Seit dem Sturz und der Gefangennahme von Machthaber Nicolás Maduro in Venezuela ist die US-Regierung vor allem an einer Sache interessiert: Venezuelas Öl. Dem von US-Präsident Donald Trump immer wieder verkündeten Anspruch auf Geschäfte mit den größten Erdölreserven der Welt ist das venezolanische Regime nun weiter entgegengekommen. Das Parlament in Caracas hat eine Gesetzesinitiative zur Stärkung der Ölindustrie einstimmig gebilligt. Darin werden ausländische Investitionen in den Energiesektor ermöglicht, von denen vor allem die USA profitieren dürften.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Reform sei ein „historischer Sprung“, sagte Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez am Donnerstag bei Feierlichkeiten in Caracas anlässlich der Abstimmung. Die US-Regierung gab eine Lockerung ihrer Sanktionen gegen den venezolanischen Ölsektor bekannt.

Mit dem Gesetz werden seit Jahrzehnten gültige Einschränkungen des Zugangs zum Ölsektor des südamerikanischen Landes gelockert. Bislang durften lediglich mit dem staatlichen Ölkonzern PDVSA verbundene Gemeinschaftsunternehmen im Erdölsektor des Landes tätig werden, wobei PDVSA stets die Mehrheit behielt. Nun können private Unternehmen eigenständig Erdöl erschließen, fördern und verkaufen, ohne ein Joint Venture mit PDVSA eingehen zu müssen.

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Um ausländische Investoren in den nach jahrelangen US-Sanktionen gelähmten Markt zu locken, reformiert Caracas mit dem Gesetz auch das Förderabgabensystem. Die verschiedenen Abgaben werden durch einen einheitlichen Beitrag von 15 Prozent sowie durch maximale Lizenzgebühren in Höhe von 30 Prozent des Bruttoeinkommens ersetzt. Die venezolanische Regierung will die Steuersätze je nach Fortschritt, Rentabilität und Größe der Investitionen des jeweiligen Projekts festlegen.

Reform der Ölindustrie in Venezuela
Die amtierende venezolanische Präsidentin Delcy Rodriguez nimmt neben dem Präsidenten der Nationalversammlung, Jorge Rodriguez, an einer Kundgebung teil, nachdem das Parlament die Gesetzesinitiative beschlossen hat.© Javier Campos/dpa | Javier Campos

Venezolanische Politiker lobten die Reform. „Heute ist ein historischer Tag für unsere Republik, für unser Volk und für die venezolanische Ölindustrie“, erklärte der Vorsitzende der venezolanischen Nationalversammlung und Bruder der Übergangspräsidentin, Jorge Rodríguez. „Nur Gutes wird nach dem Leid kommen“, fügte er hinzu.

Die US-Regierung lockerte derweil ihre Sanktionen gegen Venezuelas Ölsektor. Das US-Finanzministerium erließ eine allgemeine Genehmigung, die Transaktionen erlaubt, die Venezuelas Regierung und PDVSA betreffen. Diese Transaktionen würden „gewöhnlich anfallen und notwendig sein für die Förderung, Ausfuhr, Wiederausfuhr, den Verkauf, Weiterverkauf, die Beschaffung, Lagerung, Vermarktung, den Erwerb, die Lieferung oder den Transport venezolanischen Erdöls“.

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Trump übte Druck auf Öffnung der Ölindustrie aus

Die Öffnung des Ölsektors für ausländische Investoren ist nach Ansicht von Experten eindeutig auf entsprechendem Druck aus den USA zurückzuführen. Seit der gewaltsamen Absetzung des linksnationalistischen Präsidenten Nicolás Maduro bei einem US-Militäreinsatz in Caracas Anfang Januar hat US-Präsident Donald Trump immer wieder sein Interesse an den großen Ölvorkommen des Landes betont.

Trump hat Maduros früherer Stellvertreterin Rodríguez mit einem ähnlichen Schicksal gedroht, sollte sie Washington keinen Zugang zu den riesigen Erdölvorkommen des südamerikanischen Landes gewähren. Maduro ist seit seiner gewaltsamen Absetzung in New York inhaftiert, ihm soll dort wegen „Drogenterrorismus“ der Prozess gemacht werden.

Bei der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos sagte Trump zuletzt, dass die 50 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter), die die USA aus Venezuela erhalten würden, zwischen beiden Ländern aufgeteilt würden. „Vor 20 Jahren war (Venezuela) ein großartiges Land, aber jetzt haben sie Probleme“, sagte Trump. Die USA würden helfen: „Venezuela wird in den nächsten sechs Monaten mehr Geld verdienen als in den vergangenen 20 Jahren, alle großen Ölkonzerne kommen ins Land“.

afp/dpa/os