Hunderte Menschen sind in den vergangenen Tagen auf dem Seeweg aus Marokko in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika angelangt. „Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands“, sagte der Präsident des Gebiets, Juan Jesús Vivas, am Donnerstag. In den vergangenen Tagen seien mehr als 1500 Migranten – sowohl Erwachsene als auch Minderjährige – über das Meer angekommen, hatte Vivas bereits am Vortag gesagt. Die Aufnahmezentren seien nicht mehr aufnahmefähig. Allein in der Nacht zu Mittwoch seien nach Angaben des Roten Kreuzes mehr als 100 Menschen vor dem Ertrinken gerettet worden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Vor allem junge Männer versuchen, schwimmend die spanische Exklave an der Straße von Gibraltar und damit formell EU-Territorium zu erreichen. Meist handelt es sich dabei um Menschen aus Marokko, aus Algerien und dem Sudan. Der Sprecherrat der Stadt Ceuta hat nun die spanische Zentralregierung in Madrid aufgefordert, die Grenze zu schließen, das Militär einzusetzen und den nationalen Notstand gemäß den Sicherheitsbestimmungen auszurufen. Das berichtet der spanische Sender RTVE, dessen Kamerateams die Ankunft von hunderten Menschen pro Tag filmen. Begründet wird dies mit der ihrer Ansicht nach „qualitativen Verschärfung“ der Migrationskrise in der Stadt aufgrund des massiven Zustroms von Menschen aus Marokko.

Spanische Exklave: Bereits mehrere Tote
Der Weg in das vermeintlich sichere Spanien erfordert Ausdauer: Wer die spanische Stadt und ihre Strände Benzú und Tarajal erreichen will, muss vom marokkanischen Staatsgebiet aus unter Umgehung der Absperr-Einrichtungen im Meer fast vier Stunden schwimmen. Nicht alle schaffen das: Mindestens vier junge Menschen sind in den vergangenen Tagen schon ertrunken. Viele Migranten können kaum schwimmen und benutzen Schwimmreifen, um sich über Wasser zu halten. In den vergangenen zwölf Monaten haben die Behörden rund 60 Leichen geborgen.
Auslöser des neuen Ansturms auf die EU-Außengrenze bei Ceuta ist ein Urteil des Spanischen Obersten Gerichtshofs vor zwei Wochen: Es verbot das Zurücktreiben – „Pushbacks“ oder auch „heiße Rückführungen“ genannt – von Migranten im Meer, die Land suchen.
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Auch nach EU-Recht sind solche Abweisungen an der Grenze zwar teils untersagt. Spanien berief sich bislang allerdings auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, laut dem das Land Personen, die gewaltsam den Grenzzaun überwinden, unter bestimmten Voraussetzungen unmittelbar nach Marokko zurückweisen darf. Spaniens Oberstes Gericht stellte nun jedoch fest, diese Pushbacks dürfen nicht bei Migranten angewendet werden, die schwimmend in spanisches Territorium gelangen, da sie zu keinem Zeitpunkt eine Grenzsicherung überwinden.
Das spanische Innenministerium erklärte, verschiedene Ministerien gingen „koordiniert“ vor, um „mit größtmöglicher Schnelligkeit und Effizienz auf die Situation in Ceuta zu reagieren“. Innenminister Fernando Grande-Marlaska wollte demnach am Freitag in das an Marokko grenzende Ceuta reisen, um die Lage zu beobachten und sich mit Behördenvertretern zu treffen.

Regierung stärkt Grenzschutz und entsendet Soldaten nach Ceuta
Die Regierung habe ihre Ressourcen aufgestockt, „um die Sicherheit und die Kontrolle der Migration sowie die notwendige humanitäre Hilfe zu gewährleisten, damit auf See keine Menschenleben gefährdet werden“, teilte das spanische Innenministerium mit. Die marokkanische Regierung kooperiere eng bei der Bewältigung der Situation. Marokkanische Sicherheitskräfte verhinderten die Ankunft „zahlreicher Menschen“, die versuchten, von Marokko aus Ceuta zu erreichen.
Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez erklärte auf X, seine Regierung habe „alle notwendigen Mittel mobilisiert“, um „eine sofortige Antwort auf die Situation in Ceuta zu geben“. Das Innenministerium kündigte die Entsendung von Soldaten an, „um die Sicherheit in der Stadt Ceuta aufrechtzuerhalten“.
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Der spanische Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP sprach angesichts der Entwicklungen von einer „nationalen Sicherheitskrise“. Der Vorsitzende der rechtsextremen Partei Vox, Santiago Abascal, machte Regierungschef Sánchez auf X persönlich für die in Ceuta ankommenden Migranten verantwortlich.
Ceuta verzeichnet Anstieg unbegleiteter minderjähriger Migranten
Ceuta hat ebenso wie die spanische Exklave Melilla die einzige Landgrenze der EU mit Afrika. Die Gebiete sind deshalb regelmäßig Ziel von Menschen, die sich ein besseres Leben in Europa erhoffen. Viele von ihnen sind noch minderjährig, was die Stadtverwaltung von Ceuta auch vor organisatorische Probleme stellt: Aktuell befinden sich 430 unbegleitete ausländische Minderjährige unter der Obhut der Stadtverwaltung; 220 kamen allein in fünfzehn Tagen dazu.
Grundsätzlich gehen die Zahlen bei irregulären Einreisen in den vergangenen Monaten teils dramatisch zurück. Die EU-Grenzschutzbehörde Frontex weist in ihrem Juli-Bericht einen Gesamtrückgang von 37 Prozent gegenüber 2025 aus. Von der Balkanroute über die Mittelmeerrouten bis zur westafrikanischen Küste gingen Migrationsbewegungen zurück. Gegen den Trend verlief die Entwicklung nur an der Straße von Gibraltar. Hier registrierte Frontex 17 Prozent mehr Grenzübertritte. 7.860 waren es seit Januar, 995 allein im Juni.
mit KNA und AFP






