Tom Homan wirkt, als könne ihn so leicht nichts umwerfen. Breitbeinig und bulldozerhaft im Auftritt, kurzgeschorene Haare, die Klartext-Sprache eines New Yorker Cops. Nach den brutalen ICE-Einsätzen, bei denen in Minneapolis zwei Menschen von maskierten Agenten der Einwanderungspolizei erschossen wurden, hat Donald Trump den schon äußerlich polarisierenden Kommandanten Greg Bovino abgezogen und seinen „Grenz-Zar“ als Feuerlöscher nach Minnesota geschickt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Homan, obwohl bullig und angriffslustig, kann konziliant sein. Er soll mit kleinen Zugeständnissen, ein Teilabzug der 3000 ICE-Kräfte etwa, die Wogen glätten, damit das große Ganze nicht gefährdet wird: Trumps Abschiebungs-Front gegen illegale Einwanderer. Kritiker sehen in dem 64-Jährigen eher einen Brandbeschleuniger, der die zunehmende Ablehnung gegen ICE in der Bevölkerung nicht überwinden wird. Wer ist der Mann?

Tom Homan hat sich seinen harten Ruf nicht erst unter Trump erarbeitet

Homan stammt aus West Carthage, einem 2000-Seelen-Nest im Norden des US-Bundesstaats New York. Erst Streifenpolizist, dann, ab 1984, Beamter beim damaligen Einwanderungsdienst INS. Er arbeitet sich über Jahrzehnte nach oben, wurde 2013 unter Präsident Barack Obama Chef der Abschiebungsabteilung von ICE und 2015 für seine „Effizienz“ mit einem hohen Beamtenpreis geehrt. Die Washington Post schrieb damals: „Thomas Homan deportiert Menschen. Und darin ist er wirklich gut.“

ICE enforcement operations continue in Minneapolis
Tom Homan will die Zahl der 3000 ICE-Agenten in Minneapolis reduzieren – vielleicht.© picture alliance / Anadolu | Madison Thorn

Seinen harten Ruf erwirbt er nicht erst unter Trump. Bereits 2014 schlägt Homan intern vor, Asyl suchenden Familien an der Süd-Grenze zu trennen, um andere von der Einreise abzuschrecken. Später nennt ihn eine große Recherche des Magazins „The Atlantic“ den „intellektuellen Vater“ der Familientrennungspolitik. Homan selbst sagt über den Abschreckungseffekt: „Die meisten Eltern wollen nicht von ihren Kindern getrennt werden. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass das keinen Effekt hat.“

„Mir ist egal, was die Richter denken“

In einem Interview mit dem Fernsehsender PBS klang das 2018 so: Das Trennen von Familien sei „traurig“, aber eben „Teil des Jobs“. Für viele Amerikaner ist das seither die Essenz von Homans Weltbild: Empathie als Randnotiz, Durchsetzung als Kernauftrag.

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Auch verbal scheut Homan keine Härte. 2017 sagte er mit Blick auf Menschen ohne gültige Aufenthaltserlaubnis: „Wenn Sie dieses Land illegal betreten haben, sollten Sie sich umschauen und sich Sorgen machen.“ 2025, als Gerichtsbeschlüsse Trumps Massenabschiebungen ausbremsten, erklärte Homan in einem TV-Interview: „Wir hören nicht auf. Mir ist egal, was die Richter denken, mir ist egal, was die Linke denkt – wir kommen.“

Trotzdem wirkt Homan in Minneapolis zunächst wie das moderatere Gesicht der Trump-Extremisten in Sachen Einwanderung. In mehreren Pressekonferenzen grenzte er sich von den chaotischen Razzien der vergangenen Wochen ab. Man müsse „sicherer, effizienter und nach dem Gesetz“ arbeiten, sagt er. Fehler seien passiert, man werde Einsatz-Taktiken ändern und stärker mit dem demokratischen Gouverneur Tim Walz und Bürgermeister Jacob Frey zusammenarbeiten. Seine Botschaft: weniger Show-Razzia, mehr „gezielte“ Abschiebungen von Schwerkriminellen. Homan verspricht, die Präsenz der rund 3000 Bundesbeamten in Minnesota reduzieren zu wollen – wenn die lokalen Behörden ICE stärker in die Karten spielen.

