Vier Monate hat sich der peruanische Übergangspräsident José Jerí im Amt gehalten. Jetzt unterlag er einem Misstrauensvotum, das sich mit 75 Stimmen von 102 anwesenden Abgeordneten gegen ihn wandte. Damit erfolgt in Peru nun der achte Machtwechsel in knapp 10 Jahren. Und das zwei Monate vor der eigentlich angesetzten Neuwahl.
Geheimes Treffen mit chinesischem Unternehmer löst erneut Peru-Krise aus
Während der Debatte erklärte der oppositionelle Abgeordnete Edward Málaga im Kongress: „Der Präsident hat alle Eintrittskarten gekauft, um seines Amtes enthoben zu werden.“ Zu diesen Eintrittskarten zählt zuallererst ein geheimes Treffen mit dem chinesischen Unternehmer Zhihua Yang, der für eines seiner Unternehmen eine staatlich gewährte Konzession besitzt. Der 39-jährige Übergangspräsident bestreitet noch immer, etwas Kriminelles getan zu haben. Bilder vom Treffen, die ihn mit Hoodie und Sonnenbrille zeigen, werfen allerdings Zweifel auf.
Concerned about latest reports that Peru could be powerless to oversee Chancay, one of its largest ports, which is under the jurisdiction of predatory Chinese owners. We support Peru’s sovereign right to oversee critical infrastructure in its own territory. Let this be a…
— Bureau of Western Hemisphere Affairs (@WHAAsstSecty) 11. Februar 2026
Der Vorfall allein ist nicht der einzige Grund für die Unruhen. Er steht symbolisch für eine Außenpolitik, die es nicht schafft, die peruanischen Beziehungen nach China und in die USA auszubalancieren. Das US-Außenministerium warnte noch letzte Woche vor dem chinesischen Einfluss in Peru. Das Ministerium zeigte sich auf X „besorgt über die jüngsten Berichte, dass Peru machtlos sein könnte, Chancay zu beaufsichtigen – einen seiner größten Häfen, der unter der Kontrolle räuberischer chinesischer Eigentümer steht“.
Nach der Absetzung von José Jerí soll das Parlament noch heute einen Nachfolger wählen. Die Abstimmung im Kongress ist für 18.00 Uhr (Ortszeit, 0.00 Uhr MEZ) angesetzt. Gewählt wird ein neuer Parlamentspräsident, der bis zum Amtsantritt des nächsten gewählten Präsidenten übergangsweise an der Spitze des Staates steht. Als Kandidaten für das Amt treten vier Kongressabgeordnete aus verschiedenen Parteien an. Als Favoritin gilt die ehemalige Kongresspräsidentin María del Carmen Alva.

Jerí war selbst vor vier Monaten als Übergangspräsident gewählt worden, nachdem das Parlament unter seiner Führung die Vorgängerin Dina Boluarte wegen Korruption abgesetzt hatte. Peru durchlebt nun die nächste Krise. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „Estudios Peruanos“ vom Januar 2026 glauben nur elf Prozent der Befragten, dass sich durch die Wahlen im April die Situation des Landes deutlich verbessern wird. Auch diese 11 % dürften nun die nächste Enttäuschung erlebt haben.


