Ein 85 Jahre alter Deutscher ist in Gewahrsam der umstrittenen US-Einwanderungsbehörde ICE in Texas gestorben. Adrian Andreas F. sei am 24. Juni um 4.30 Uhr im Valley Baptist Medical Center in Harlingen für tot erklärt worden, teilte die Behörde mit. Die Todesursache ist offen; sie soll durch eine Obduktion geklärt werden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der Fall wirft Fragen auf, weil F. nach bisherigen Angaben kein Straftäter war, sondern ein alter, schwer kranker Mann, der an der Grenze in ein Einwanderungsverfahren geraten war. Laut ICE hatte er am 28. August 2025 am Grenzübergang Colombia Solidarity Bridge in Laredo die Einreise beantragt. Deutschland gehört zwar zum Visa-Waiver-Programm, F. soll aber keine gültigen Reisedokumente vorgelegt haben. Die Beamten verweigerten ihm die Einreise in die USA und verwiesen den Fall an einen Einwanderungsrichter. Einen Tag später nahm ICE ihn in Gewahrsam.
Demenz, Bluthochdruck, kognitive Einschränkungen und Geschwüre
Damit verbrachte F. die letzten knapp zehn Monate seines Lebens unter Kontrolle der Behörde – erst in einer Reha- und Pflegeeinrichtung, später im Krankenhaus. Am 4. November wurde er wegen des Verdachts auf Demenz, Bluthochdruck, kognitive Einschränkungen und Geschwüre ins Valley Baptist Medical Center verlegt. Dort blieb er fast acht Monate. Dass er nicht in einer Haftanstalt starb, ändert rechtlich nichts: Er blieb in ICE-Gewahrsam. Seine Angehörigen sowie das deutsche Generalkonsulat wurden informiert.
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Sein Tod fügt sich in eine Serie, die Bürgerrechtler, Anwälte und internationale Beobachter alarmiert. Nach Zählungen auf Basis von ICE-Mitteilungen ist F. mindestens der 21. Mensch, der 2026 in ICE-Gewahrsam starb, und der erste deutsche Staatsangehörige. Fünf Tage zuvor starb der Mexikaner Felix Alcorta-Rodriguez im Webb County Detention Center in Laredo. Wachleute fanden den 63-Jährigen am 19. Juni bewusstlos; die vollständige Obduktion steht noch aus.
Weitere Fälle zeigen das Spektrum: Im März starb der 19 Jahre alte Mexikaner Royer Perez Jimenez im Glades County Detention Center in Florida; ICE sprach von einem mutmaßlichen Suizid. Kurz darauf wurde der Tod von Jose Guadalupe Ramos im Adelanto ICE Processing Center in Kalifornien bekannt, einem Mann mit Diabetes und Bluthochdruck.
Die Regierung weist den Vorwurf systemischer Gefährdung zurück. Doch US-Medien berichteten, dass sich die Todesrate seit Trumps Rückkehr ins Amt mehr als verdoppelt habe. UN-Hochkommissar Volker Türk verlangte unabhängige Untersuchungen. Im Fall Adrian Andreas F. bleibt offen, warum ein 85-Jähriger mit schweren Gesundheitsproblemen so lange in Gewahrsam blieb.
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