Die ukrainische Armee hat einen Kommandeur gefeuert, dessen Soldaten in einer Frontstellung im Osten des Landes offenbar monatelang ohne ausreichende Versorgung mit Wasser oder Lebensmitteln ausharren mussten. Die Armeeführung warf dem Befehlshaber der Brigade am Freitag in Online-Netzwerken vor, die „tatsächliche Situation verschleiert“ zu haben. „Einige Stellungen sind verloren gegangen und bei der Versorgung der Soldaten kam es zu einer Reihe von Fehlern“, hieß es. Ein weiterer Kommandeur wurde degradiert.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Eine Frau, bei der es sich ukrainischen Medienberichten zufolge um die Ehefrau eines der Soldaten handelt, hatte einen landesweiten Aufschrei ausgelöst, als sie am Dienstag Fotos von drei Soldaten im Online-Netzwerk Facebook veröffentlichte, auf denen die Männer ausgemergelt, mit freiem Oberkörper und langen Bärten zu sehen waren. 

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Ihren Angaben zufolge waren die Männer seit dem 25. August an der Front stationiert, Nachschub an Lebensmitteln und Brennstoffen sei nur unregelmäßig alle zehn bis 15 Tage gekommen. Im Winter hätten die Männer Schnee geschmolzen und Regenwasser getrunken.

Ukraine-Krieg: „So eine Schande über unsere Armee“

Die Journalistin Anna Kaliuschna schrieb in Online-Netzwerken: „Ich hätte niemals gedacht, dass unsere Militärführung so eine Schande über unsere Armee bringen würde. Unsere Infanteristen sehen aus wie diejenigen, die aus russischer Gefangenschaft zurückkehren.“

Ukraine-Krieg - Kupjansk
Ein Mann zieht sein Motorrad auf einer zerstörten Brücke über den Fluss Oskil während einer Evakuierung in Kupjansk. (Archivfoto)© Evgeniy Maloletka/AP/dpa | Evgeniy Maloletka

Die Einheit kämpft in der heftig umkämpften Region Kupjansk am Fluss Oskil im Nordosten der Ukraine. Die Soldaten werden in dem Frontabschnitt über Drohnen und mit Booten versorgt, die nach ukrainischen Armeeangaben unter „systematischem“ russischem Beschuss standen. Am Freitag teilte die Armee mit, dass unlängst Lebensmittel geliefert worden seien und die Soldaten evakuiert würden, „wenn es die Umstände erlauben.“

Der neue Kommandeur der Brigade, Taras Maximow, setzte sich bereits mit den Männern in einem Online-Anruf in Verbindung und versprach ihnen, sie würden so bald wie möglich abgelöst, wie aus einem bei Facebook veröffentlichten Video hervorgeht. Ukrainischen Medien zufolge sagte einer der Soldaten: „Helft uns, dass wir hier rauskommen, und alles ist in Ordnung.“