Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Bosnienkrieg beschäftigt ein mutmaßliches Kriegsverbrechen jetzt die österreichische Justiz. Die Behörden ermitteln gegen zwei Männer, die während der Belagerung von Sarajevo gezielt auf Zivilisten geschossen haben sollen. Nach Angaben des Wiener Justizministeriums laufen die Untersuchungen seit dem 25. April gegen einen österreichischen Staatsbürger sowie einen weiteren bislang unbekannten Verdächtigen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Seit dem Dokumentarfilm „Sarajevo Safari“ des slowenischen Regisseurs Miran Zupanic aus dem Jahr 2022 waren verstärkt Mutmaßungen über Reisen von „Wochenend-Scharfschützen“ in den Jahren 1993 bis 1995 angestellt worden. Diese sollen während des Bosnienkriegs den damaligen bosnisch-serbischen Streitkräften hohe Summen gezahlt haben, um in Sarajevo einige Tage auf Zivilisten schießen zu können.
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Die ehemalige Bürgermeisterin von Sarajevo, Benjamina Karic, erstattete nach der Ausstrahlung des Dokumentarfilms in Bosnien Anzeige. Die Staatsanwaltschaft in Sarajevo ermittelt wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen.
Buch bringt neue Details zu mutmaßlichen „Kriegstouristen“ ans Licht
In seinem im März erschienenen Buch „I Cecchini del Weekend“ (Wochenend-Scharfschützen) zitiert der italienische Journalist Ezio Gavazzeni einen Franzosen, der kleine Gruppen dieser zahlenden „Kriegstouristen“ begleitet haben will. Diese stammten demnach aus Italien, Frankreich, Belgien, der Schweiz, Österreich und Russland. Organisiert wurden die Reisen dem Buch zufolge von einem Unternehmen in Mailand. Laut dem Franzosen waren die Kunden zumeist älter als 50 Jahre und wohlhabend.
Die ehemalige österreichische Justizministerin Alma Zadic begrüßte die Ermittlungen. „Bei den Vorwürfen handelt es sich um schwerste Kriegsverbrechen, denen nachgegangen werden muss. Diese müssen lückenlos untersucht und verfolgt werden. Es darf keinen Platz für Straflosigkeit geben“, erklärte die Grünen-Politikerin laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA. „Dass Menschen offenbar dafür bezahlt haben sollen, gezielt auf Zivilistinnen und Zivilisten, sogar auf Kinder, zu schießen, ist kaum vorstellbar in seiner Grausamkeit.“
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Die vierjährige Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo durch die bosnischen Serben gehört zu den dramatischsten Ereignissen des Bosnienkrieges. Unter dem Dauerbeschuss von Heckenschützen und der serbischen Artillerie auf den umliegenden Hügeln wurden in der von der Außenwelt abgeschnittenen Stadt von April 1992 bis November 1995 etwa 11.500 Männer, Frauen und Kinder getötet und mehr als 50.000 Menschen verletzt.
lth/afp






