Es wäre die massivste Eskalation im zweiten Kriegsmonat. US-Präsident Donald Trump erwägt im Iran den Einsatz von Bodentruppen, zu denen auch Spezialeinheiten gehören. Entsprechende Berichte in US-Medien über umfassende Planspiele im Pentagon wurden vom Weißen Haus nicht dementiert. Die Mission gilt als hochgefährlich. US-Soldaten müssten mit iranischen Drohnen, Raketen und improvisierten Sprengsätzen rechnen – ein „Himmelfahrtskommando“, sagen Ex-Generäle. Durch die von Teheran praktizierte asymmetrische Vergeltung – Angriffe auf Anrainerstaaten – könnte der Krieg eine neue Dimension bekommen. Entschieden ist noch nichts. Der Stand der Dinge:
Welche Vorbereitungen deuten darauf hin?
Die USS „Tripoli“ ist mit Teilen der 31. Marine Expeditionary Unit, bestehend aus 2200 Soldaten und Marines, am Wochenende mit Amphibienfahrzeugen für eine Erstürmung an Land im Einsatzgebiet angekommen. Weitere Marines (rund 2500) werden in den nächsten Tagen erwartet. Dazu ist die 82. Luftlandedivision der Armee mit rund 2000 Soldaten in Alarmbereitschaft versetzt worden, eine schnelle Eingreiftruppe, die oft an globale Krisenherde entsandt wird. Zusätzlich wird erwogen, 10.000 Infanteriesoldaten zu schicken.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Was stünde bei dem Einsatz im Vordergrund?
Die Öffnung der internationalen Wasserstraße von Hormus, weil allein iranische Drohungen die dort sonst stattfindenden Öltransporte drastisch verknappt haben, was weltweit zu enormen Preissteigerungen und Engpässen geführt hat. Und das definitive Unschädlichmachen der Restbestände des Atomprogramms. Im Fall Hormus sei es notwendig, iranische Militärstandorte an der Küste zu neutralisieren, die eine Bedrohung für die Schifffahrt darstellten, sagen Pentagon-Mitarbeiter. Dazu müssten Küstenbatterien, verdeckte Stützpunkte auf kleinen Inseln am Eingang der Meerenge und Raketenabwehrsysteme ausgeschaltet werden.
weitere Videos
Mit welchen Gefahren ist das verbunden?
Vorweg: Die iranischen Streitkräfte zählen 610.000 aktive Soldaten sowie 350.000 Reservisten. Eine Mobilmachung der von über 30 unabhängig voneinander agierenden Kommandos gesteuerten Armee würde die USA vor immense Probleme stellen. Der Iran verfügt trotz schwerer Luftschläge weiter über Raketen, Drohnen, Tunnelanlagen und verborgene Abschussrampen. Experten, die täglich in den US-Medien auftreten, sagen, dass es für die tief im Inland unterirdisch lagernden Uran-Vorräte des Iran keine militärische Lösung gibt – weil das Prozedere viel Zeit erfordern und mutmaßlich massenhaft Opfer auf amerikanischer Seite produzieren würde; ganz zu schweigen von der Komplexität, das Material zu sichern, abzutransportieren oder an Ort und Stelle zu neutralisieren. Wie die Straße von Hormus, eine lebenswichtige Passage, durch die normalerweise 20 Prozent des weltweiten Öls transportiert werden, dauerhaft gesichert werden soll, damit der Iran keine Tanker bombardieren oder mit Wasserminen beschädigen kann, ist konzeptionell bislang nicht bekannt. Dass Trump nach den leidvollen Erfahrungen der USA in Afghanistan wie im Irak überhaupt daran denkt, Bodentruppen zu schicken, empfinden viele Wähler als Skandal.

Hat Trump die endgültige Entscheidung schon gefällt?
