Donald Trump hat den großen Schlag gegen den Iran wieder abgesagt. Noch am Freitag drohte er mit einer Gewalt, wie sie die Welt seit 1945 nicht gesehen habe. In der Nacht zu Sonntag war daraus plötzlich eine Friedenschance geworden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der Iran und mehrere Staaten der Region hätten um Zeit für einen Deal gebeten, schrieb der Präsident auf seinem Verlautbarungsportal Truth Social. Die Straße von Hormus solle vollständig geöffnet, Teherans nukleare Bedrohung beendet werden. Also: Bombenpause.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Trump ändert Kurs vermutlich nach Druck aus Saudi-Arabien
Der Umschwung folgte auf ein Telefonat mit Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman. Riad fürchtet, dass Angriffe auf iranische Energieanlagen, Brücken oder Kraftwerke, wie Trump sie erwägt, Vergeltung gegen saudische Ölfelder auslösen.
Das erklärt Trumps Wendung besser als seine Rede vom Wohl der Welt. Saudi-Arabien besitzt, was ihm derzeit fehlt: Einfluss auf Ölpreise, Märkte und damit auf die Stimmung amerikanischer Wähler.

Hohe Spritpreise und Inflation bedrohen Trumps Wahlchancen
Am 3. November sind Kongresswahlen. Bis dahin bleiben weniger als 100 Tage. Ein neuer Großangriff könnte Benzin noch mehr verteuern, die Inflation antreiben und Soldaten gefährden. Für einen Präsidenten, der rasche Siege versprochen hat, wäre das politisches Gift.
Max Boot vom Council on Foreign Relations beschreibt Trumps Dilemma nüchtern: Es gebe keinen militärischen Weg zum Regimewechsel in Teheran, zugleich sei der Krieg daheim unpopulär. Sein Kollege Steven Cook sieht Washington und Teheran in einem Wettstreit darum, „wer zuerst blinzelt“, und warnt: „Ich würde nicht gegen den Iran wetten.“ Das Regime könne wirtschaftlichen Schmerz länger aushalten als eine US-Regierung steigende Benzinpreise vor Wahlen.
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Darin liegt die Schwäche hinter Trumps martialischer Sprache. Seine Drohungen sind real. Doch ihre Haltbarkeit ist begrenzt. Teheran hat verstanden, dass Eskalation nicht nur Schaden anrichtet, sondern Druck auf Golfstaaten und das Weiße Haus erzeugt. Der Iran macht den Krieg schrittweise teuer, regional und unberechenbar.
Das Moratorium ist deshalb kein Frieden. Nicht einmal ein Waffenstillstand ist bestätigt. Iranische Stellen erklärten, sie hätten nicht um eine Einstellung der amerikanischen Angriffe ersucht; Trumps Darstellung sei falsch. Bereits im Juni zerfiel eine Vereinbarung binnen Wochen. Der Iran-Experte Eric Lob erinnert daran: Das Misstrauen in Teheran sitze tief, weil frühere Verhandlungsrunden abrupt in Luftangriffen endeten.
Trump setzt auf Drohungen statt Strategie im Iran-Konflikt
Wie lange hält die neue Ruhe? Wohl so lange, wie beide Seiten einen Fortschritt behaupten können. Trump verlangt einen schnellen Deal. Das Wort „schnell“ ist dabei die eingebaute Zündschnur. Bleibt die Straße von Hormus blockiert, greift der Iran erneut Schiffe oder US-Stützpunkte an, kann der Präsident binnen Stunden wieder umschalten.
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Der Zickzackkurs ist daher kein rätselhaftes Temperament. Es ist Trumps Ersatz für Strategie: maximale Drohung, minimale Bindung, jederzeitige Kehrtwende möglich. So hält er Gegner, Verbündete und Wähler in Bewegung. Der Krieg bewegt sich unterdessen weiter. Und bislang bestimmt nicht Washington allein die Richtung.









