• Karyna Shuliak steht an erster Stelle in Epsteins Nachlass-Dokument – noch vor Ghislaine Maxwell
  • Sie soll 100 Milliarden, 48 Diamanten und mehrere Immobilien erben
  • Doch die junge Frau hat sich bis heute nicht geäußert

Zwei Tage vor seinem Tod unterschreibt Jeffrey Epstein in seiner Gefängniszelle ein Dokument namens „The 1953 Trust“, benannt nach Epsteins Geburtsjahr. Es ist 32 Seiten lang und kein Testament im klassischen Sinne, regelt aber, wie Epsteins Besitz nach seinem Tod aufgeteilt werden soll. Aufgelistet werden etwa 40 Begünstigte, darunter auch seine langjährige Gefährtin Ghislaine Maxwell, die heute eine 20-jährige Haftstrafe absitzt. Sie soll zehn Millionen Dollar erhalten.

Epstein-Nachlass: Karyna Shuliak erbt Inseln, Villen und Diamanten

An erster Stelle dieses Nachlasses – noch vor Maxwell und Epsteins Bruder – steht allerdings ein anderer Name: Karyna Shuliak. Sie soll nicht nur 100 Millionen Dollar erhalten, sondern auch sämtliche seiner Immobilien: die Privatinsel Little Saint James in der Karibik, die „Zorro Ranch“ in New Mexico, die Anwesen in Palm Beach und New York sowie die Apartments in Paris. Zusätzlich sind ihr 48 Diamanten und ein 32 Karat schwerer Diamantring zugeschrieben. Eine handschriftliche Bemerkung erwähnt, sie habe diesen allerdings schon erhalten – in Erwartung einer Ehe, wie es heißt. Sie ist die letzte Person, mit der Epstein vor seinem mutmaßlichen Suizid telefoniert haben soll. Wer ist also die Frau, die Epstein heiraten wollte?

Auch interessant

Karyna Shuliak wächst in Minsk in Belarus auf und beginnt auch dort, Zahnmedizin zu studieren. 2009 kommt sie über ein „Work and Travel“-Programm das erste Mal in die USA. Sie ist 20 Jahre alt. Wie genau sie dem 36 Jahre älterem Jeffrey Epstein begegnet, ist nicht vollständig dokumentiert. Eine gemeinsame Bekannte soll die beiden 2011 einander vorgestellt haben. Epstein ist zu dieser Zeit bereits wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen verurteilt.

 Dieses Foto, veröffentlicht vom US-Justizministerium am 30. Januar 2026 im Rahmen der Jeffrey-Epstein-Akten, zeigt Jeffrey Epstein (r.) mit Karyna Shuliak.
Dieses Foto, veröffentlicht vom US-Justizministerium am 30. Januar 2026 im Rahmen der Jeffrey-Epstein-Akten, zeigt Jeffrey Epstein (r.) mit Karyna Shuliak.© AFP | Handout/US DEPARTMENT OF JUSTICE

Studienplatz, Scheinehe, Staatsbürgerschaft: Epsteins System

Epstein übernimmt schrittweise die Finanzierung von Shuliaks Leben in den USA. Er organisiert ihr einen Studienplatz an der renommierten Columbia University und zahlt ihre Studiengebühren. Darüber hinaus schickt Epstein auch hohe Geldsummen an die Eltern von Shuliak nach Belarus. Er empfiehlt ihr, sich bei der Einreise als Putzkraft auszugeben.

Mehr zum Fall Epstein

Mit dem Ende ihres Studiums droht 2013 ihr Aufenthaltsrecht zu erlöschen. Eine Verlängerung wird abgelehnt. Um in den USA bleiben und arbeiten zu können, heiratet sie eine Frau aus Epsteins Umfeld, die US-Bürgerin Jennifer Kalin. Die Epstein-Files zeigen, dass diese Art von Scheinehen des Öfteren von Epstein eingesetzt wurden, um ausländische Frauen im Land zu behalten. Shuliak erhält 2018 die US-Staatsbürgerschaft und lässt sich 2019 von ihrer „Ehefrau“ scheiden. So schließt Shuliak ihr Studium in den USA ab, registriert sich als Zahnärztin auf der karibischen Insel Saint Thomas, vor deren Küste Epsteins Privatinsel Little Saint James liegt.

In den Datensätzen der Epstein-Files lässt sich Shuliaks Name über 40.000 Mal finden. Sie tauschen Zärtlichkeiten und Liebesbekundungen aus. 2012 schreibt Shuliak, Epstein sei der „reinste Mann von allen Männern“. Es gibt aber auch Auseinandersetzungen, in denen Epstein immer wieder betont, wie viel sie ihm zu verdanken habe und dass ihre Eifersucht das größte Hindernis in ihrer Beziehung sei: „Eifersucht ist für mich sehr schwer zu verstehen und zu handhaben. Es macht mich verrückt. Ich finde es nur egoistisch, sonst nichts“, heißt es in einer E-Mail von 2015 von Epstein an Shuliak. Die Dokumente zeichnen das Bild einer Frau, die tief in Epsteins Leben eingebunden und auch abhängig war – finanziell und emotional.

News aus den USA

Epstein telefonierte am Abend vor seinem Tod mit Shuliak

Am Abend des 9. August 2019 telefoniert Epstein aus dem Gefängnis heraus mit Karyna Shuliak. Das Gespräch dauert 15 Minuten. Am nächsten Morgen wird er tot aufgefunden. Die Gerichtsmedizin klassifiziert den Tod als Suizid durch Erhängen. Laut der US-Zeitung „New York Daily News“ heißt es aus Shuliaks Umfeld, sie habe das Telefonat nicht als Abschied empfunden.

Auch interessant

Heute ist sie 36 Jahre alt und wohnt angeblich in New York. Die ihr zugeteilten 100 Millionen Dollar wird sie wahrscheinlich nie erhalten, denn Epsteins Vermögen wurde nach seinem Tod eingefroren, und die Zahlungen an Epsteins Opfer schmälerten den Nachlass erheblich. Selbst hat sie sich zu all dem nicht geäußert. Wie viel Shuliak über Epsteins Straftaten wusste, lässt sich auch aus den Dokumenten nicht ableiten. Behördliche Ermittlungen gegen sie hat es nie gegeben.