Hans-Ulrich Rülke hat wirklich vieles versucht. Im Kampf um Aufmerksamkeit und Stimmen für die FDP hatte der Spitzenkandidat der Liberalen in Baden-Württemberg nicht nur zahllose Wahlkampftermine gemacht. Er hatte sogar ein Foto von sich als 19-Jährigem am Strand auf Instagram gepostet, in knapper Badehose. Alles, um im Gespräch zu bleiben.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Allein: Gereicht hat es offenbar nicht. Nach den Hochrechnungen am Sonntagabend hat die FDP den Wiedereinzug in den Stuttgarter Landtag knapp verpasst. Damit endet für die Partei eine Ära: Seit 1952 war die FDP in jeder Legislatur im Landesparlament gewesen. Rülke kündigte noch am Abend seinen Rückzug an.

Für die FDP ging es bei dieser Wahl um viel, manche sagen: um alles.  Seit sie nicht mehr im Bundestag vertreten sind, müssen die Liberalen um das politische Überleben bangen. Die Wahl im FDP-Stammland Baden-Württemberg galt als wichtiges Signal. Rülke selbst hatte von einer „Schicksalswahl“ gesprochen. Folgt man dem, ist dieses Ergebnis kein gutes Zeichen für das Schicksal der FDP im Rest der Republik.

Christian Dürr, Chef der Bundespartei, sprach von einem „bitteren Wahlabend“. Er erklärte das Abschneiden der FDP mit der Zuspitzung des Wahlkampfs auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und Grünen. Ein Ende für die FDP als Partei sah Dürr deswegen aber noch nicht: „Wir sind nach der Bundestagswahl bei null gestartet, und mir war klar, dass das ein Marathonlauf wird und kein Sprint ist“, sagte er in der ARD. Die FDP sei mitten in der Erneuerung.

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AfD steigert sich, bleibt aber unter den eigenen Zielen

Unter den eigenen Erwartungen blieb auch die AfD. „25 plus x“ hatten Spitzenkandidat Markus Frohnmaier und Co-Landeschef Emil Sänze zu Beginn des Wahlkampfs in Baden-Württemberg als Ziel ausgegeben. Daran ist die Partei gescheitert – und zwar deutlich. Nach den Hochrechnungen steigerte sich die AfD zwar im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl in Baden-Württemberg, blieb aber unter ihrem Ergebnis dort in der Bundestagswahl. Die 20-Prozent-Marke erreichte die Partei nicht.

Aus Sicht der AfD, die in bundesweiten Umfragen deutlich höhere Werte erzielt, ist das Ergebnis eher ernüchternd. Denn das einstige Musterländle im Südwesten, in dem jetzt die Angst vor der Deindustrialisierung umgeht, gilt als potenziell fruchtbares Terrain für die Rechtsaußenpartei. Eine deutliche Steigerung des Bundestagswahlergebnisses schien einigen in der Partei machbar.

Co-Parteichefin Alice Weidel, die selbst aus dem Landesverband Baden-Württemberg kommt, wertete das Ergebnis trotzdem als Erfolg. Es laufe auf eine Verdopplung der Stimmanteile hinaus, „damit können wir sehr zufrieden sein“, sagte sie in der ARD. Dass Spitzenkandidat Markus Frohnmaier im Wahlkampfendspurt in die USA gereist war, sei „seine Entscheidung“ gewesen, sagte sie im ZDF.

Enttäuschend war der Wahlausgang für die Linke: Die hatte noch vor Kurzem davon geträumt, zum ersten Mal in ihrer Geschichte überhaupt in den baden-württembergischen Landtag einzuziehen, blieb aber auch unter fünf Prozent.