Laut Regierungssprecherin Karoline Leavitt nicht. Der Präsident jongliert seit Tagen mit einer klaren Antwort. Mal spricht er von verheißungsvollen Gesprächen mit Teheran über eine Beilegung der Feindseligkeiten. Mal droht er, den Iran von der Landkarte zu bomben. Auf die Bodentruppen-Frage sagte der Präsident zuletzt: „Ich schicke nirgendwo Truppen hin. Wenn ich das täte, würde ich es Ihnen sicherlich nicht sagen, aber ich schicke keine Truppen.“ Bisher starben nach Pentagon-Angaben 13 US-Soldaten im Einsatz. Mehr als 300 wurden durch iranische Vergeltungsschläge in mindestens sieben Ländern der Region teils schwer verletzt.
Was spricht gegen einen Einsatz von „boots on the ground“?
Er trifft in Umfragen auf flächendeckenden Widerstand in der amerikanischen Bevölkerung. Nur sieben Prozent unterstützen einen großen Bodeneinsatz. 55 Prozent lehnen jede Form von Bodentruppen ab. Selbst ein Kurzeinsatz von Spezialkräften ist nur für eine kleine Minderheit akzeptabel. Da Trumps Zustimmungswerte in einem historischen Tief dümpeln (nur noch 35 Prozent sind mit ihm zufrieden), könnte dies seine Entscheidung beeinflussen. Die Amerikaner, die schon vor Kriegsbeginn mit einer Krise der Lebenshaltungskosten zu kämpfen hatten, verlieren zusehends die Geduld gegenüber höheren Preisen für Benzin, Flugreisen und im Supermarkt. Sollte es zu Hunderten toten GIs in iranischen Küstengebieten kommen, könnte Trump den letzten Rest von Unterstützung verlieren.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Wie reagiert die Politik im Kongress?
Im Kongress, der nach der Verfassung über den Eintritt der USA in einen Krieg zu entscheiden hat, bisher aber von Trump ignoriert wird, regt sich zunehmend Protest. Die Demokraten sind fast ausnahmslos gegen den Krieg. Aber auch republikanische Unterstützer machen Front. Der Abgeordnete Derrick Van Orden, ein pensionierter Navy-Seal-Elitsoldat, ist „zu 100 Prozent“ gegen die Entsendung von Bodentruppen. Auch seine Kollegin Nancy Mace hat angekündigt, Trump hier die Gefolgschaft zu verweigern. Sie und andere stützen sich dabei auch auf jüngste Äußerungen von Marco Rubio. Der Außenminister sagt, dass die USA ihre Ziele im Iran ohne Bodentruppen erreichen könnten. Der republikanische Abgeordnete Eli Crane befürchtet, dass die „Grand Old Party“ bei den Kongresswahlen im November „60 bis 70“ Mandate verliert, falls Trump Bodentruppen einsetzt. Dagegen fordert der Trump-Vertraute Lindsey Graham, Senator aus South Carolina, konkret die Einnahme der Ölinsel Kharg und zieht dabei einen Vergleich zu Iwojima im Zweiten Weltkrieg. Was er vergaß: Bei der Eroberung der Insel im Pazifischen Ozean starben 6800 US-Soldaten.
Was ist die größte Herausforderung im Iran für die USA?
Der Schutz der US-Soldaten, die – einmal an Land gegangen – zur Zielscheibe des Irans würden, der aus allen Teilen des Landes Raketen und Drohnenschwärme einsetzen könnte. Tenor unter Experten: Inseln wie den Ölverschiebebahnhof Kharg einzunehmen, um so von Teheran Zugeständnisse zu erpressen, sei nicht schwer. Das kleine Territorium zu halten, stelle dagegen eine „fast unlösbare Aufgabe“ dar.

Spielt der Kalender bei den Planungen eine Rolle?
Ja. Trump will rund um den 14. Mai in China landen zum Gipfeltreffen mit Xi Jinping. Dass er dies täte, während im Iran, wo Peking einen Großteil seines Öls bezieht, Bomben fallen, sei „nahezu ausgeschlossen“, sagen Regierungsvertraute. Dass ein Bodentruppen-Einsatz binnen sechs Wochen die größten Probleme – Uranbestände und Hormus – dauerhaft beseitigen könnte, gilt unter Militär-Experten in Washington jedoch als „Fantasiekonstrukt“. Sollte Trump dennoch die Eskalation wagen und scheitern, wäre seine Verhandlungsposition gegenüber China massiv geschwächt.








