Kriege, Wirtschaftsschwäche, Angst um den gesellschaftlichen Zusammenhalt: Angesichts zahlreicher unmittelbarer Krisen ist die Klimakrise zuletzt oft in den Hintergrund gerutscht. Trotzdem beschäftigt sie die Menschen weiterhin. Das zeigt eine Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, die dieser Redaktion vorliegt. Die Daten zeigen allerdings auch: Während die Sorge um die Auswirkungen des Klimawandels in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, ist sie längst nicht so ausgeprägt, wie es die Angst vor Umweltzerstörung in den 1980er-Jahren war.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Um nachzuzeichnen, wie viel Raum Klimasorgen im Alltag einnehmen und welche Unterschiede es zwischen Altersgruppen gibt, hat eine Gruppe von Forschenden des DIW Umfragedaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) bis 2023 ausgewertet. Das Panel ist eine sozialwissenschaftliche Langzeitstudie, für die jedes Jahr Menschen in 20.000 Haushalten in Deutschland zu unterschiedlichen Themen befragt werden. Seit 2009 wird dabei auch abgefragt, ob und in welchem Umfang Menschen sich sorgen um die Auswirkungen des Klimawandels machen.

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Seit 2013 ist dabei die Zahl der Menschen, die sich besorgt zeigt, deutlich gestiegen. Das DIW-Team hat das Jahr 2009 als Referenzjahr zugrunde gelegt und Standardabweichungen dazu berechnet. Eine Standardabweichung von 0,1 Punkten kann dabei als kleine Verschiebung gelten, erklärt Franziska Holz, stellvertretende Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt, 0,5 bedeutet eine große Verschiebung. 2022 lag die Abweichung bei den Klimasorgen mehr als 0,4 Punkte über dem Referenzwert. Fast parallel verläuft die Kurve zu Sorgen über den Zustand der Umwelt. Diese Frage wird seit dem Start des SOEP 1984 gestellt.

Umweltängste nach Tschernobyl stark angestiegen

Dabei zeigen jüngere Jahrgänge sich grundsätzlich deutlich besorgter über die Auswirkungen des Klimawandels als ältere. Aber über alle Generationen hinweg wächst das Bewusstsein. „Heute 70-Jährige machen sich im Schnitt mehr Sorgen darüber als zu dem Zeitpunkt, als sie 60 waren“, sagt Holz, Mitautorin der Untersuchung. „Und sie sorgen sich mehr, als 70-Jährige vor zehn Jahren das getan haben.“ Lediglich bei denen, die im Befragungsjahr in der Phase der Familiengründung sind, nimmt die Sorge um das Klima etwas ab.

Auffällig ist: Während Klimasorgen in den vergangenen Jahren zwar zunehmend größer geworden sind, haben Umweltängste in der Vergangenheit eine noch deutlich größere Rolle gespielt. 1987, im Jahr nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, lagen die Umweltsorgen bei 0,65 Punkten Abweichung, zwei Jahre später sogar noch weiter oben. „Themen wie Luftverschmutzung und saurer Regen spielten damals eine viel größere Rolle“, sagt Holz. „Und dann kam Tschernobyl, und in den Daten sehen wir danach einen starken Anstieg der Besorgnis bei den Menschen.“

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Hält sich der Trend, dass jüngere Generationen sich tendenziell mehr Sorgen über das Klima machen als ältere und diese Sorgen mit dem Alter auch noch wachsen, könnte es sein, dass auch bei diesem Thema in Zukunft das Niveau der Umweltängste aus den 1980er-Jahren erreicht wird, glaubt Holz.