Die Helfer hatten keine Chance. Palästinensische Sanitäter und Zivilschutzmitarbeiter waren im Gazastreifen auf dem Weg zu einem Hilfseinsatz, als israelische Soldaten das Feuer auf ihren Krankentransporter und einen Feuerwehrwagen eröffneten. 15 Helfer starben, darunter acht Angehörige des Palästinensischen Roten Halbmondes, einer Schwesterorganisation des Internationalen Roten Kreuzes.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Vorfall im März vergangenen Jahres machte Schlagzeilen, viele ähnliche Fälle bleiben von der Weltöffentlichkeit unbemerkt: Etwa als im Oktober 2025 im Sudan fünf Freiwillige des Sudanesischen Roten Halbmonds getötet wurden, als sie gerade – klar als Helfer erkennbar – Familien in der umkämpften Stadt Bara mit Lebensmitteln versorgten. Eigentlich sind solche Angriffe auf zivile Helfer in bewaffneten Konflikten ein klarer Verstoß gegen internationales Recht – doch sie geschehen immer öfter. Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Hermann Gröhe, schlägt jetzt Alarm: Im vergangenen Jahr seien weltweit mehr als 300 Einsatzkräfte während ihres humanitären Einsatzes für andere Menschen getötet worden, sagt Gröhe unserer Redaktion.

DRK-Präsident Hermann Gröhe
Hermann Gröhe, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). © Britta Pedersen/dpa | Britta Pedersen

Der DRK-Chef spricht von einem „untragbaren Zustand“ und sagt: „Hinter dieser Zahl stecken nicht nur Einzelschicksale, sondern auch eine Missachtung humanitärer Grundregeln insgesamt.“ Die Helfenden nähmen große Risiken in Kauf, um Menschen zu helfen, und seien ein Sinnbild an Menschlichkeit – trotzdem oder gerade deshalb würden von Konfliktparteien angegriffen. Den Regeln im bewaffneten Konflikt, dem humanitären Völkerrecht, müsse endlich wieder mehr Geltung verschafft werden. „Humanitär Helfende müssen geschützt werden, damit sie ihre unermüdliche Arbeit sicher verrichten und Menschen in Not helfen können.“

Verlässliche Daten zur Einschätzung der Lage liefert die Aid Worker Security Database, auf die sich auch zahlreiche internationale Organisationen stützen. Danach ist die Zahl der getöteten Helfer seit 2023 dramatisch angestiegen – waren es zuvor im jährlichen Durchschnitt etwa 120 Todesopfer im Jahr, stieg die Zahl 2023 auf 293 und 2024 auf 383. Für 2025 gibt die Datenbank vorläufig 329 getötete Helfer an, diese Zahl könnte sich aber noch erhöhen. Grund ist diesen Angaben zufolge, dass zunehmend staatliche Akteure in Konflikten gegen die Helfer vorgehen.

Der UN-Sicherheitsrat hat deshalb in einer Resolution erstmals nicht nur Angriffe auf humanitäre Helfer verurteilt, sondern auch eine Rechenschaftspflicht und gerichtliche Wiedergutmachung gefordert. Die Konflikte in Gaza und im Sudan fordern weiterhin die meisten Opfer unter den Helfern: Im Sudan wurden seit Ausbruch des Bürgerkriegs bereits 33 Mitarbeitende und Freiwillige des Internationalen Roten Kreuzes und des Sudanesischen Roten Halbmondes getötet. Gröhe berichtete, der Palästinensische Rote Halbmond habe seit 2023 unter seinen Helfern 31 Todesopfer zu beklagen. Bei einem Besuch der Schwestergesellschaft in Ramallah habe er vor einigen Wochen die Bilder der im Einsatz getöteten Helfenden gesehen: „Ein Anblick, der mich zutiefst betroffen gemacht hat.“