Nur wenige Deutsche haben es bisher in den Olymp des US-Fernsehens geschafft: die Late-Night-Talkshows. In den letzten Jahren waren bereits Schauspieler Matthias Schweighöfer und Satiriker Jan Böhmermann zu Gast – Bernd das Brot brachte es ebenfalls zu Ruhm. Zur Reihe der Auserwählten kann sich nun auch Annalena Baerbock zählen, die am Montag in der „Daily Show“ des legendären Late-Night-Moderators Jon Stewart zu Gast war.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die ehemalige Grünen-Außenministerin sollte mit Stewart, einem berüchtigten Trump-Kritiker, vor allem über ihre neue Rolle als Präsidentin der UN-Generalversammlung in New York sprechen. Doch gleich zu Beginn des knapp 19 Minuten langen Interviews musste erst einmal die Aussprache ihres Namens geklärt werden. „Annalena, nicht Annalina“, erklärt Baerbock, woraufhin Stewart sie scherzhaft korrigiert, dass ja wohl die amerikanische Aussprache die korrekte sei.
Dann geht es um ihren Job als Präsidentin der Generalversammlung. „Die Aufgabe besteht darin, die gesamte internationale Familie – also 193 – an einen Tisch zu bringen“, erklärt Baerbock, die das Chaos für die US-Amerikaner mit einem Thanksgiving-Essen vergleicht, bei dem ein grummeliger Onkel die Atombombe besitzt.
Baerbock lehnt Bewerbung von Jon Stewart ab
Es folgt die von Stewart gestellte große Frage: Was kann die UN überhaupt noch bewegen in Zeiten eines US-Präsidenten, der Venezuela und den Iran unbegründet angreift, während Länder wie China und Russland Entscheidungen im Sicherheitsrat blockieren? Gleichzeitig würden sich ja viele Menschen eine größere Rolle der UN wünschen. Erwarten sie zu viel von der Organisation?

Laut Baerbock seien die Vereinten Nationen seit ihrer Gründung „nicht dazu bestimmt, die Menschheit in das Paradies zu führen, sondern sie vor der Hölle zu bewahren“. Später begründet sie die Notwendigkeit der UN auch mit den Verbrechen Nazi-Deutschlands und verweist auf ein entscheidendes Problem: „Wie du bereits erwähnt hast, besteht der Großteil der Arbeit der Vereinten Nationen in der Konfliktprävention. Leider erzielt man, gerade in der heutigen Zeit, mit reißerischen Medienberichten deutlich bessere Klickzahlen.“ Die Aufgabe der UN sei es hauptsächlich, Konflikte zu verhindern.
Einblicke gibt Baerbock auch in die Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden UN-Generalsekretär António Guterres, dessen Amtszeit Ende 2026 abläuft. „Was ist die Frist für die Einreichung von Lebensläufen?“, bringt sich Stewart unter dem Gelächter der Zuschauer in Stellung. Wahrscheinlich hätte Stewart schlechte Chancen, viele Länder wünschen sich eine Frau zum ersten Mal an der Spitze der Organisation, erklärt daraufhin Baerbock.
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„Die internationale Friedensordnung ist eine Lebensversicherung für uns alle“
Unter dem für das US-Fernsehen typisch reichlichen Applaus versucht der Moderator Stewart immer wieder, dem trockenen Thema Vereinte Nationen einen unterhaltsamen Twist zu geben. Doch seine schnellen Scherze bringen Baerbock ins Stocken, die bei provokanten Fragen sichtlich bemüht um die Unparteilichkeit ihres Amts kämpft.

„Welches Land ist momentan das schlimmste?“, versucht Stewart Baerbock aus ihrer Deckung zu locken. „Sind wir es?“ Baerbock, routiniert diplomatisch, verweist auf ihre Rolle als Präsidentin der Generalversammlung, die alle Länder repräsentieren müsse. Gleichzeitig fordert sie eine Reform der UN, damit sie handlungsfähiger wird.
„Kein einziger Tag wäre besser für die Welt ohne die Vereinten Nationen, denn Millionen von Menschen würden buchstäblich verhungern“, bekräftigt sie die Bedeutung der UN. „Die internationale Friedensordnung, die Charta der Vereinten Nationen, ist eine Lebensversicherung für alle.“






