Seite ist deutlich mehr Grenzpolizei im Einsatz als noch Ende Juli.

Wie viele Migranten noch in Ceuta sind, ist unklar. Zwar sind nach offiziellen Angaben inzwischen rund 70.000 der mehr als 72.000 Menschen, die Ende Juli nach Ceuta gelangten, wieder nach Marokko zurückgekehrt. Mehrere Tausend Migranten befinden sich jedoch weiterhin in der 84.000-Einwohner-Stadt. 

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Die spanische Regierung in Madrid spricht von rund 2500 bis 3000 Menschen. Die Stadtverwaltung Ceutas schätzt hingegen, dass sich noch bis zu 8000 irreguläre Migranten in der Exklave befinden. Diese große Spanne zeigt, wie unübersichtlich die Lage ist. Unter ihnen befinden sich Hunderte Menschen aus den Krisen- und Bürgerkriegsländern südlich der Sahara, die nicht so einfach zurückgeführt werden können wie Marokkaner.

Die größte Sorge bereiten die Minderjährigen. Nach Behördenangaben kamen mindestens 1100 Kinder und Jugendliche ohne Begleitung nach Ceuta. Hilfsorganisationen halten diese Zahl für deutlich zu niedrig. Es könnten doppelt oder dreimal so viele unbegleitete Minderjährige in der Stadt sein, heißt es. Viele leben in Parks, an Stränden, in den Hügeln oberhalb der Stadt, andere in Notunterkünften.

„Wir sprechen hier von wirklichen Kindern“, sagt José Miguel Morales von der spanischen Hilfsorganisation Sur Acoge. Viele seien erst zehn oder elf Jahre alt. Immer wieder kämen sie zu den Helfern oder sprächen Passanten an und fragten nach einem Handy. Sie wollten ihren Eltern in Marokko sagen, dass sie noch leben. Manche hätten ihre Familien heimlich verlassen und erst aus Ceuta angerufen. Andere erzählten, sie wollten auf keinen Fall zurück. Zu Hause gebe es für sie keine Zukunft.