US-Präsident Donald Trumps oberste politische Handlungsmaxime lautete schon immer: „Teile und herrsche“. Er hat die Wählerschaft tief gespalten. Die Hälfte verehrte Trump wegen seiner populistischen, reißerischen Provokationen und letztlich leeren Versprechen eines besseren Lebens. Die andere Hälfte empfindet tiefe Abscheu für einen Präsidenten, in dem sie eine akute Gefahr für die Zukunft der Demokratie sieht.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Und lachender Dritter ist wieder einmal Trump, der genüsslich erntet, was er bewusst gesät hat. Denn die eskalierende Gewalt in Minneapolis hat der Präsident selbst heraufbeschworen. Völlig unnötig hat er bewaffnete ICE-Agenten, die oft wahllos das Feuer eröffnen, in eine Metropole geschickt, die nicht annähernd zu den gefährlichsten der USA zählt.
Auch interessant
Trump droht mit Militär: Wie lange lässt sich die Bevölkerung das gefallen?
Trumps Problem dort ist nicht die Kriminalität, sondern etwas anderes: Minneapolis hat einen demokratischen Bürgermeister und Minnesota einen demokratischen Gouverneur, die beide den Präsidenten scharf kritisieren. Der tragische Tod von Renee Good war ebenso abzusehen wie die nun ausartende Gewalt. Jetzt kann Trump erst recht die Muskeln spielen lassen und unter Berufung auf den „Insurrection Act“ Militärgewalt androhen, um seine Machtgelüste zu befriedigen.

Unterdessen drängt sich die Frage auf: Wie lange lässt sich die breite Bevölkerung die autokratischen und zunehmend gewaltsamen Entgleisungen noch gefallen? Wird es organisierten Widerstand geben, ob politisch oder gar gewaltsam? Oder wird Trump weiter nach Belieben schalten und walten? Nach dem von ihm angezettelten Aufstand im Kapitol drückte die Hälfte der Wähler ein Auge zu und wählte Trump ein zweites Mal. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der Präsident wieder politisch ungeschoren davonkommen kann.





