Unter dem Slogan „ENOUGH! GENUG! BASTA!“ formiert sich eine weltweite Protestwelle: Für den 9. März 2026 rufen Aktivistinnen zu einem globalen Frauen-Generalstreik auf. Ziel ist es, mit der kollektiven Niederlegung bezahlter und unbezahlter Arbeit die Unverzichtbarkeit von Frauen sichtbar zu machen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Laut Initiatorin Adrienne Goehler richtet sich der Protest gegen patriarchale Strukturen, Femizide und die Abwertung von Care-Arbeit. Allein in Deutschland organisieren sich bereits Gruppen in 36 Regionen. Der Aktionstag soll den Internationalen Frauentag am 8. März, er fällt dieses Jahr auf einen Sonntag, um einen Tag verlängern.

Initiatorin Goehler betont im Gespräch mit FUNKE-Podcasterin Bascha Mika in der aktuellen Folge von „Mikas Matrix“ die Notwendigkeit neuer Protestformen: „Wir haben die Schnauze voll vom betreuten Demonstrieren“, so die Kulturpolitikerin. Ziel sei ein „System-Reload“, da demokratische Werte und Menschenrechte weltweit unter Druck stünden. Nötig seien andere Formen des Protests. „Es muss jetzt weh tun!“ Zu lange sei man auf ausgetretenen Pfaden auf die Straße gegangen.

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#52 Frauenstreik – eine Kampfansage
Mikas Matrix
 

Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um einen Streik im tarifrechtlichen Sinn. Wer teilnimmt, sei nicht vom Streikrecht geschützt, heißt es auf der Internetseite der Initiative. Es gelte, selbst zu entscheiden, ob etwa ein Urlaub eingereicht wird, eine Freistellung beantragt oder nur die Mittagspause etwas verlängert wird.

Bewegung setzt auf Vielfalt und vielfältige Protestformen

Der Streiktag folgt bewusst auf den 8. März, um dort einzugreifen, „wo Sichtbarkeit allein nicht mehr reicht“ – durch kollektive Verweigerung. Dabei setzt die Bewegung auf Vielfalt: Da es sich nicht um einen zentral gesteuerten Gewerkschaftsaufruf handelt, sind die Formen des Protests an die jeweilige Lebensrealität angepasst. Die Möglichkeiten reichen von Arbeitsniederlegung in Betrieben und Haushalten über verlängerte Mittagspausen bis hin zu kreativen Aktionen wie dem bewusst langsamen Überqueren von Straßen durch die „Omas gegen Rechts“.

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Hinter der Initiative steht eine rasant wachsende Vernetzung, die aus einem Kern von nur vier Gründerinnen entstand. Mittlerweile unterstützen über 30 Organisationen die Plattform, wobei sich neben fast 1000 Frauen auch etwa drei Dutzend Männer aktiv an der Organisation in Deutschland beteiligen. Der 9. März wird dabei bewusst als „offener Raum“ definiert, der keinem einheitlichen Ritual folgt, sondern individuelle Formen der Verweigerung zulässt.

Adrienne Goehler formuliert im Gespräch mit Bascha Mika eine radikale Vision von Gerechtigkeit: Frauen wollten die „Hälfte des Himmels“ und die „Hälfte der Kohle“. Sie kritisiert eine globale Politik, in der sich Staatschefs wie in einem „schlechten Pub“ verhalten und die Welt unter sich aufteilen.

Da Frauen im Westen beim Streik kaum existenzielle Gefahren drohen, sieht Goehler eine moralische Verpflichtung, stellvertretend für Frauen in repressiven Regimen wie dem Iran oder Afghanistan einzutreten. Allerdings schränkt sie ein: „Keine Frau darf durch den Streik gefährdet werden.“