Der britische Premierminister Keir Starmer steht seit den neuesten Veröffentlichungen der Epstein-Akten stark unter Druck. Er soll den früheren Labour-Minister Peter Mandelson zum britischen Botschafter in den USA ernannt haben, obwohl ihm dessen Kontakte zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auch nach dessen Verurteilung 2008 bekannt gewesen seien. Bei einer Rede am Montag vor Abgeordneten seiner Labour-Partei wollte Starmer allerdings nichts von einem Rücktritt wissen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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„Nachdem ich so hart für die Chance gekämpft habe, unser Land zu verändern, bin ich nicht bereit, mich von meinem Mandat und meiner Verantwortung zurückzuziehen“, sagte Starmer. Er habe bisher „jeden Kampf gewonnen, den ich je geführt habe“. Starmer wurde bei der Sitzung mit Applaus empfangen, wichtige Minister scharten sich in der größten Krise seiner 19-monatigen Amtszeit um den Regierungschef. Von der nicht öffentlichen Ansprache an die Labour-Fraktion im Unterhaus berichteten britische Medien unter Berufung auf Teilnehmer.
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Zuvor war der Druck auf den Premierminister wegen der Epstein-Affäre nochmals gestiegen: Nach nur wenigen Monaten im Amt und weniger als 24 Stunden nach dem Rücktritt von Kabinettschef Morgan McSweeney trat am Montag Starmers Kommunikationschef Tim Allan zurück. Und mit dem schottischen Parteichef Anas Sarwar schloss sich zudem ein erster ranghoher Labour-Politiker den Rücktrittsforderungen gegen den Regierungschef an.
Das Ausmaß der Verbindungen zwischen Starmers ehemaligen Botschafter in den USA, Peter Mandelson, und Epstein war mit der Freigabe weiterer Epstein-Akten durch das US-Justizministerium Ende Januar bekannt geworden. Demnach soll Mandelson, als er von 2008 bis 2010 Minister unter Premierminister Gordon Brown war, vertrauliche Finanzdaten der damaligen Labour-Regierung an den US-Finanzinvestor weitergegeben und Geld von ihm angenommen haben.
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Der 2019 im Gefängnis gestorbene US-Multimillionär Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Mädchen zum Opfer fielen. Zugleich unterhielt er enge Kontakte zu höchsten Kreisen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Auch für die britischen Royals wird die Causa Epstein wegen der einst engen Beziehung zwischen dem New Yorker Finanzier und dem inzwischen in Ungnade gefallenen Ex-Prinzen Andrew zur immer größeren Belastung. Nachdem die Epstein-Akten neue Vorwürfe gegen Andrew zutage gefördert hatten, kündigte König Charles III. in einer Mitteilung des Palasts an, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen seinen Bruder zu unterstützen.
Für Starmer dürfte die Regierungskrise längst nicht durchgestanden sein. Der Premier hatte in der vergangenen Woche auf Druck von Oppositionspolitikern und aus den Reihen seiner eigenen Partei angekündigt, die Dokumente und Korrespondenz zum Auswahlverfahren vor der Ernennung Mandelsons als Botschafter zu veröffentlichen. Wann genau und in welchem Umfang das geschehen wird, ist unklar. Es wird jedoch damit gerechnet, dass dabei weitere unbequeme Details ans Licht kommen dürften.
os/dpa/afp