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Ist das der Bruch mit Bovino und Heimatschutzministerin Kristi Noem, die Minneapolis bislang wie besetztes Gebiet behandelten und von Trump de facto auf Eis gelegt wurden? In der Tonlage ja. Homan wirkt professioneller, kontrollierter, spricht von „gemeinsamer Sicherheit“ statt von „Inlandsterroristen“ auf den Straßen. In der Sache aber bleibt er knallhart: Kein „illegaler Einwanderer“ sei vor Festnahme sicher, betont Homan ständig. Nur die Prioritäten, die würden neu sortiert.

Für Trump ist Homan unverzichtbar

Zu Homans Biografie gehört noch ein zweiter, dunkler Schatten: der 50-000-Dollar-Skandal. Mehrere US-Medien berichten, der damalige Privatlobbyist Homan sei 2024 in einer FBI-Aktion von Undercover-Agenten gefilmt worden, wie er eine Tasche mit 50 000 Dollar entgegennimmt. Die Agenten gaben sich als Unternehmer aus, die auf Aufträge in einer möglichen zweiten Trump-Regierung hofften.

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Der US-Präsident hält große Stücke auf seinen „Grenz-Zar“. Ob Tom Homan die Vorbehalte gegen die Einwanderungspolizei ICE entkräften kann, ist jedoch fraglich.© picture alliance / Captital Pictures | RS/MPI

Das Justizministerium eröffnete eine Korruptionsermittlung, stellte sie aber 2025 nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus wieder ein. Mit der luftigen Begründung, Homan sei zum Zeitpunkt des Treffens kein Regierungsbeamter gewesen. Außerdem gebe es zu wenig Beweise für ein konkretes „Geschäft“ im Gegenzug.

Homan selbst bestreitet jede Schuld. „Ich habe von niemandem 50.000 Dollar genommen“, sagt er in einer TV-Sendung. Die Berichte über ihn nannte er „politisch motiviert“. Demokraten im Kongress fordern bis heute die Herausgabe der Tonaufnahmen und interne Vermerke, um zu klären, „was aus der Tüte Geld geworden ist“ – und warum die Ermittlungen eingestellt wurden.

Kann Homan die Situation beruhigen?

Für Trump ist Homan trotz alledem unverzichtbar. Der Präsident schätzt den Mann, der sein Abschiebungsprogramm nicht nur exekutiert, sondern seit Jahren lautstark verteidigt – ob im Kongress, bei Fox News oder jetzt in Minneapolis. In Trumps zweiter Amtszeit hat Homan den formellen Titel „Border Czar“, de facto steuert er nahezu alles, was Grenzschutz, Inhaftierung und Deportation betrifft.

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    Persönlich präsentiert sich Homan gern als „lebenslanger Katholik“ und Familienvater von vier Kindern, der nur „Gesetze durchsetzt“. Kritiker sehen in ihm dagegen den Mann, der Mütter und Kinder trennte, um andere abzuschrecken – und der jetzt in Minneapolis beschwichtigt, während auf Bundesebene weiter an der größten Abschiebungsmaschinerie der US-Geschichte gearbeitet wird.

    Ob Homan die aufgeheizte Lage im Mittleren Westen beruhigen kann oder ob er nur ein professionelleres Gesicht derselben harten Politik ist, wird sich zeigen. In Minneapolis hat er angekündigt, zu bleiben, „bis das Problem gelöst ist“. Was genau „gelöst“ bedeutet – weniger Tote, weniger Chaos oder einfach mehr Abschiebungen mit besserer Optik –, entscheidet am Ende nicht nur Tom Homan. Sondern ein Präsident, der in ihm den Mann gefunden hat, der seine härtesten Einwanderungsfantasien in handfeste Einsatzpläne übersetzen kann.