Das war wohl wahrlich eine Überraschung: Ausgerechnet an seinem 66. Geburtstag nahm die britische Polizei den früheren Prinzen Andrew in Zusammenhang mit dessen Verbindung zu Sexualstraftäter Jeffrey Epstein fest. Ein Schlag auch für die Familie, die seit Bekanntwerden der Epstein-Dokumente ebenfalls stark unter Druck steht.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Während seine Töchter Beatrice und Eugenie mehr und mehr in einem moralischen Dilemma stecken, muss Ex-Frau Sarah Ferguson harte Konsequenzen verdauen. Den luxuriösen Wohnsitz samt Titel hatte ja nicht nur Andrew, sondern auch Fergie (66) im Zuge des Epstein-Skandals längst eingebüßt. Laut Medienberichten aber kam es jetzt noch mal richtig dicke: Nun sollen auch mehrere ihrer Unternehmen vor der Auflösung stehen.

Auch interessant

Ex-Frau von Andrew: Sarah Ferguson bettelte Epstein um Putzjob an

Wie die britische Zeitung „The Guardian“ unter Berufung auf die Registerbehörde Companies House berichtet, wurde die Löschung von sechs Firmen beantragt, bei denen Sarah Ferguson als alleinige Geschäftsführerin eingetragen ist. Betroffen sind S Phoenix Events, Fergie‘s Farm, La Luna Investments, Solamoon Ltd, Philanthrapreneur Ltd und Planet Partners Productions Ltd. Die Abwicklung soll vor dem Hintergrund der anhaltenden Debatte um Fergies frühere Kontakte zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein erfolgen.

Fergie selbst war durch die Veröffentlichung der Epstein-Akten immer mehr in den Fokus geraten. Ihr schriftlich formuliertes Betteln um einen Job bei Epstein habe die britische Öffentlichkeit in Staunen versetzt, so berichten Medien: In einer Mail vom Mai 2010 soll die frühere Herzogin, die nach ihrer Scheidung auch dank ihres ausschweifenden Lebensstils als notorisch klamm und massiv verschuldet galt, Epstein angeboten haben, seinen Haushalt zu machen. „Ich verstehe nicht, warum du mich nicht einfach als deine Haushälterin einstellst. Ich bin die Fähigste und brauche das Geld dringend. Bitte, Jeffrey, denk darüber nach“, zitiert die britische „Mail on Sunday“ die Nachricht aus den Akten.

Mehr Artikel über Europas Adel

Sarah Ferguson gilt bei den Royals schon lange als Persona non grata

Wenn es nur ums Putzen gegangen wäre, wäre es schon bizarr genug. Doch weil die Nachricht aus einer Zeit stammt, als Epstein bereits wegen der Anbahnung von Prostitution Minderjähriger verurteilt worden war, wird diese Mail in Medienberichten geradezu als skandalös eingeschätzt. Ihr Flehen um einen Job belege nicht nur eine Verbindung, sondern offenbar auch finanzielle Abhängigkeiten. Dabei war Andrews Ehefrau im Vorfeld nicht müde geworden zu betonen, dass sie fast nichts mehr mit Epstein zu tun habe und vor allem seine Verbrechen verurteile.

Sarah Ferguson hatte auch in früheren Jahren immer wieder mit ihrer Art für Schlagzeilen gesorgt. Dass sie mit dem ehemaligen Prinzen Andrew verheiratet war, hinderte sie beispielsweise nicht daran, heftig herumzuflirten: 1992 kursierten mittlerweile legendäre Fotos von ihr, die sie beim Sonnenbaden zeigten – während sie sich von ihrem damaligen Partner hingebungsvoll die Zehen küssen ließ. Die Bilder, die im Boulevard Wellen schlugen, führten allerdings schon damals dazu, dass sie im royalen Umfeld zur Persona non grata erklärt wurde.

Queen's 90th birthday celebrations
Andrew und seine Töchter: Prinzessin Eugenie (l.) und Prinzessin Beatrice. Auch an ihnen geht der Skandal nicht vorbei.© picture alliance / empics | Dominic Lipinski

Epstein-Skandal: Beatrice und Eugenie planen großes Enthüllungsinterview

Und wie steht es um die Töchter des Paares, das sich selbst nach der Scheidung 1996 als „glücklichstes Ehepaar der Welt“ bezeichnet hatte? Trotz der Trennung wohnten die beiden noch lange zusammen in der Royal Lodge. Ihre Töchter Prinzessin Beatrice (37) und Prinzessin Eugenie (35) von York, so berichtet der „Merkur“ gestützt auf „Daily Express“, planen in diesen Tagen offenbar ein großes Interview, um sich endlich einmal Luft zu machen. Laut „Daily Express“ hätten die Schwestern „außergewöhnliche Angebote“ erhalten – von Oprah Winfrey bis zu Netflix.

Dabei scheinen die Epstein-Dokumente auch sie zu streifen. Wie „BBC“ berichtet, gibt es Hinweise darauf, dass Beatrice und Eugenie mit Andrew und Epstein 2010 in Miami zu Mittag aßen. Damals war Eugenie 19 und Beatrice 21 Jahre alt. Auch gebe es Hinweise, Epstein hätte Flüge für die Familie bezahlt.

Mehr über das britische Königshaus

Laut BBC würde es für die beiden jungen Frauen zunehmend schwerer, sich von dem Skandal zu distanzieren. BBC-Royal-Kommentator Richard Palmer sagt: „Das wird Fragen in der Öffentlichkeit aufwerfen, was genau sie dort gemacht haben.“ Der Autor Andrew Lownie, der ein Buch über die Yorks schrieb, ordnet es so ein: „Sie waren keine fünfjährigen Mädchen, als sie zu Epstein gebracht wurden. Sie waren erwachsen.“

William will Monarchie modernisieren: Schwestern könnten ausgeschlossen werden

Andrew und Fergie sind im Grunde längst vom royalen Parkett verbannt. Aber die Töchter haben in den vergangenen Jahren durchaus hohes Ansehen genossen und konnten sich auch auf die Unterstützung der Königsfamilie verlassen. Auch König Charles und Prinz William schätzten die Schwestern, die bei royalen Anlässen gern gesehen waren. Allerdings hört man in den britischen Medien heraus, dass sich das ändern könnte.

William hatte sich vorgenommen, die Monarchie zu modernisieren. Adels-Experten spekulieren, ob der Königssohn Härte zeigt und seine Cousinen vom royalen Leben ausschließt. Der König aber halte noch die schützende Hand über die Schwestern. Eine aber hat den Damen die eiskalte Schulter gezeigt: Zara Tindall, Tochter von Prinzessin Anne, die lange als Bindeglied zwischen den Familien galt, hat sich von den Schwestern distanziert. Laut royalen Experten wohl auch wegen ihrer Kontakte in die Geschäftswelt. Die seien nämlich für Royals ohne Adelstitel existenziell.