Die gute Laune bei den Grünen ist am Tag nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg ungebrochen: Man sei immer noch „froh und auch stolz darauf, was in Baden-Württemberg gelungen ist“, sagt Parteichefin Franziska Brantner am Montagnachmittag, erkennbar zufrieden mit dem Ergebnis. Eine „fulminante Aufholjagd“ sei das gewesen, „ein großartiger Wahlsieg für Cem Özdemir und uns Grüne“.
Ein Wahlsieg für Özdemir war der Sonntag in jedem Fall – aber auch einer für die Grünen? Özdemir, der sehr beliebt ist, hatte sich im Wahlkampf so weit wie möglich distanziert von seiner deutlich weniger beliebten Partei. Und die hatte ihn in dieser Strategie auch unterstützt: Diszipliniert vermieden die Bundesgrünen, der linke Parteiflügel und auch Wahlkämpfer aus anderen Bundesländern in den vergangenen Monaten fast alles, was die Erzählung des Realos Özdemir hätte stören können. Maximale Freiheit für die Kandidierenden vor Ort, möglichst kein Störfeuer aus dem Bund: Daran wollen die Grünen auch für die kommenden Wahlkämpfe festhalten.
Die Grüne Jugend stellt Forderungen an Özdemir
Doch wie viel Kraft das Stillhalten die Partei kostet, wurde schon am Wahlabend sichtbar. Die Urnen waren kaum geschlossen, da meldete sich der Chef der Grünen Jugend zu Wort: Wichtiger als ein gutes Ergebnis für die Partei sei gute Politik für die Menschen in Baden-Württemberg, sagte Luis Bobga, Co-Chef der Parteijugend, ntv.de. „Und nach den letzten Wochen mit Cem Özdemir bin ich mir nicht sicher, ob das automatisch das Gleiche heißt.“
Auch interessant
Spezifisch für Özdemirs Kurs in der Migrationspolitik ging der GJ-Chef den Wahlsieger an: „Was bringt mir jemand mit Migrationsgeschichte als Ministerpräsident, wenn seine Politik sich eben ganz oft gegen Migrantinnen richtet?“ Am Montag legte die Parteijugend einen Forderungskatalog an die Landesregierung nach.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Andere Parteilinke hielten am Montag am Kurs der Geschlossenheit fest. Der Parteilinke Andreas Audretsch, Vize-Fraktionschef im Bundestag und Vertreter des Berliner Landesverbands, der im Herbst wählt, lobte den Baden-Württemberger. „Cem Özdemir hat in Baden-Württemberg die Seele der Menschen erreicht“, sagte Audretsch dieser Redaktion. „Das ist unser Ziel in ganz Deutschland und das bedeutet vor Ort, jeweils die Schwerpunkte zu setzen, die für die Menschen wichtig sind.“ Die ganze Partei habe hinter Cem Özdemir gestanden. „Jetzt gehen wir geschlossen in die anstehenden Wahlkämpfe in Deutschland.“ Cem Özdemir, so die unausgesprochene Erwartung, möge dann bitte auch mit derselben Disziplin hinter dem Rest der Partei stehen.






