Sie ist charismatisch und erfolgreich: Silvia Salis ist ehemalige olympische Hammerwerferin und heute aufsteigender Stern der Linken in Italien. Seit elf Monaten ist sie Bürgermeisterin der norditalienischen Hafenstadt Genua und gilt bereits als mögliche künftige Anführerin der Opposition. Obwohl sie erst seit 2025 politisch aktiv ist, wird die 40-jährige frühere Athletin schon als Gegenspielerin von Regierungschefin Giorgia Meloni bei den Parlamentswahlen im kommenden Frühjahr gehandelt.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Politische Beobachter bezeichnen Salis bereits als „Anti-Meloni“. Beide sind blond, attraktiv und durchsetzungsstark. Salis‘ schneller politischer Aufstieg ist bemerkenswert. Die Mutter eines dreijährigen Kindes gewann im Mai 2025 deutlich die Bürgermeisterwahl in Genua. Damit gelang es ihr, die zersplitterten Mitte-links-Kräfte zu einen und nach acht Jahren die Vorherrschaft der Mitte-rechts-Koalition im Rathaus ihrer Heimatstadt zu beenden.
In Italien war Salis vor allem als Sportlerin bekannt – das ist nun anders
Im Wahlkampf wurde sie von rechts als politisch „unerfahren“ verspottet. Die Wählerschaft in Genua ließ sich davon jedoch nicht beeinflussen und entschied sich klar für die Quereinsteigerin, die zuvor hauptsächlich durch sportliche Erfolge bekannt war. Salis ist eine starke Frau im wörtlichen Sinn. Als Hammerwerferin gewann sie zehn nationale Meistertitel und nahm an den Olympischen Spielen in Peking (2008) und London (2012) teil. Nach dem verletzungsbedingten Ende ihrer Karriere im Jahr 2016 begann sie ein neues Kapitel als Sportfunktionärin und wurde 2021 Vizepräsidentin des Italienischen Olympischen Komitees.
Auch interessant
Der Einstieg in die Politik erfolgte, nachdem die Mitte-links-Parteien in Genua monatelang erfolglos nach einem gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten gesucht hatten. Als in der Demokratischen Partei (PD) der Vorschlag aufkam, Silvia Salis zu nominieren, sagte sie zu, stellte jedoch klar, kein bloßes Aushängeschild sein zu wollen. Als Bedingung forderte sie ein geschlossenes Bündnis aller linken Kräfte. Diese Forderung zeigte Wirkung. Im Wahlkampf präsentierte sie ihre Vision einer modernen, auch für junge Menschen attraktiven Stadt nach Berliner Vorbild – und gewann die Wahl.

In Italien steht die Regierung Meloni unter Druck
Nach fast einem Jahr im Amt könnte Salis nun der Sprung in die nationale Politik bevorstehen. Seit der Niederlage von Ministerpräsidentin Meloni beim Referendum über eine umstrittene Justizreform am 23. März befindet sich die Rechtsregierung in Rom in politisch unruhigem Fahrwasser.
Die Probleme für Meloni häufen sich: Zwei umstrittene Regierungsmitglieder und Parteifreunde der Ministerpräsidentin – Tourismusministerin Daniela Santanchè und Justiz-Staatssekretär Andrea Delmastro – mussten zurücktreten. Auch internationale Spannungen belasten die Lage. Hohe Energiekosten, der Konflikt im Nahen Osten sowie die schwierigen Beziehungen zu den USA haben Meloni zusätzlich unter Druck gesetzt. So verweigerte Italien kürzlich zwei US-Kampfflugzeugen die Landung auf dem US-Stützpunkt Sigonella auf Sizilien. Die zuvor engen Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump haben sich dadurch deutlich abgekühlt.
Auch interessant
Der offene Streit zwischen Trump und der italienischen Regierungschefin verschärfte sich weiter nach der Kritik des US-Präsidenten an Papst Leo XIV., die Meloni als „inakzeptabel“ bezeichnete. Der Widerspruch kommt sie nun politisch teuer zu stehen: Trump zeigte sich öffentlich „schockiert“ und „enttäuscht“ von seiner früheren Verbündeten. Diese Entwicklung schwächt Meloni, die ihre Rolle als Brückenbauerin zwischen den USA und Europa zunehmend verliert. Politische Beobachter sprechen davon, dass sich der Wind für sie gedreht habe und sie nicht mehr so fest im Sattel sitze wie noch vor wenigen Wochen.
Die Erwartungen, die auf Silvia Salis liegen, sind groß
Die Schwierigkeiten der 49-jährigen Regierungschefin erwecken die Mitte-links-Opposition zu neuem Leben. Sie konnte seit Melonis Amtsantritt im Oktober 2022 kaum politisches Gewicht entfalten. Die italienische Linke steckt seit Jahren in einer anhaltenden Krise. Der letzte Wahlsieg der Demokratischen Partei geht auf das Jahr 2013 zurück.

Die 40-jährige sozialdemokratische Oppositionsführerin Elly Schlein, die sich für die Rechte der LGBTQ-Community einsetzt, gilt vielen als zu wenig charismatisch, um die Linke zum ersehnten Wahlsieg zu führen. Zudem gerät sie immer wieder in Konflikt mit ihrem Verbündeten, dem früheren Ministerpräsidenten Giuseppe Conte, dem Vorsitzenden der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung. Beide streben danach, die Opposition im nächsten Wahlkampf zu führen, gelten jedoch als zu schwach, um das zerstrittene Mitte-links-Lager zu einen. Diese Rolle könnte stattdessen Silvia Salis zufallen.
„Kann diese Frau Giorgia Meloni gefährlich werden?“, fragen sich politische Beobachter. Unter linken Wählern wächst die Hoffnung, dass Genuas Bürgermeisterin zur neuen Oppositionsführerin aufsteigen und Meloni ernsthafte Konkurrenz machen könnte. Salis selbst zeigt sich offen für diese Perspektive – vorausgesetzt, das Mitte-links-Lager trägt sie gemeinsam. So wie ihr bereits in Genua der politische Durchbruch gelang, hoffen ihre Anhänger nun auf eine geeinte Koalition gegen Meloni bei den kommenden Parlamentswahlen.






