- Am 28. Februar kam es zu einem Angriff auf eine iranische Mädchenschule
- Trump beschuldigte den Iran – die „New York Times“ fand Hinweise auf einen US-Angriff
- Lesen Sie, was die Rechercheteams bis jetzt herausgefunden haben
Am 28. Februar sind bei einem Angriff auf eine Mädchenschule im Iran nach iranischen Behördenangaben mindestens 168 Menschen gestorben – darunter vor allem Schülerinnen im Alter von sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen und vier Eltern. Unabhängig bestätigen lassen sich diese Angaben nicht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Noch immer ist offen, wer genau hinter dem Treffer steckt. Waren es US-Streitkräfte? Ein Bericht der „New York Times“ legt das nahe: Der Zeitung zufolge ist die Shajarah-Tayyebeh-Schule in Minab am ersten Tag des Iran-Krieges bombardiert worden, während in unmittelbarer Nähe US-Angriffe auf eine Militäranlage erfolgten.
Iran-Krieg: „New York Times“ sieht Hinweis auf US-Angriff auf Mädchenschule
Die „New York Times“ hat Satellitenbilder, verifizierte Videos und Beiträge in sozialen Netzwerken ausgewertet und kommt zu dem Schluss: Die Schule wurde durch einen präzisen Schlag getroffen. Zeitgleich fand ein Angriff auf einen Marinestützpunkt in der Nähe statt, der von Irans Revolutionsgarden betrieben wird.
Da auch offiziell bestätigt wird, dass dieser US-Angriff auf den Marinestützpunkt erfolgt ist, sieht die Zeitung Hinweise darauf, dass US-Streitkräfte „höchstwahrscheinlich“ auch die Schule angegriffen haben. Nach Auswertungen der Zeitung ist die Schule unmittelbar an das Militärgelände angeschlossen. Ob den Verantwortlichen bewusst war, dass sich eine Schule in der Nähe befindet, ist aber offen.
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Der Angriff auf die Schule wurde am Samstag um kurz nach 11.30 Uhr Ortszeit durch Videos und Fotos in sozialen Netzwerken veröffentlicht. Sie zeigen unter anderem Rauchwolken nahe dem Marinestützpunkt und der Schule. Die „New York Times“ ließ unter anderem ein Video durch einen Geolokalisierungsexperten untersuchen.
Kurz darauf veröffentlichte auch die Organisation Factnameh, die sich gegen Desinformationskampagnen im Iran einsetzt und Fakten checkt, ein Foto der getroffenen Schule – und bestätigte, dass sich die Schule „in unmittelbarer Nähe zu mehreren Gebäuden, die mit dem Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) in Verbindung stehen“, befindet.
US-Tomahawk-Rakete trifft iranische Revolutionsgarde nahe Schule
Wie Rechercheteams der Zeitung und der Plattform Bellingcat unabhängig voneinander herausfanden, zeigt ein am Sonntag von der iranischen Nachrichtenagentur Mehr veröffentlichtes Video den Einschlag eines US-Flugkörpers in der Nähe der Schule. Im nur wenige Sekunden langen Clip sei zu sehen, wie ein US-Tomahawk-Marschflugkörper am 28. Februar eine Einrichtung der iranischen Revolutionsgarde treffe, schreibt Bellingcat. Das von den Journalisten überprüfte Videomaterial zeige zudem, wie bereits Rauch aus der Nähe der Mädchenschule aufsteige. „Das US-Militär ist die einzige an dem Konflikt beteiligte Streitkraft, die Tomahawks einsetzt“, so die Zeitung.
Am 28. Februar feuerte die US-Marine nach Aussagen von Verteidigungsminister Pete Hegseth Marschflugkörper des Typs Tomahawk auf iranische Streitkräfte. Am Sonntag hatte Trump vor Journalisten den Iran beschuldigt, für die Bombardierung der Mädchenschule verantwortlich zu sein: „Meiner Meinung nach und nach dem, was ich gesehen habe, wurde das vom Iran getan.“ Der Vorfall werde noch untersucht, hieß es von Hegseth.
Wie die „New York Times“ berichtet, sind mindestens sechs Gebäude der Revolutionsgarden sowie die Schule laut Aufnahmen getroffen worden. Mindestens an zwei Gebäuden habe es Einschlagstellen in der Mitte der Dächer gegeben, was auf Präzisionsschläge hinweise. Nach Informationen der Zeitung war die Schule einst Teil des Marinestützpunktes der Revolutionsgarden. Mittlerweile sei das nicht mehr der Fall. Die Schule weise auf Satellitenbildern aus dem Jahr 2013 „typische Merkmale einer Schule auf“, wie etwa einen Sportplatz.
Iran-Krieg: Angriff auf Mädchenschule wird untersucht
Auch ein Factchecking-Team des Senders BBC hat sich mit dem Fall beschäftigt und Satellitenbilder des betroffenen Standorts untersuchen lassen. Demnach sei auf den Satellitenbildern „ein weitreichenderes Zerstörungsbild als bisher in verifizierten Videos bestätigt“ sichtbar gewesen.
„Die große Anzahl an Einschlagstellen, die relativ nah beieinander liegen, lässt vermuten, dass es ein oder mehrere Ziele in unmittelbarer Nähe zueinander gab“, sagte der Satellitenbildanalyst Jamon Van den Hoek von der Oregon State University dem Sender BBC. „Es scheint, als sei der Angriff auf dieses Gebiet absichtlich erfolgt“, sagte er. Und betonte: „Aber wir wissen nicht, was sie treffen wollten.“

Auf Anfrage der „New York Times“, ob die Vereinigten Staaten für den Angriff auf die Schule verantwortlich seien, antwortete Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses: „Nicht, dass wir wüssten.“ Und fügte hinzu, dass „das Kriegsministerium den Vorfall untersucht“. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte ebenfalls am Mittwoch, eine Untersuchung zu dem Angriff sei eingeleitet worden.
Auch das israelische Militär prüft den Fall nach eigenen Angaben. Nadav Shoshani, ein Sprecher des israelischen Militärs, sagte am Sonntag gegenüber Reportern, dass ihm „zum jetzigen Zeitpunkt“ keine israelische Militäroperation „in diesem Gebiet“ zum fraglichen Zeitpunkt bekannt sei.
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Schule im Iran getroffen – „typische Merkmale einer Schule“
Beth Van Schaack, eine ehemalige Beamtin des US-Außenministeriums, fand in der „New York Times“ deutliche Worte: „Angesichts der Geheimdienstkapazitäten der USA hätten sie wissen müssen, dass sich in der Nähe eine Schule befindet.“ Van Schaack lehrt heutzutage am Zentrum für Menschenrechte und Internationale Gerechtigkeit der Stanford University.
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Auch die UNESCO, die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, verurteilte am Sonntag den Angriff auf Bildungseinrichtungen wie in Minab. In einer Mitteilung heißt es: „Die Tötung von Schülerinnen an einem Ort des Lernens stellt eine schwere Verletzung des Schutzes dar, der Schulen nach internationalem humanitärem Recht zusteht.“
Das UN-Menschenrechtsbüro hatte am Dienstag eine umfassende Untersuchung des Vorfalls verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln.









