Laut einer neuen Umfrage sehen sich viele Russen im Angesicht des Ukraine-Kriegs von Feinden umzingelt. Ihr eigenes Land betrachten sie hingegen als Opfer, wie die Erhebung des Lewada-Zentrums, des letzten unabhängigen Meinungsforschungsinstituts in Russland, ergab. Die von der deutschen Sacharow-Stiftung in Auftrag gegebene Umfrage zur Weltsicht der Russen, stellte der russische Soziologe Lew Gudkow am Dienstag in Berlin vor.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Unter den mehr als 1600 Befragten sahen 62 Prozent Polen und Litauen als feindselige Länder, gefolgt von Großbritannien (57 Prozent), Deutschland (50 Prozent) und Schweden (40 Prozent). Die USA stuften die meisten Teilnehmer als Konkurrenten (53 Prozent) und nicht mehr als Feind (27 Prozent) ein. Unter US-Präsident Donald Trump habe sich die Meinung der Russen von den Vereinigten Staaten erheblich verbessert. 51 Prozent der Befragten stellten ihm eine positive Bewertung aus.

Das Bild der USA hat sich bei den Russen über die vergangenen Jahrzehnte mehrfach positiv oder negativ verändert. Es war schlecht unter Präsident Joe Biden wegen der Unterstützung für die Ukraine. Und es verbesserte sich mit dem Amtsantritt von Donald Trump, der ein rasches Ende des Kriegs versprach.

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Auf die Frage nach fünf befreundeten Ländern wurden am häufigsten Belarus, China, Kasachstan, Indien und Nordkorea genannt – mit Ausnahme von Indien repressiv bis diktatorisch regierte Staaten. Ihr eigenes Land sehen die meisten Russen entweder als Opfer oder als am Ausbruch von Konflikten unbeteiligt an.

Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs gibt es in Russland praktisch keine freien Medien mehr. Unabhängige Journalisten werden als „ausländische Agenten“ verhaftet, Berichterstattung über Putins „Spezialoperation“ unterliegt strenger Zensur. Stattdessen gibt es unablässig antiwestliche Propaganda – im Fernsehen, den Sozialen Medien und in den Zeitungen. Auch damit erklärt sich Soziologe Gudkow die Ergebnisse der Meinungsumfrage. Sein Institut wurde bereits als ein „Auslandsagent“ eingestuft.

In den mehr als 30 Jahren seit dem Ende der Sowjetunion habe Russland nur sechs Jahre lang keinen Krieg geführt, sagte Gudkow. Er sprach von einer „Militarisierung des Bewusstseins“.

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Umfrage-Ergebnis: Russland sei noch nie Aggressor gewesen

„Die Menschen sind den Krieg leid“, sagte Gudkow. Die Hoffnungen seien auf Trump übertragen worden, weil klar sei, dass Kremlchef Wladimir Putin den Krieg nicht beenden werde und daran auch nichts zu ändern sei. Die Sehnsucht nach Frieden bedeute aber keine Bereitschaft zu Kompromissen: „Die Russen sind überzeugt, dass die Ukraine aufgeben und kapitulieren wird.“

Den Krieg sehen die Russen als vom Westen aufgezwungen an. Russland sei nie ein Aggressor oder Initiator von Konflikten mit anderen Ländern gewesen - im Jahr 1998 bejahten 36 Prozent der Russen diese Aussage. Bis 2024, als die Invasion in die Ukraine schon zwei Jahre dauerte, wuchs dieser Anteil sogar auf 65 Prozent.

mit dpa