Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, warum die europäischen Nato-Verbündeten im amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran einen Einsatz zur Sicherung der Straße von Hormus ablehnen, hat die Trump-Regierung am gestrigen Mittwoch indirekt eine weitere Antwort bekommen: tiefstes Misstrauen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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In den dunkelsten Tagen des Januar bereitete sich Dänemark offenbar auf ein Szenario vor, das noch vor kurzem absurd geklungen hätte: einen militärischen Angriff der Vereinigten Staaten auf Grönland.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Grönland: So bereitete sich Europa auf eine Invasion vor
Nach spektakulären Berichten des dänischen Rundfunks DR, die von europäischer Beamten bestätigt wurden, ging die Regierung in Kopenhagen in eine bitterernste Notfallplanung – mit Sprengstoff, Blutkonserven für Verwundete und europäischen Truppen, die unter dem Deckmantel einer Übung auf die Insel verlegt wurden.
Allein diese Details zeigen, wie weit das Misstrauen gegenüber Donald Trump inzwischen reicht. Dänische Soldaten, die zu Jahresbeginn nach Grönland entsandt wurden, nahmen demnach genügend Sprengstoff mit, um im Falle eines Falles die wichtigsten Start- und Landebahnen bei Nuuk und in Kangerlussuaq zu zerstören und US-Flugzeugen eine Landung zu verunmöglichen.

Die Logik dahinter war so nüchtern wie drastisch. Sollte Washington versuchen, die Insel mit Gewalt unter seine Kontrolle zu bringen, dann sollte eine Übernahme nur unter hohen militärischen und politischen Kosten möglich sein. Dazu passte auch, dass Blutkonserven aus dänischen Blutbanken auf die Insel gebracht wurden – als Vorsorge für den Fall echter Kampfhandlungen.
Dass ein Nato-Staat ernsthaft darüber nachdachte, die eigene Infrastruktur zu sprengen, um sich gegen die USA zu verteidigen, markiert eine Zäsur von historischem Ausmaß. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sprach seinerzeit von der schwersten außenpolitischen Lage seit dem Zweiten Weltkrieg. Hinter dieser Formulierung steckt keine Rhetorik.
News aus den USA
Kopenhagen fürchtete um das Ende der Nato
Nach den Berichten begann Kopenhagen bereits kurz nach den US-Wahlen 2024, in europäischen Hauptstädten diskret politische Rückendeckung zu suchen. Ein Wendepunkt war dann der amerikanische Angriff auf Venezuela Anfang Januar. Als Trump unmittelbar danach erneut erklärte, die USA bräuchten Grönland „dringend“, verdichtete sich in Kopenhagen die Furcht, dass seine Drohungen nicht mehr nur als Größenfantasie eines unberechenbaren Präsidenten abgetan werden konnten. Frederiksen erklärte damals, ein Angriff der USA auf einen Nato-Verbündeten würde das Ende des Militärbündnisses bedeuten.
Frankreich und Deutschland sollen Dänemark in dieser Phase eng unterstützt haben, sagen Regierungsbeamte. Ein Vorauskommando aus dänischen, französischen, deutschen, norwegischen und schwedischen Soldaten landete demnach auf Grönland, später folgte eine größere Streitmacht, darunter Elitesoldaten. Auch dänische Kampfflugzeuge und ein französisches Kriegsschiff wurden Richtung Nordatlantik verlegt. Das Ziel war offenkundig nicht, einen Krieg mit Amerika zu gewinnen. Es ging darum, den Preis eines solchen Angriffs so hochzutreiben, dass Trump von einem militärischen Abenteuer abgeschreckt würde.
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Gerade darin liegt die eigentliche Dramatik dieser Affäre. Europa bereitete sich nicht auf Russland vor, sondern auf den Ernstfall mit seinem wichtigsten Verbündeten. Die Krise wurde schließlich entschärft, weil Nato-Generalsekretär Mark Rutte Trump in Davos dazu brachte, statt eines gewaltsamen Zugriffs einen Entwurf für ein späteres Abkommen mit Dänemark zu akzeptieren. Doch auch das klingt kaum beruhigend. Denn Frederiksen machte zugleich klar, dass Trumps Wunsch, Grönland zu übernehmen, keineswegs verschwunden sei.
So bleibt von dieser Episode mehr als eine bizarre Randnotiz. Sie ist ein Menetekel für das neue strategische Klima im Westen: Wenn europäische Regierungen Blutreserven und Sprengstoff nach Grönland schicken, um sich gegen Amerika zu wappnen, dann ist das Vertrauen, auf dem das atlantische Bündnis seit 1945 ruhte, nicht mehr beschädigt. Sondern erschüttert.














