Freundlich dürfte der Satz nicht gemeint sein: Wer „leck-meine-eier.de“ in die URL-Leiste seines Browsers eintippt, findet weder Informationen zum Osterfest noch schlüpfriges Material. Vielmehr schaut einen der Bundeskanzler an. „Biografie“, „Geboren am 11. November 1955“ steht dort auf blauem Hintergrund geschrieben. Die Seite ist kein Fake – sondern die offizielle Homepage der Bundesregierung.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Dahinter steckt eine sogenannte „Domain-Weiterleitung“, bei der „leck-meine-eier.de“ gekauft und veranlasst wurde, dass Nutzerinnen und Nutzer automatisiert auf der Biografie von Merz landen. Ein ähnliches Phänomen tritt übrigens auf, wenn die Bindestriche weggelassen werden: Bei „leckmeineeier.de“ erfolgt eine Weiterleitung auf die Seite des AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland (85).
In Internetarchiven ist zu sehen, dass „leck-meine-eier.de“ früher einmal auf die Domain eines Drogenforums verwies. Nun will Raphael Klein fünf Euro dafür gelöhnt haben. Er arbeitet nach eigenen Angaben als „Content Creator“ und tritt in den sozialen Medien unter dem Pseudonym „Honey Balecta“ auf. In Videos auf Instagram behauptet er, hinter dem Eier-Coup zu stecken. Ein Screenshot seiner persönlichen Domains legt nahe, dass Klein tatsächlich Besitzer von „leck-meine-eier.de“ ist. Mit der Weiterleitung auf die Webseite von Alexander Gauland will er allerdings nichts zu tun haben, wie er im Gespräch mit dieser Redaktion erklärt.
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„MERZ LECK EIER“: Schülerplakat löst Ermittlungen aus
Der Begriff „Eier“ in Zusammenhang mit dem Bundeskanzler machte nach einer Schüler-Demonstration gegen die Wehrpflicht in Berlin Schlagzeilen. Ein 18-Jähriger trug ein Plakat mit der Aufschrift: „MERZ LECK EIER“. Die Polizei beschlagnahmte es und leitete Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der „üblen Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens“ ein, wie ein Polizeisprecher sagte. Der Begriff „Eier“ hatte in der Wehrdienstdebatte an Brisanz gewonnen: Hintergrund ist der sogenannte „Eierkontrollgriff“, der mit der Einführung einer Musterung wieder verpflichtend wird.
Üble Nachrede liegt laut Strafgesetzbuch vor, wenn jemand über einen anderen „eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist“. Verleumdung liegt vor, wenn jemand „wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet“, welche ihn verächtlich machen oder in der öffentlichen Meinung herabwürdigen kann. Der Paragraf 188 schützt Personen des politischen Lebens dabei in besonderem Maße.
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Eier-Domain gekapert: Drohen rechtliche Schritte?
Klein spricht gegenüber dieser Redaktion von einer „Farce“: „Die Situation ist die, dass das Instrument der Beleidigung genutzt wird, um Schüler:innen einzuschüchtern und Proteste gegen die Wehrpflicht zu zerschlagen“, erklärt der mutmaßliche Domain-Besitzer. Indem er die „Eier-Domain“ kaperte, wolle er Aufmerksamkeit auf das Thema bekommen und Schülerinnen und Schüler „aus der Schusslinie nehmen“. In seinen Videos spricht er gar davon, dass Protest „zerschlagen“ und Demonstranten „mundtot“ gemacht werden sollen.
Dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung sei der Vorgang bekannt, hieß es auf Anfrage: Man habe aber „keine besonderen Anstrengungen unternommen, Erkenntnisse z.B. zur rechtlichen Verantwortlichkeit zu gewinnen.“ Auch Klein, der in seinem Profil mit linken und insbesondere wehrdienstkritischen Beiträgen auffällt, hat nach eigenen Angaben noch nichts von der Bundesregierung gehört. Rechtliche Schritte seien sicher möglich, um die Weiterleitung zu unterbinden. „Politisch halte ich es aber für unklug, wenn Schritte gegen mich unternommen werden.“ Sollte allerdings eine „Eskalationsstufe“ gezündet werden, müsse er damit umgehen.
Ob die Erwähnung von Eiern im Zusammenhang mit dem Bundeskanzler grundsätzlich rechtswidrig ist, wird am Ende ein Gericht entscheiden. Dass Domains gekapert werden, ist nicht neu: Im Bundestagswahlkampf 2025 etwa führte „linke.de“ plötzlich auf die Webseite der AfD. Auch wenn die eigentliche Homepage „dielinke.de“ davon unberührt blieb, ging die Partei dagegen mit rechtlichen Schritten vor.






![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)



