Amir (Name aus Sicherheitsgründen geändert) ist ein 36-jähriger Iraner. Er arbeitet als Taxifahrer in Teheran und gibt nebenbei Trainingseinheiten im Ringen. Unsere Redaktion hat in den vergangenen Tagen über Umwege mit ihm Kontakt aufgenommen. Amir hat eigenen Angaben zufolge an den aktuellen Protesten gegen das Mullah-Regime teilgenommen. Er hat die Lage in Teheran in einem vorherigen Gespräch als „kriegsähnlich“ beschrieben. Denn das Mullah-Regime ist mit aller Härte gegen die eigene Bevölkerung vorgegangen, wodurch bereits viele Menschen ihr Leben verloren haben.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Nun haben die Proteste im Iran nachgelassen und Amir sowie andere Iraner gehen nicht mehr auf die Straße, während sich das US-Militär dem Land nähert. In diesem Interview berichtet Amir über die aktuelle Lage in Teheran und seine Meinung zu einer möglichen US-Intervention.
Haben Sie wieder an Protesten teilgenommen?
Ich habe nicht mehr an Protesten teilgenommen.
Können Sie uns einen Eindruck von der aktuellen Lage in Teheran vermitteln? Sind die Proteste weiterhin stark oder haben sie nachgelassen?
Die aktuelle Lage ist, dass die Menschen geschockt sind. Fast jede und jeder kennt inzwischen jemanden, der festgenommen oder getötet wurde. Diese Erfahrung ist allgegenwärtig und hat die Gesellschaft tief getroffen. Die Proteste sind deutlich zurückgegangen. Das Regime hat es geschafft, die Straßen wieder zu erobern und die Proteste niederzuschlagen.
Was machen die Menschen konkret, um sich in dieser Situation zu organisieren? Versammeln sie sich weiterhin oder suchen sie nach anderen Möglichkeiten, ihre Stimmen hörbar zu machen?
Momentan bekomme ich von der Organisation nicht viel mit. Besonders in den Tagen, in denen das Internet nicht funktionierte, war selbst innerhalb des Irans und innerhalb der Städte kaum ein Zusammenkommen möglich. Dadurch gibt es derzeit keine sichtbaren Versammlungen oder Demonstrationen.
Wie verhalten sich die Regierung und die Sicherheitskräfte gegenüber den Demonstrierenden? Gibt es derzeit Angriffe?
Da es keine Demonstrationen gibt, finden auch keine direkten Angriffe auf diese statt. Trotzdem werden weiterhin Menschen festgenommen. Viele Familien versuchen, die Leichen ihrer getöteten Kinder gegen Bezahlung zurückzubekommen. Das zeigt, wie brutal und unmenschlich die Situation ist.
Wie ist die Versorgungslage im Land? Gibt es Veränderungen bei Lebensmitteln, Strom und Internet?
Lebensmittel sind grundsätzlich verfügbar, aber alles ist erneut deutlich teurer geworden. Das Regime hat zwar wieder subventionierte Lebensmittelkarten verteilt, doch das reicht vielen Menschen nicht aus. Strom gibt es. Das Internet ist jedoch stark eingeschränkt. Ich schätze, dass vielleicht fünf Prozent der Bevölkerung über VPN Zugang haben, aber selbst das funktioniert auf vielen Seiten nicht. Die Kontaktaufnahme läuft meist über Instagram oder Telegram, aber auch das ist eingeschränkt. Man muss ständig neue VPNs ausprobieren, oft sogar VPN über VPN.
US-Präsident Donald Trump hat eine militärische Intervention nicht ausgeschlossen. Wie finden Sie diese Entwicklung?
Wie viele andere Iranerinnen und Iraner bin ich froh, wenn diese Situation und dieses Regime ein Ende haben. Die Rolle der USA beobachte ich dabei mit großer Anspannung. Viele sehen die Bilder und Nachrichten in internationalen Fernsehsendern, in denen berichtet wird, dass sich die USA möglicherweise einmischen wollen. Bis jetzt hat sich allerdings nichts Konkretes getan. Gleichzeitig ist die Verantwortung der USA für mich sehr klar: Die heutige Situation ist auch das Ergebnis jahrzehntelanger US-Politik – von Sanktionen bis zu geopolitischen Machtinteressen –, die vor allem die Bevölkerung getroffen hat.
Was halten Sie davon, dass sich die USA einmischen, um das Regime zu stürzen?
Ich freue mich, wenn das Regime gestürzt wird – egal auf welchem Weg. Hauptsache, dieses Regime ist weg. Wenn es zu einer Eskalation oder einer Intervention kommt, dann tragen die USA dafür eine Mitverantwortung.
Was befürchten Sie und die Menschen um Sie herum am meisten? Und gibt es noch Hoffnung?
Ich habe Hoffnung. Nicht viel. Aber sie ist da. Gleichzeitig befürchte ich, dass noch mehr Menschen getötet und festgenommen werden. Diese Befürchtung teile ich mit einem Großteil der Bevölkerung.





