„Wissen Sie, wie viel Deutschland mittlerweile für Soziales ausgibt?“ – Markus Lanz stellt am Dienstagabend eine scheinbar schlichte Frage. Der Generalsekretär der SPD, Tim Klüssendorf antwortet selbstbewusst: „Ja. Weiß ich.“ Dann wird er unsicher. „Nee, sorry, ein Drittel – die Hälfte ungefähr.“  

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Lanz lässt nicht locker: „Man muss doch wissen, wovon man redet.“ Der Sozialdemokrat wirkt überrascht, als Lanz ihn schließlich aufklärt: 1,3 Billionen Euro – so hoch seien die Sozialausgaben in Deutschland.

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Der 34-jährige SPD-Generalsekretär ist gekommen, um das neue Grundsatzprogramm seiner Partei zu erklären. Der Vorgänger ist fast 20 Jahre alt. Bei Lanz verteidigt Klüssendorf vor allem die Linie seiner Partei: keine Kürzungen „auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“. Vorschläge der Union bedeuteten „für viele Menschen eine Verschlechterung“. Erst Strukturen prüfen, dann verändern. „Nicht immer mehr regulieren, sondern auch Dinge leichter machen.“

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Doch Lanz interessiert sich weniger für Programmsätze als für konkrete Größenordnungen. Wie viele Billionen fließen in den Sozialstaat? Wie hoch ist der jährliche Zuschuss an die Krankenkassen? Klüssendorf weicht aus, relativiert, spricht von „relativen Zahlen“. Auf die Frage nach dem Kassen-Zuschuss sagt er knapp: „Weiß ich nicht.“ Als Lanz „über 13 Milliarden“ nennt, folgt ein spätes „Ach so, ja klar, sorry.“

Es ist eine unangenehme Situation, die unweigerlich an einen Vokabeltest in der Schule erinnert, für den man – wie man feststellen muss – nicht ausreichend gelernt hat. 

Social Democrats (SPD) Leadership Holds Two-Day Retreat
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf bei einer Rede.© Getty Images | Omer Messinger

SPD-Grundsatzprogramm und Sozialreform: Kritik von Dagmar Rosenfeld

Das Problem ist nicht, dass ein Politiker nicht jede Zahl parat hat. Es ist das Bild, das entsteht, wenn er Reformen verteidigt, ohne die finanzielle Dimension sicher greifen zu können. Lanz nutzt diese Lücke konsequent. Seine Methode: insistieren, nachfragen, verdichten. Am Ende bleibt weniger die sozialpolitische Vision hängen als der Eindruck eines Abends, an dem der SPD-Stratege unvorbereitet wirkt.

Journalistin Dagmar Rosenfeld verschärft die Debatte zusätzlich. „Einfach die Einnahmeseite erhöhen ist keine Reform“, sagt sie mit Blick auf SPD-Pläne, auch Miet- und Kapitalerträge stärker zur Finanzierung heranzuziehen. Deutschland gebe – gemessen an der Wirtschaftsleistung – enorm viel für Gesundheit aus und liege bei der Lebenserwartung dennoch nur im Mittelfeld. „Das heißt doch, da läuft etwas verkehrt.“

Klüssendorf hält dagegen, man habe „keine Zeit“, dürfe aber nicht als Erstes Leistungen kürzen. Reformdruck ja, Sozialabbau nein. In der Sache bleibt die SPD an diesem Abend defensiv: viele Abwägungen, wenige konkrete Modelle.

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Klarer wird Klüssendorf bei der Sicherheitspolitik. Eine deutsche Atombombe? „Ich sehe auch die Notwendigkeit ehrlicherweise nicht für uns selbst.“ Mit Blick auf internationale Verträge sei das ausgeschlossen. Auch eine Rückkehr zur Wehrpflicht lehnt er ab. Ein gesellschaftliches Pflichtjahr könne er sich dagegen vorstellen.

Der Militärexperte Christian Mölling verschiebt den Fokus später auf Europas Sicherheitslage. Er warnt vor Illusionen einer atomar bewaffneten EU: „Glaubt Putin, dass ein deutscher Bundeskanzler so eine Waffe einsetzen würde?“ Seine Skepsis, kombiniert mit der nüchternen Analyse des ZDF‑Korrespondenten Elmar Theveßen, gibt der Sendung in der zweiten Hälfte eine ganz andere Stoßrichtung. 

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Nach Donald Trumps Versprechen eines „goldenen Zeitalters“ wirke es, „als sei das Gegenteil der Fall“. Zwei Drittel der Amerikaner sagten inzwischen, das Land sei „auf dem falschen Weg“. Ein möglicher Billionen-Deal mit Russland? Man kenne vor allem das „Preisschild“. Es zeichne sich ab, „dass man offenbar wieder Geschäfte machen will, in Teilen auf Rücken der Ukrainer und der Europäer“. Auch hier hakt Lanz nach, bleibt aber weniger konfrontativ als bei Klüssendorf. Außenpolitik wird eingeordnet, Sozialpolitik abgeklopft.

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Thematisch ist der Dienstag breit: SPD-Grundsatzprogramm, Sozialreform, Wehrpflicht, Atomdebatte, Münchner Sicherheitskonferenz, Ukraine-Krieg, Trump. Doch dramaturgisch verengt sich der Abend auf ein Duell. Lanz gegen Klüssendorf.