Die von Präsident Emmanuel Macron gewünschte Neuerung wurde am Montagabend in Paris von einer überwältigenden Mehrheit der ersten Parlamentskammer gutgeheißen. Der Senat muss als Zweitrat noch abstimmen; er kann aber den Entscheid nicht mehr umstoßen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Frankreich gibt sich die bisher schärfste Social-Media-Einschränkung westlicher Staaten. Australien, Großbritannien und Dänemark haben in letzter Zeit ebenfalls Regelungen beschlossen, die allerdings weniger weit gehen. Mehrere europäische Länder denken über eigene Gesetze nach. Gemeinsames Ziel ist es, Kinder von den toxischen Handy-Inhalten fernzuhalten. Wissenschaftler warnen vor einem „brain rot“ (wörtlich: Hirnverfaulung), der Verblödung ganzer Generationen durch Schlafstörungen, Konzentrationshemmungen und Suchtverhalten.

Frankreich: TikTok, Instagram und Co. müssen unter 15-Jährige ausschließen
Die französische Nationalversammlung wählt dagegen ein doppeltes, bereits ab nächstem Schulbeginn gültiges Vorgehen. Ins Visier nimmt sie zum einen Plattformen wie TikTok, Instagram und Snapchat. Sie müssen Nutzer von weniger als 15 Jahren selbst ausschließen. Wie, ist an sich ihre Sache. Die Anbieter behaupten, es sei fast unmöglich, User nur aufgrund ihres Alters auszuschließen, da es zahllose Umgehungsmöglichkeiten gebe. Einigkeit herrscht, dass eine bloße Selbstauskunft, wie sie etwa Pornoanbieter vorsehen, nicht mehr genügt.
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Damit verbunden ist die technische Schwierigkeit, dass das französische Gesetz nicht einfach alle Online-Dienste für unter 15-Jährige sperren will. Pädagogische Angebote wie etwa Online-Wörterbücher oder wissenschaftliche Webseiten sollen weiterhin benutzbar sein. Auch private Messengerdienste wie WhatsApp und E-Mail-Programme bleiben zugänglich.
Das Gesetz enthält eine zweite Neuerung: An den Oberstufenschulen, den Lyzeen, werden die Handys vom Schulgelände verbannt. Dieses Verbot galt bisher schon für die Unter- und Mittelstufe. In ihrer Freizeit können die drei letzten Schuljahrgänge aber ihr Smartphone beliebig benutzen.
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Social-Media-Verbot für Teenager: Experte fordert Differenzierung
Für das doppelte Verbot hat sich vor allem Macron starkgemacht. Er ließ den Gesetzestext noch verschärfen; eine erste Fassung des Social-Media-Gesetzes hatte vorgesehen, dass die Eltern die Benutzung gewisser Plattformen zulassen konnten. Der Präsident lehnte dies mit dem Argument ab, dass solche Ausnahmen in den Familien zu endlosen Diskussionen führen und die Eltern erpressbar machen könnten.
Macrons Behauptung, dass die Jugendexperten geschlossen für ein Social-Media-Verbot in der Mittelstufe und ein Handyverbot an den Oberstufen-Schulen einträten, trifft allerdings nicht vollumfänglich zu. Einer der Wortführer dieser Debatte, der Psychiater Serge Tisseron, hätte ein Social-Media-Verbot für unter 13-Jährige vorgezogen. Den Unterschied zwischen 13 und 15 hält er für kapital, da in diesem Alter die Pubertät wirke.
Teenager pflegten ihre Kontakte heute anders als noch vor zehn Jahren, sagt Tisseron; ihnen das heute wichtigste Kommunikationsmittel zu verbieten, könne ebenfalls zu sozialen oder persönlichen Problemen wie Gruppenausschluss und Einsamkeit führen. Ein Social-Media-Verbot sei für diese heikle Alterskategorie nur dann zu empfehlen, wenn ihn die Elternverbände, Lehrer und Behörden intensiv erklärten und begleiteten. Davon sei in Frankreich bisher nichts zu sehen, beklagt der Psychiater. Wichtig wäre es ihm zufolge auch, den Pubertierenden alternative Treffpunkte anzubieten, etwa den Zugang zu Turnhallen oder Pausenplätzen an Wochenenden.







