Schah-Sohn Reza Pahlavi ist der bekannteste Gegner des iranischen Regimes. Vom Exil in den USA aus gründete er den Dachverband iranischer Oppositionspolitiker in der Diaspora, den Iran National Council. Unterstützt wird er von den USA, Israel und auch Saudi-Arabien. Sein Besuch in Deutschland wird von zahlreichen Demonstrationen begleitet.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Während die einen ihm zutrauen, im Iran eine Übergangsregierung zu bilden, zweifeln andere an der Demokratiefähigkeit des Kronprinzen. Schließlich hatte sein Vater, Schah Reza Pahlavi, den Iran bis zur Revolution von 1979 mit harter Hand geführt. Ob der Schah-Sohn nur Symbolfigur ist oder politischer Akteur werden kann – darüber ist innerhalb der Gruppe der Exil-Iraner eine Debatte entbrannt.

Reza Pahlavi: Rolle in der internationalen Iran-Politik

International hat sich Pahlavi in den vergangenen Jahren strategisch Richtung Westen positioniert. Er spricht von einem säkularen, demokratischen Iran und tritt als moderater Ansprechpartner auf. Gerade für europäische Staaten, die nach Alternativen zur Islamischen Republik suchen, ist er ein vielversprechender Kandidat.

Auch interessant

Zu den Unterstützern des Schah-Sohnes gehört auch Gazelle Sharmahd, Tochter des vom Mullah-Regime hingerichteten deutsch-iranischen Unternehmers Jamshid Sharmahd. Sie kämpft als Aktivistin von den USA aus für ein freies Iran. Dieser Redaktion sagte sie, sie traue Pahlavi zu, die zersplitterte Opposition im Iran zu einen. Reza Pahlavi repräsentiere bereits „eine der größten und vielfältigsten Koalitionen iranischer Oppositionskräfte“. Diese könne eine Übergangsführung bilden – und damit auch für westliche Regierungen ein Ansprechpartner sein.

Unterstützung für Reza Pahlavi im Iran

Doch genau hier beginnt die Kritik. Wie groß Pahlavis Rückhalt im Iran selbst ist, bleibt unklar. Freie Umfragen existieren nicht. Sichtbare Unterstützung, etwa Slogans bei Protesten, lässt sich schwer verifizieren.

Exil-Iraner demonstrieren für politische Veränderung im Iran. Für viele gilt Reza Pahlavi als Symbolfigur.
Exil-Iraner demonstrieren für politische Veränderung im Iran. Für viele gilt Reza Pahlavi als Symbolfigur. © AFP | FREDRIK SANDBERG

Die Berliner Menschenrechtsaktivistin Mariam Claren warnt: Pahlavi habe sich nie von den Verbrechen seines Vaters distanziert. „Anhand von Parolen [...] auf eine ‚überwältigende Mehrheit‘ zu schließen, halte ich für unprofessionell und populistisch.“ Der Iran sei politisch und ethnisch vielfältig. Gerade unter Minderheiten gebe es Vorbehalte, so Claren. Kurdinnen und Kurden etwa werfen Pahlavi zentralistische Tendenzen vor.

Claren kritisiert auch Pahlavis Übergangsprogramm. Es hebele die Gewaltenteilung aus, die Macht sei auf ihn stark konzentriert. „Was mich besonders schockiert hat, war, dass Reza Pahlavi die amerikanisch-israelischen Luftangriffe als humanitäre Intervention bezeichnet hat.“ Den gefallenen Soldaten habe er sein Beileid ausgesprochen, aber kein Wort über die iranischen Opfer verloren.

Claren verweist vor allem auf den ersten Kriegstag, an dem eine Mädchenschule getroffen wurde und mehr als 100 Kinder starben. Kritisch blickt sie auch auf die Anhängerschaft, die etwa auf Demonstrationen „Tod den Linken“ riefen. Ein weiterer Konfliktpunkt ist seine Anhängerschaft. Radikale Parolen auf Demonstrationen werfen die Frage auf, wie inklusiv und demokratisch die Bewegung wirklich ist.

Reza Pahlavi in der iranischen Diaspora umstritten

Trotz dieser Kritik: In Deutschland ist Reza Pahlavi populär, vor allem innerhalb der iranischen Diaspora. Valerio Krüger, Sprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), beschreibt ihn als „die einzige personifizierte Hoffnung für einen freien Iran“. Viele Iraner in Deutschland sähen in ihm eine Figur für den Übergang zu Freiheit und Pluralismus. „Alles Weitere werden die Menschen im Iran mitentscheiden müssen.“

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Ohnehin sind Reza Pahlavis Chancen begrenzt. Am Ende wird die Entscheidung über Pahlavis Regierungspotenzial nicht im Exil fallen. „Die Menschen im Iran müssen selbst entscheiden“, sagt Claren. Oder wie Sharmahd es formuliert: „Reza Pahlavi kann Freiheit nicht ‚bringen‘ – Freiheit kann nur vom iranischen Volk selbst erkämpft werden.“