Ein schwerer Meningitis-Ausbruch im Südosten Englands sorgt für Beunruhigung in Großbritannien. Bislang hat die Infektionskrankheit zwei junge Todesopfer gefordert, dreizehn weitere Menschen sind ins Krankenhaus eingeliefert worden. „Dies ist ein beispielloser Ausbruch“, sagte Gesundheitsminister Wes Streeting am Dienstagmittag. „Die Situation entwickelt sich sehr schnell.“

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Betroffen sind die University of Kent in der Stadt Canterbury sowie drei Sekundarschulen, die ebenfalls in der Grafschaft Kent liegen. Am Dienstag machte die Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) bekannt, dass es sich beim Ausbruch um eine bakterielle Infektion handelt, genannt MenB. Diese ist besonders gefährlich, zudem sind die meisten Leute nicht dagegen immunisiert. In Großbritannien werden Kinder erst seit 2015 gegen MenB geimpft.
Großbritannien: Zwei Menschen sterben an Infektionskrankheit
Meningitis, auch Hirnhautentzündung genannt, ist eine Entzündung der Gewebe, die das Hirn und das Rückenmark umschließen. Die Ansteckung erfolgt über Tröpfcheninfektion, also durch Husten und Niesen, oder wenn Leute beispielsweise aus demselben Glas trinken. Zu den Symptomen zählen Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Hautausschläge; wenn Hirnhautentzündung nicht schnell behandelt wird, kann sie zu Blutvergiftung führen. Von Meningitis-Erkrankungen sind vornehmlich Babys, Kleinkinder, Teenager und junge Erwachsene betroffen.
Bei den Todesopfern in Kent handelt es sich um eine 18-jährige Sekundarschülerin und eine 21-jährige Person, die an der University of Kent studiert. Die UKHSA hat bislang mehr als 30.000 Studierende, Eltern und Mitarbeiter der Universität und der betroffenen Schulen kontaktiert und aufgefordert, vorbeugende Antibiotika einzunehmen.
- Studie: Forschende finden mögliche Ursache für Fettleibigkeit
- Untersuchungen: Stress erkennen – Diese Blutwerte sind alarmierend
- Gesunde Ernährung: Kind mag kein Gemüse? Ein Kinderarzt gibt Tipps
- Frauen: Endometriose-Betroffene geht radikalen Weg gegen Schmerzen
- Gewicht: Ärztin klärt auf – So kann Kaffee beim Abnehmen helfen
Nebst Leuten, die in direkten Kontakt zu Infizierten gekommen sind, können auch alle Studierenden auf dem Campus in Canterbury kostenlose Antibiotika-Tabletten beziehen. Die Nachfrage ist groß. Am Dienstag standen hunderte Studierende Schlange vor der Universitätsklinik, um sich mit der Arznei zu versorgen.
Gayatri Amirthalingam von der UKHSA sagte gegenüber der BBC, dass alle, die prophylaktische Antibiotika eingenommen haben, „ohne weiteres zurück nach Hause gehen können.“ Angehörige und Freunde seien dadurch ausreichend vor Ansteckung geschützt.
Dennoch erzählen Studierende von Angst und Panik, die sich auf dem Universitätsgelände breitgemacht haben. Manche besorgte Eltern haben ihre Kinder offenbar mitten in der Nacht abgeholt. „Wir sind alle ziemlich geschockt“, sagte eine Rechtsstudentin gegenüber dem Guardian. „Es fühlt sich an wie während Covid.“ Manche kritisierten auch die Behörden: Die Studierenden seien zu spät gewarnt worden, sagen sie. Demgegenüber betonte Gesundheitsminister Streeting, dass die UKHSA schnell gehandelt habe, nachdem sie am Freitag über den ersten Meningitis-Fall informiert worden war; bereits am Sonntag hätten Kontaktpersonen der Infizierten Antibiotika erhalten.
Auch interessant
Gesundheitsbehörde warnt: Club-Besucher sollen dringend Antibiotika einnehmen
Im Visier der Gesundheitsbehörden ist insbesondere der Nachtclub Club Chemistry in Canterbury. Die meisten Patienten, die derzeit im Krankenhaus liegen, besuchten das Lokal zwischen dem 5. und 7. März. Die UKHSA hat alle Leute, die in jener Zeitspanne im Club waren, aufgerufen, Antibiotika einzunehmen. Laut dem Besitzer wurde Club Chemistry in jenen Tagen von über 2000 Menschen besucht.
Die Behörden betonen, dass der Meningitis-Ausbruch nicht mit Covid zu vergleichen sei. „Das ist nicht wie eine Pandemie, die sich wie ein Lauffeuer verbreitet“, sagte Anjan Ghosh, Gesundheitsdirektor der Regionalbehörde Kent County Council. „Damit die Bakterien von einer Person zur nächsten überspringen, braucht es ziemlich ausgedehnten Kontakt.“





